Preiserhöhungen

16. November 2009 16:29; Akt: 16.11.2009 20:06 Print

«Pendler sind gefangene Kunden»

von Adrian Müller - In Zukunft sollen ÖV-Reisende neue Strecken und mehr Komfort per «Bahnrappen» mitbezahlen. Preisüberwacher und Konsumentenschutz wehren sich gegen diese Vorfinanzierung.

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Bahnreisende müssen zukünftig tiefer in die Taschen greifen - mit oder ohne "Bahnrappen". (Bild: Keystone)

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Stolze 113 Franken soll ein Retourbillett Bern-Zürich ab 2015 kosten. Heute zahlt ein Bahnreisender 21 Franken weniger. Diese Summe kommt auf die Fahrgäste zu, sollte der «Bahnrappen», der eine Preiserhöhung von gut 7 Prozent ausmacht, tatsächlich eingeführt werden.

Für den von der «SonntagsZeitung» bezifferten Preisaufschlag verantwortlich ist ein möglicher Paradigmenwechsel in der Verkehrspolitik, der wegen Geldmangels anstehen könnte. Mit dem «Bahnrappen» sollen zukünftig die Bahnreisenden und nicht mehr nur der Staat Ausbauprojekte der Bahn 2030 (etwa drittes Gleis Genf-Lausanne) mitfinanzieren. Der Aufschlag solle zusätzlich zu den «ordentlichen» Preiserhöhungen und teuerungsbedingten Anpassungen erfolgen.

Vorfinanzierung stösst auf Widerstand

Der Preisüberwacher kämpft seit Jahren gegen überhöhte Billettpreise: «Ich schaue dem Bahnrappen mit Skepsis entgegen. Es besteht die Gefahr, dass Kunden für Ausbauprojekte zahlen, von denen sie erst Jahre später profitieren.» Grundsätzlich seien solche Vorfinanzierungen heikel, sagt Stefan Meierhans zu 20 Minuten Online.
Konsumentenschützerin Sara Stalder ist dies ebenfalls ein Dorn im Auge: «Bevor wir über Aufschläge und Bahnrappen reden, wollen wir erst wissen, wie sich mit dem Ausbau der Komfort für die Bahnpassagiere verbessert.»

Pendler sind dem Monopolisten ausgeliefert

Der Bahnrappen würde auch das GA massiv verteuern: Der Preis für das Pendler-Abo beliefe sich auf 3630 Franken. Dabei inbegriffen sind 5 Prozent Pendlerzuschlag während den Stosszeiten, wie ihn die SBB in Zukunft einführen möchten. Diese happige Preiserhöhung stösst dem Preisüberwacher sauer auf: «Pendler sind gefangene Kunden und können ihre Arbeitszeiten nicht wählen. Sie dürfen nicht bestraft werden. Denn sie sind mit der Bahn einem Monopolisten ausgeliefert», erklärt Meierhans. Wo für ihn die Schmerzgrenze für das GA liegt, will der Preisüberwacher nicht preisgeben: «Zuerst wollen wir die genaue Rechnung für die Leistungen sehen.» Für Stalder kommt nur eine Erhöhung analog der Teuerung in Frage.

Meierhans startet demnächst die Tarifverhandlungen mit den SBB für die Preisrunde 2010/2011. Einen kleinen Sieg an der Preisfront hat er bereits errungen. Bei der letzten SBB-Preiserhöhung 2007 wollten die Bahnen die Tarife für vielbefahrene Strecken wie Bern-Zürich überproportional erhöhen. «Diese Distanzzuschläge sind definitiv vom Tisch», freut sich der Preisüberwacher.

Volk kann Bahnabgabe kippen

Mehr bezahlen müssen die Kunden wohl für das Generalabonnement. «Das GA ist gerade wegen des guten Preises so beliebt. Wenn dieser steigt, wechseln viele Leute wieder auf das Auto», befürchtet Stalder. Um die Bahnausbauten zu finanzieren, solle mehr Geld aus dem Mineralölsteuer-Topf hin zum ÖV fliessen.

So oder so: Bundesrat Moritz Leuenberger und die SBB müssen noch viel Überzeugungssarbeit für die neuen Finanzierungsformen leisten. Denn für die Einführung des Bahnrappens ist eine Volkabstimmung zwingend. «Wenn das Volk in einer Abstimmung dazu tatsächlich ja sagt, ist dagegen nichts einzuwenden. Es wäre aber falsch, diese heikle Frage nur den Verkehrs- oder Finanzpolitikern oder sogar allein den SBB zu überlassen», gibt Meierhans zu bedenken.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nico am 16.11.2009 19:31 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so!

    Nicht nur die Autofahrer sollen die Bahn finanzieren, sondern auch mal die, welche sie brauchen!

  • Michi am 16.11.2009 17:54 Report Diesen Beitrag melden

    SBB

    Also wie hier einige wieder über die SBB ablästern. Mobilität kostet Geld, das ist klar. Auch Randregionen haben ein Recht auf diesen öV, der wohl der Weltbeste ist. Durch Abagaben von Autofahrern werden so CO2 Emissonen wieder "sauber" gewaschen, die Erde wirds uns danken! Wenn wir Schweizer mal nichts wegen Kleinigkeiten zu nörgeln haben ist die Welt wohl schon inexistent...

  • dani am 17.11.2009 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Preise

    Die Preise für einige Strecken sind jetzt bereits genug teuer. Schliesslich fahren auch junge Menschen(welche in der Lehre sind ect) mit dem Zug und solche können das Geld nicht aus dem Arm schütteln. Es wäre schwachsinn mehr zu bezahlen, für weniger komfort, oder für stehplatze. Nicht alle könnten aufs Auto ausweichen da die einen z u jung sind und ander keins besitzen. eine Solche solche Strategie ist eine zumutung auf dauer!

Die neusten Leser-Kommentare

  • db3 am 03.02.2010 15:57 Report Diesen Beitrag melden

    Bahnfahren müsste gratis sein

    Der ÖV müsste von der öffentliche Hand finanziert werden und für den Benutzer gratis sein. So wird er zur echten Alternative für den motorisierten Individualverkehr. Er müsste massiv ausgebaut werden (sozusagen ein Fliessband für Personentransport) und den Service public zu jedem Bergdorf garantieren. Das würde Arbeitsplätze schaffen, Individualverkehr reduzieren, unter dem wir ja alle stöhnen, und die Luft gewaltig säubern. In der Krise muss man sich finanziell antizyklisch verhalten, damit das System nicht zusammenbricht. Dasselbe gilt für öffentliche Verkehrsmittel.

  • ich am 17.11.2009 17:33 Report Diesen Beitrag melden

    sags nochmal

    das ist ein Narrenspiel. Bahn verteuern, dann Autoverteuern, weil zu günstig gegen Bahn, dann Bahn verteuern, weil zu günstig gegen Auto, dann Auto verteuern weil zu günstig wegen Bahn- bis sich nur noch die Oberschicht Mobilität leisten kann!

  • dani am 17.11.2009 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Preise

    Die Preise für einige Strecken sind jetzt bereits genug teuer. Schliesslich fahren auch junge Menschen(welche in der Lehre sind ect) mit dem Zug und solche können das Geld nicht aus dem Arm schütteln. Es wäre schwachsinn mehr zu bezahlen, für weniger komfort, oder für stehplatze. Nicht alle könnten aufs Auto ausweichen da die einen z u jung sind und ander keins besitzen. eine Solche solche Strategie ist eine zumutung auf dauer!

  • Noch Bahnfahrerin am 17.11.2009 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    Jugendliche Verlierer

    Meine Jungmanschaft kann nicht auf's Auto umsteigen, ist aber beim Besuch der Schulen gezwungen immer weitere und mit der Bahn schlecht erreichbare Orte zu besuchen. Sie haben keine Wahl, müssen aber als Pendler dann mehr zahlen. Das strapaziert das Familienbudget noch zusätzlich. Woher nehmen, wenn immer weniger im Geldbeutel ist? Die Jungen nicht mehr in die Schule schicken?

  • db3 am 16.11.2009 21:14 Report Diesen Beitrag melden

    mein GA heisst VW...

    ...und ich bestimme meinen Fahrplan selber. Der ÖV müsste GRATIS sein, dann könnte das CO2 wirksam sehr stark gesenkt werden.