SM-Master

12. Februar 2015 11:58; Akt: 17.02.2015 11:17 Print

«Oft geht es härter, gröber und heftiger zu»

von Vroni Fehlmann - Die Kinobesucher tauchen ab heute bei «50 Shades of Grey» in die Welt der Fesseln und Peitschen ein. Ein SM-Master erzählt, wie es wirklich ist.

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Master Gigi, Sie arbeiten als BDSM*-Dom. Wie wirklichkeitsnah sind die Szenen aus «50 Shades of Grey» tatsächlich?
Im Film geht es mehr um Abhängigkeit als um das Sexuelle. Der Fokus liegt auf verbaler Demütigung. Anastasia Steele ist Christian Grey hörig. Das gibt es in der Realität öfter als gedacht. Die BDSM-Szenen im Film sind aus meiner Sicht realistisch, oft geht es aber noch härter, gröber und heftiger zu.

Umfrage
Haben Sie schon einmal BDSM ausprobiert?
22 %
3 %
26 %
49 %
Insgesamt 6741 Teilnehmer

Gibt es Kunden, die zu Ihnen kommen, weil sie von «50 Shades of Grey» inspiriert wurden?
In den letzten zwei Jahren hatte ich immer wieder Frauen, die mich darauf angesprochen haben. Sie wollten Dinge ausprobieren, die im Buch vorkommen. Eine markante Zunahme habe ich aber bisher nicht bemerkt. Es kann jedoch gut sein, dass in nächster Zeit wieder mehr Anfragen kommen.

Wer kommt zu Ihnen?
Oft sind es Leute aus der oberen Mittelschicht. Meist haben sie in ihrem beruflichen Leben eine Machtposition inne. Wir bieten im SM-Studio«Andana Bizarr», in dem ich tätig bin, auch Massagen an. Mehr als die Hälfte der Kunden wollen für einmal etwas ausprobieren und ausgeliefert sein. Sie lassen sich dann einfach nur fesseln oder in Folie einpacken. Es geht darum, etwas Spezielles auszuprobieren.

Und was machen Sie mit Ihren Sklaven?
Ich habe schon vieles gemacht und gesehen. Oft sind Fesseln im Spiel. Auch an der Leine führen, Füsse ablecken und anspucken kommt vor. Manche wollen mit Schlägen bestraft werden, weil sie im privaten Alltag etwas gemacht haben, das aus ihrer Sicht falsch war. Es kommen immer wieder Kunden, die es einfach mal ausprobieren wollen. Manche merken dann, dass es nicht ihr Ding ist, andere haben es gerne. Das merkt man, wenn man es praktiziert. BDSM ist eine Neigung, nichts Erotisches.

Kann diese Neigung nicht auch gefährlich werden?
Die Rolle als Master setzt Kraft, Konzentration und Disziplin voraus. Das kann wirklich nicht jeder. Ich mache das mit meinen Sklaven, weil sie es wollen. Trotzdem braucht es technisches Fachwissen, unter Umständen kann BDSM sonst lebensbedrohlich werden. Man sollte deshalb vorher niemals Rauschmittel nehmen. Ich bin immer konzentriert, müde würde ich nie ins Studio gehen. Auch medizinisch sollte man sich auskennen. Sind die Fesseln am Handgelenk zu eng, besteht etwa die Gefahr, dass die Hand abstirbt. Bei einer Analspülung kann es gravierende Folgen haben, wenn das Wasser zu heiss ist oder es zu inneren Verletzungen kommt. Diejenigen, die BDSM einfach mal ausprobieren wollen, haben davon meistens keine Ahnung. Ich sage ihnen im Vorfeld immer, was sie wissen müssen. Es kann aber immer sein, dass jemand seine medizinischen Probleme verschweigt. Passieren kann immer etwas.

Vereinbaren Sie mit Ihrem Sklaven ein Codewort, bei dem Sie aufhören, wenn er es sagt?
Eigentlich selten bis gar nie. Ein Codewort ist ja gut und recht, allerdings ist es in der Praxis oft sinnlos. Im Sexrausch ist es für die Sklaven extrem schwierig. Sie sind dann hin- und hergerissen, ob sie das Wort jetzt sagen sollen. Manche können während meiner Behandlung überhaupt nicht sprechen. Ich bin aber immer zu hundert Prozent bei ihnen und weiss, wie weit ich gehen kann.

* BDSM steht für Bondage und Disziplin, Dominanz und Submission, Sadismus und Masochismus.

Sind Sie ein Paar, das auf SM steht, und wären bereit, uns zu erzählen, wie Sie den Film «50 Shades of Gray» finden? Melden Sie sich per Mail an feedback@20minuten.ch