Fussball-Nati

03. Juli 2014 21:14; Akt: 04.07.2014 08:56 Print

«Oh mein Gott, ich habe Xhaka geküsst»

von Nicolas Saameli - Im Zürcher Hallenstadion trafen die Fans heute auf die Helden der Fussball-Nati. So erlebten sie die Begegnung mit ihren Idolen.

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Sie sind gelandet! Die Nati-Helden steigen am 3. Juli aus dem Flugzeug. Schon Stunden vor der Landung drängen sich die ersten Fans vor dem Hallenstadion. Die Kinder schreien: «Yeah! Schwiizer Nati!» «Ohne Benaglio hätten wir es nicht geschafft», sagen Urs von Arb und Sandra Baumann. Vinojaan Vijayaratnam: «Ich war beim Pfostenschuss gegen Argentinien in einer Bar - wir sind fast ausgerastet. Meine Lieblingsspieler sind Xhaka und Shaqiri.» Michèle Schlapbach aus Dürrenäsch AG (26) mit Lucia Dätwyler aus Veltheim AG (26): «Wir sind wegen unserer Mannschaft da, sie haben alles gegeben, für uns sind sie Weltmeister!» Ruth Högger: «Der beste Moment für mich war der Match gegen Honduras.» «Hopp Schwiiz!» Roland und Andrea Walter. Guido Käser aus Basel ist enttäuscht: Seine Tochter Selina sitzt im Rollstuhl und darf nicht in die Nähe der Bühne. Sie müssen auf den Rängen bleiben, haben keine Chance, Bilder zu machen oder die Nati aus der Nähe zu sehen. «Ich finde das eine Schande, wir sind extra angereist und müssen jetzt alles von weit hinten beobachten.» Happy End für Selina im Rollstuhl: Nati-Ersatzspieler Michael Lang kommt auf die oberen Ränge und macht der Kleinen eine grosse Freude. Insgesamt 1200 Nati-Fans schaffen es ins Hallenstadion - trotz kurzfristiger Ansage und ungünstiger Zeit (11.45 Uhr). Adnan Sylqevci: «Ich bin vor allem wegen Shaqiri hier. Die Schweizer Nati ist super!» Das Gedränge vor der Absperrung kurz vor dem Auftritt der Spieler ist gross. Der Lärmpegel steigt. Frenetischer, ohrenbetäubender Jubel: Die Schweizer Nationalmannschaft betritt die Bühne des Hallenstadions. Handys hoch: Jeder will ein Foto der Nati-Stars. Es gibt fast kein Durchkommen. Alle wollen gleichzeitig ein Autogramm ihrer Lieblinge. Diego Benaglio unterschreibt geduldig: Auf T-Shirts, Autogrammkarten und auch auf Unterarmen. Die Schweizer Nati-Stars hatten auf manche Fans eine ähnliche Wirkung wie grosse Popstars - lautes Kreischen in der ganzen Halle. Auch Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld verteilte beim überschwänglichen Empfang viele Unterschriften. Überwältigende Nachfrage nach Superstar Xherdan Shaqiri: So viele Unterschriften in so kurzer Zeit kann auch ein Superstar nicht geben. Ricardo Rodriguez posiert mit einem weiblichen Fan für ein Foto. Auch die Kleinsten sind vom Fan-Fieber angesteckt. Ein glücklicher Autogrammjäger: Martin Vogt aus Zürich war zuerst am Flughafen, dann im Hallenstadion und präsentiert stolz seine Sammlung von Nati-Unterschriften. «Die WM ist recht reibungslos verlaufen», findet er. Andere hatten Pech: Mustafa Abdi Jama aus Zürich hätte so gerne ein Autogramm von Shaqiri auf seiner Schweizerfahne gehabt - doch für ihn reichte es nicht mehr. Dieser Fan hatte mehr Glück: Er konnte ein Fan-Selfie mit Xherdan Shaqiri machen. Massen-Selfie, ein Handy nach dem anderen: Granit Xhaka lässt Fan-Herzen höherschlagen.

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Als die Schweizer Fussball-Nati am Donnerstag um 10.58 Uhr mit Flug LX93 aus São Paulo landet, warten die Fans bereits im Hallenstadion. Ein Transparent mit der Aufschrift «Benaglio Bravo» ragt über die Menge und immer wieder erschallen «Hopp Schwiiz!»-Rufe.

Bereits am Morgen versammelten sich rund hundert Leute vor den Toren des Hallenstadions, um ihren Helden einen gebührenden Empfang zu bereiten. Trotz des Ausscheidens im Achtelfinal ist die Stimmung euphorisch. Vinojaan Vijayaratnam steht schon seit 10 Uhr hier. Er hat den letzten Match gegen Argentinien in einer Bar verfolgt. «Als dann ganz am Ende der Pfostenschuss fiel, sind wir fast ausgerastet», sagt er. «Ich bin aber unglaublich stolz auf die Nati. Was sie in Brasilien gezeigt haben, war richtig guter Fussball.»

Die Spieler werden gefeiert

Um 11 Uhr ist die Menschenmenge beim Hallenstadion auf 1200 angewachsen. Als bekannt wird, dass die Spieler sich im Stadion befinden, legt sich eine magische Spannung über die Halle. Einzig aus den Boxen hallt noch «Football's Coming Home».

Trainer Ottmar Hitzfeld betritt als Erster die Bühne. Nun ist es endgültig vorbei mit der Ruhe. Tosender Applaus hallt ihm entgegen und bricht nicht mehr ab, bis die gesamte Nati auf der Bühne steht. Besonders bei den Auftritten von Benaglio, Xhaka und Shaqiri ist die Menge nicht mehr zu halten.

Nach einigen Ansprachen der Spieler, die wie die von Captain Gökhan Inler manchmal im Applaus untergehen, trifft die Mannschaft dann direkt auf die Fans. Nur durch einen Zaun getrennt, geben die Spieler Autogramme und posieren für Selfies. Vor dem Eingang steht eine hyperventilierende junge Frau und sagt: «Ich habe ihn auf die Backe geküsst. Oh mein Gott, ich habe Granit Xhaka geküsst!»

Ein Held unter Helden

Während die Fans am Toben sind, geht eine kleine Gruppe am Rand der Veranstaltung beinahe unter. Guido Käser und seine kleine Tochter Selina müssen sich das Geschehen aus der Ferne ansehen. Selina sitzt im Rollstuhl und kann sich nicht durch die Menschenmasse drücken. Käser sagt: «Ich finde das eine Schande. Wir sind extra aus Basel angereist und müssen jetzt alles von weit hinten beobachten. An körperlich Eingeschränkte wurde hier zu wenig gedacht.»

Glücklicherweise schaltet sich aber Nati-Ersatzspieler Michael Lang ein. Begleitet von einem Security-Beamten kämpft er sich durch die ganze Halle, um mit Selina und ihrer Familie zu feiern. So kann der Nati-Empfang auch für sie werden, was er sonst für alle ist: ein grossartiges Fest.

(Video: 20 Minuten )

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • André Gubelmann Brasilien am 04.07.2014 03:55 Report Diesen Beitrag melden

    Übertreiben

    Man kann ja übertreiben.Das sind Profi-Spieler und keine Grümpelturnier-Mannschaft.Trotzdem Sie haben alles gegeben,und waren gut in der WM-Bewertung.

  • Roman Lance am 04.07.2014 08:32 Report Diesen Beitrag melden

    nach..

    ..der niederlage gegen die franzosen hat man die nati sportlich "beerdigt".. doch jetzt, nach einer NIEDERLAGE gegen einen mittelmässigen "grossen", jubelt man die mannschaft wieder in den himmel.. wirklich ?!?!

    einklappen einklappen
  • Ehr Geiz am 03.07.2014 23:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sind noch nicht ganz Weltmeister

    50% der Spiele verloren und dennoch wie Weltmeister empfangen?! Wir Schweizer sind einfach zu schnell zufrieden!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tschutter am 04.07.2014 13:43 Report Diesen Beitrag melden

    Helden ?!

    So ein Hipe um sogenannte Helden, die zum Teil nur noch ihren Marktwert im Kopf haben. Die richtigen Nationalspieler hingegen sind zusätzlich wenigstens noch stolz für ihre Schweiz spielen zu dürfen...

  • Roman Lance am 04.07.2014 08:32 Report Diesen Beitrag melden

    nach..

    ..der niederlage gegen die franzosen hat man die nati sportlich "beerdigt".. doch jetzt, nach einer NIEDERLAGE gegen einen mittelmässigen "grossen", jubelt man die mannschaft wieder in den himmel.. wirklich ?!?!

    • D. Pandi am 04.07.2014 16:05 Report Diesen Beitrag melden

      Unterschied

      Naja gegen Frankreich haben sie ja auch miserabel gespielt, gegen Argentinien aber hatten sie gute Chancen in den Viertelfinal zu kommen.

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  • Phil am 04.07.2014 05:34 Report Diesen Beitrag melden

    Helden?

    Ehrlich, im Achtelfinale ausgeschieden, eure Helden. Aber sich zum Beispiel über die deutschen 'Sieger der Herzen' lustig machen, welche damals immerhin Dritte wurden. Ach ja, und dann eben diesen Begriff nun auch noch auf die eigene Natio anwenden. Aber ist ja nichts Neues.

  • André Gubelmann Brasilien am 04.07.2014 03:55 Report Diesen Beitrag melden

    Übertreiben

    Man kann ja übertreiben.Das sind Profi-Spieler und keine Grümpelturnier-Mannschaft.Trotzdem Sie haben alles gegeben,und waren gut in der WM-Bewertung.

  • Frstentum am 04.07.2014 00:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fan

    Ich wr am liebsten auch gegangen :( aber ein ander mal bestimmt :)) fr mich sind alle Top Spieler und ich wnsche der Mannschaft weiterhin alles gute und das beste!! Ottmar Hitzfeld ist ein grossartiger Coach ich schtze ihn sehr! Schweiz = Campion!!!! Ihr seid die Besten!