Universitätsspital Zürich

03. Juli 2019 14:16; Akt: 03.07.2019 15:56 Print

«Patienten entblössen sich wegen der Hitze»

Weil es keine Lüftung oder Kühlung gibt, müssen Patienten im Zürcher Unispital bei bis zu 40 Grad Celsius ausharren. Ein Mitarbeiter erzählt, wie er damit umgeht.

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Im Universitätsspital Zürich (USZ) mussten Patienten während der Hitzewelle Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius erdulden. Aus hygienischen und medizinischen Gründen sind Ventilatoren vielerorts nicht erlaubt, auf eine grosszügige Klimatisierung verzichtet das Spital auch, weil es den Energiebedarf senken muss (20 Minuten berichtete). Ein USZ-Mitarbeiter erzählt, wie die Patienten unter der Hitze leiden und wie das Personal damit umgeht.

Umfrage
Was halten Sie von ungekühlten Patientenzimmern?

Herr S., Sie arbeiten im USZ. Wie hilft das Personal bei der Hitze den Patienten?
Für die Nachtschicht bleiben oft Fenster und Türen geöffnet. Ein Paravent dient als Lichtschutz. Manchmal werden Coldpacks unter die Kopfkissen gelegt, einige Patienten erhalten Teil-Körperwäsche. Duvets und Wolldecken kommen nicht mehr zum Einsatz.

Reichen diese Massnahmen aus?
Bei Temperaturen von über 30, manchmal 40 Grad Celsius nicht mehr. Gerade ältere Patienten, die etwa dement sind, ziehen sich oft das Hemd aus und entblössen sich komplett. Nachts beklagen sich Patienten sehr stark über die Hitze, einige konnten während meiner Schicht trotz mehrfach verabreichter Beruhigungsmittel kein Auge zumachen. Die Mittel, die die Ärzte bei der Ankunft verschreiben, reichen nicht mehr aus. Das Pflegepersonal kann die Dosis nicht über die verschriebene Menge erhöhen – und nachts werden Ärzte ungern aufgeboten.

Ventilatoren dürfen bis auf wenige Ausnahmen nicht eingesetzt werden. Wieso?
Um angesichts der Klimaerwärmung Strom zu sparen, hat der Regierungsrat 2018 Spitäler und Heime angewiesen, keine Kühlgeräte einzusetzen. Intern wurden uns hygienische Probleme als Grund genannt.

Welche sind das?
Durch den Luftstrom würden Keime verteilt. Das steht aber meiner Meinung nach im Widerspruch zur Praxis der offenen Fenster und Türen. Damit wird ja gerade ein Luftstrom bezweckt, der Keime sogar über Zimmer hinaus verbreiten kann. Zudem gilt das Verbot auch in Einzelzimmern, wo Keimverbreitung kein Thema ist.

Wie schützt sich das Personal vor der Hitze?
In den Stationszimmern und -büros nehmen einige Ventilatoren von zu Hause mit, manche auch mobile Klimageräte, die über flexible Alurohre mit den Fenstern verbunden werden können.

Das widerspricht aber dem Argument der Keimbelastung …
Ich halte dieses Argument für nicht glaubwürdig. Zudem scheint mir die Massnahme unverhältnismässig angesichts der extremen Schlafprobleme, die viele Patienten haben.

(ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Max Meyer am 03.07.2019 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Schande

    Es ist eine Schande, dass wir uns das teuerste Gesundheitssystem der Welt leisten und dann wegen ein paar kg Co2 die Gesundheit der Patienten gefährden. Schöne, neue (grüne) Welt!

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  • Ein Arzt am 03.07.2019 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht korrekt

    Die Aussage des Pflegers, wonach Ventilatoren wegen Keimverbreitung nicht verwendet werden sollen, nur ein Vorwand ist, kann ich als Arzt zustimmen. Die Hitze ist für die kranken, oft betagten Patienten deutlich gefährlicher als die vermeintliche Keimbelastung. Eine Frechheit wie Regierung und Spitalverwaltung die Patienten und das Personal behandelt.

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  • Andi am 03.07.2019 14:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich staune.....

    immer wieder toll, wie es die Geschäftsleitung in ihren klimatisierten Büros verharmlost schönredet, was das Pflegepersonal an vorderster Front erlebt!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Eine Mitarbeiterin am 04.07.2019 12:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Denkmalschutz und Stromsparen geht vor Komfort und

    Arbeite im USZ. Der Denkmalschutz verhindert jegliche Modernisierung des alten Gebäudetraktes. Denen sind Steine wichtiger als Menschenleben. Die Spitalleitung USZ investiert lieber viel Geld (was sie angeblich nicht haben) in die Designeänderung des Namens als in die eigenen Mitarbeiter/innen und Patienten/innen. Wir tun während der Hitzewelle mit sehr begrenzten Mitteln alles was wir können für unsere Patienten/innen. Bitte liebe USZ Patienten/innen: Füllt den Feedbackbogen vom USZ aus und prangert die unzumutbaren Zustände schriftlich an. Nur so besteht die Chance etwas zu verändern.

  • Heidi-G am 04.07.2019 09:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Energiewende aber anders

    Ja ja Energiewende = Energiesparen auch wenn dabei Patienten ggf. sogar sterben - macht das wirklich Sinn ? NEIN Klimawandel kann nicht mehr gestoppt werden, jetzt geht es darum die Folgen abzufedern. Dazu gehört auch AKW Strom der CO2 neutral ist!

    • David Jones am 04.07.2019 13:06 Report Diesen Beitrag melden

      Umziehen?

      Je weniger unternohmen wird desto schlimmer werden die Folgen sein, egal ob man Klimawandel jetzt komplett stoppen kann oder nicht wird das der Fall sein. Das Problem hier scheint eher darin zu liegen das diese Gebäude geschutzt ist und somit wahrscheinlich die etsprechende energetische Sanierungsmassnahmen problematisch einsetzbar sind. Vieleicht wäre es besser umzuziehen und moderne, energiesparende Technik in ein neues effizientes Gebäude zu installieren damit Komfort und Umwelt langzeitig besser bedient sind.

    • Eine Mitarbeiterin am 04.07.2019 15:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @David Jones

      Stimmt! Der Denkmalschutz ist mitunter Verantwortlich für diese miserablen Bedingungen... ich muss jedoch auch erwähnen, dass die Zürcher Stadtbevölkerung es in der Hand gehabt hat. An der Urne haben sie einen kompletten Neubau des USZ am Standort Stettbach jedoch eine klare Absage erteilt. Leider!

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  • die Pflege am 04.07.2019 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    überall Schweiss

    Schön und gut mit der Keimverschleppung . Aber dafür tropft beim Verbandswechsel mein ganzer Schweiss azf die Wunde. Is die frage was schlimmer ist....

  • Simon Matthis am 04.07.2019 04:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    KZ-Unispital ZH

    Jeder, der in diesem Spital schon mal eine Nacht verbrachte, weiss wie grausam es in diesem Horror-Haus zu und her geht.

    • Mr.Andersdenkend am 04.07.2019 09:23 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht mal zu sterben dahin

      Genau, jedes Feldlazarett ist besser als das Uni-Spital in ZH. Da würde ich nicht mal zum sterben hin gehen.

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  • swissbird am 04.07.2019 03:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grün, Grün, Greta

    Und trotzdem werden die Grünen im Herbst zulegen. Wie mich diese Gesellschaft anwidert!

    • Börd am 04.07.2019 08:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @swissbird

      Die sind noch jung und haben keine Ahnung, was wirklich mal auf sie zukommen wird im Alter

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