Nazi-Konzert in Unterwasser

18. Oktober 2016 05:46; Akt: 18.10.2016 08:05 Print

«Offensichtlich fühlen sich Neonazis bei uns sicher»

von B. Zanni - Politiker kritisieren scharf, dass in der Schweiz ein Neonazi-Konzert stattfinden konnte. Die Behörden müssten schneller handeln.

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In der Gemeinde Unterwasser im Toggenburg ist einer der grössten Neonazi-Anlässe der Schweizer Geschichte über die Bühne gegangen. Tausende Neonazis marschierten am Samstagabend in der Tennis- und Eventhalle für ein Neonazi-Konzert auf. Der Gemeinde hatten die Veranstalter im Gesuch einen Anlass mit sechs Schweizer Nachwuchsbands vorgetäuscht.

Umfrage
Haben es Neonazis zu einfach, um in der Schweiz Veranstaltungen durchzuführen?
60 %
19 %
21 %
Insgesamt 3197 Teilnehmer

Linke Politiker sind empört. SP-Nationalrat Cédric Wermuth twitterte: «Konzert mit 6000 Neonazis! Nachrichtendienst war wohl grad mit der Überwachung der 12 Burkas im Land ausgelastet.» Auch GLP-Nationalrat Beat Flach übt scharfe Kritik: «Wenn 6000 Neonazis unbemerkt vom NDB in der CH eine Versammlung organisieren und abhalten, stimmt was nicht!»




Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) verteidigt sich: Der NDB habe gewusst, dass das Konzert stattfinde, und die Kantonspolizei St. Gallen entsprechend informiert, sagt Sprecherin Isabelle Graber. «Wir können nur Empfehlungen abgeben. Es ist jedoch nicht unsere Pflicht, zu entscheiden, ob ein Anlass stattfindet oder nicht.»

Polizei erfuhr zu spät vom Konzert

Laut Gian Andrea Rezzoli, Sprecher der Kapo St. Gallen, ist die Polizei in ständigem Kontakt mit dem NDB. «Leider erfuhren wir zu spät vom Konzert, um es zu verhindern.» Die Bewilligungen für das Konzert hätten vorgelegen. «Nur die Gemeinde hätte die Veranstaltung vorgängig verbieten können.»

Die Politiker beruhigt das nicht. «Offensichtlich fühlen sich Neonazis in der Schweiz sehr sicher», sagt Cédric Wermuth. Neonazis müssten gesellschaftlich geächtet werden. «Viele Schweizer Behörden sind tendenziell auf dem rechten Auge blind.» Er fordert die Behörden auf, vor Ort einzuschreiten. Auch müsse die Polizei in solchen Fällen mindestens in die Halle gehen und protokollieren, damit allfällige Straftaten Folgen hätten. «Die Politik muss das klare Signal aussenden, dass wir in der Schweiz keine Neo-Nazi-Konzerte wollen.» Der Faschismus sei ein historisches Verbrechen, das in einer Demokratie nichts verloren habe.

«Wir müssen das Rennen gewinnen»

Auch Beat Flach sagt: «Damit die Schweiz nicht zum Tummelplatz der internationalen rechten Szene wird, müssen wir dieses Rennen gegen solche Veranstalter gewinnen.» Er fordert die Gemeinden auf, jedes Veranstaltungsgesuch genau zu prüfen und im Zweifel bei den kantonalen Behörden nachzufragen. «Im Internet sind solche Veranstaltungen schliesslich bereits bekannt.» Er hoffe, dass die Behörden durch das neue NDG wirksame Mittel erhielten, um entsprechende Gesuche zu verfolgen.

Es sei zu früh, den Behörden einen Vorwurf zu machen, sagt Gerhard Pfister (CVP). «Veranstaltungen von Neonazis sind so problematisch wie Aktivitäten von islamistischen Fundamentalisten.» Laut Pfister hat das Volk das neue NDG zur richtigen Zeit beschlossen. «Da der Nachrichtendienst künftig mehr Informationen sammeln darf, kann er solchen Extremisten das Handwerk legen.»


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Derp am 18.10.2016 06:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleiches Recht für alle

    Aber linksautonome welche Häuser besetzen und Autos anzünden sind in Ordnung?

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  • Maeder85 am 18.10.2016 06:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Extremismus

    Ich verlange im gleichen Zug, dass linksextreme Veranstaltungen genau gleich riguros verfolgt werfen. Die Geschichte macht uns auf einem Auge blind.

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  • Patrick Keller am 18.10.2016 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Extremismus verhindern

    nicht vergessen nebst den Rechtsextremen und islamischen Fundamentamisten gibt es auch noch die Linksextremen, welche den anderen zwei Gruppierungen in nichts nachsteht, aber da verschliesst dann Herr Wermuth die Augen gerne.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Papnase am 18.10.2016 13:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schweiz 

    die kommentare die hier verfasst werden. als hätte es Hitler nie gegeben. also wäre rechtSextrem zu vergleichen mit linkSextrem. das ist nur noch traurig

    • UPP am 18.10.2016 16:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Papnase

      Stimmt leider. Die Daumen hoch/runter Quoten sind erschreckend und beunruhigend....

    • Cartman1993 am 19.10.2016 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Papnase

      ist es auch. Der Unterschied liegt eigentlich nur in den Zielen und auf wenn man seinen Kampf richtet.

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  • Burgi am 18.10.2016 13:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anstand

    Ist ja alles ohne Probleme abgelaufen. Also was soll das Geschrei hinterher? Ich möchte jedenfalls nicht andere Gruppierungen in gleichen Ausmass auf einem Haufen sehen.

  • Urlaubfürsgehirn am 18.10.2016 12:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hass hat es doch nur soweit genracht

    Von Links geht die Gefahr nicht so schlimm aus wie von Rechts... Denkt mal an diie NSU, früher war das anderst aber in meinen Augen hat hier der Nachrichten Dienst versagt. Ich finde es sollten alle Gruppierungen sich mal die Zeit nehmen und inne halten, den in Wirklichkeit sind alle gleich, es ist der Hass der doch alles Zerstört. Linke, Rechte und Islamisten haben doch alle eigentlich das gleiche Problem und das ist der HASS...

  • Hugo am 18.10.2016 12:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Polizei Kontrollen

    Komisch bei Veranstaltungen darf keine Person mehr ins Zelt, Halle usw. Wi war den da die Einganskontrolle? Was währe passiert wenn gebrannt hätte? Rauchverbot und und? Wurden auch Alkohol Kontrollen gemacht wie Heute nach jedem andern Fest. Sicher nicht. Wieso ? Angst?

  • Sepp am 18.10.2016 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Unrecht+Unrecht Recht

    An alle die jetzt diesen Bericht wieder zum Anlass nehmen die Rechtsextremen in Schutz zu nehmen da ja die Linksextremen so viel schlimmer sind : Unrecht und Unrecht ergibt kein Recht.