Belästigt und betrogen

25. April 2019 04:47; Akt: 25.04.2019 04:47 Print

«‹Playboy› würde Models nie per Facebook casten»

Als vermeintlicher «Playboy»-Fotograf lockte S. S. Frauen in die Falle. Wie würde aber ein echtes Shooting ablaufen? Ein Model und ein Fotograf erzählen.

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«Auszahlung des Honorars von 12’000 Franken wird innert 12 Stunden nach dem Termin in Bern vom ‹Produzenten› auf das Konto überwiesen.» Für derartig hohe Honorare wollte der Berner Möchtegern-Starfotograf S. S. (52) Frauen dazu überzeugen, für freizügige Fotos zu posieren. Und er versprach, dass die bis anhin unbekannten Frauen mit der Veröffentlichung im «Playboy» berühmt würden.

Das Geld wurde jedoch nie überwiesen und bei einigen Frauen wurde er gar übergriffig. Zuletzt wurde er im Januar zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse verurteilt (20 Minuten berichtete). «Wir sind entsetzt über die Berichte, dass die Marke ‹Playboy› auf diese Art und Weise missbraucht worden sein soll», sagt ein «Playboy»-Sprecher dazu. «Rechtliche Schritte gegen Missbrauch der Marke ‹Playboy› behalten wir uns vor.»

Wie rekrutiert ein Magazin wie «Playboy» seine Models?
«Hochglanzmagazine wie ‹Playboy› haben ihre eigenen Fotografen. Und die gehen nicht auf die Strasse, um jemanden zu casten. Die würden Models auch nie per Facebook casten. Das läuft alles direkt übers Magazin», sagt der Schweizer Fotograf Beat Baschung. Ex-Playmate Andrea Vetsch stimmt ihm zu. «Für ein Shooting wird man entweder direkt vom Magazin angefragt, oder man bewirbt sich für ein Casting. Alles andere ist unseriös.» Dass es Männer gebe, die Frauen irgendwelche Versprechungen machten, sei aber gang und gäbe. «Mit Fotografen muss man immer vorsichtig sein. Jeder kann behaupten, er sei ein Profi.»

Wie läuft ein «Playboy»-Shooting in Wirklichkeit ab?
«Ich wurde für je ein Shooting nach Wien und München eingeladen», sagt Andrea Vetsch. Das «Playboy»-Team – rund zehn Personen – habe von Beginn weg darauf geachtet, dass ihre Privatsphäre gewahrt bleibe und dass sie sich wohlfühle. «Jede Person hat ihre Aufgabe und achtet sehr genau darauf, dass alles perfekt ist – sei das der Visagist, Stylist oder Fotograf.» Mit dem Fotografen habe sie nie direkt Kontakt gehabt – weder vor noch nach dem Shooting. «Alle Bilder erhielt ich von der Redaktion per Mail.»

Warum wollen junge Frauen überhaupt so gerne in den «Playboy»?
«‹Playboy› hat einen guten Namen und ist für ästhetische Fotografien im Aktbereich das Magazin schlechthin», sagt Vetsch. Im amerikanischen Raum seien einige Frauen nach einer Coverstory auch richtig berühmt geworden. Das Gleiche würden sich auch Frauen in der Schweiz erhoffen. «Grundsätzlich ist es ein generelles Problem der heutigen Gesellschaft, dass man sehr narzisstisch veranlagt ist und unbedingt berühmt werden will – sei das auf Instagram oder im ‹Playboy›.»

«Es geht darum, sich von der Masse abzuheben», sagt auch Fotograf Beat Baschung. Viele Frauen würden sich sehr geschmeichelt fühlen, wenn sie von einem angeblich bekannten Fotografen für ein Shooting angefragt werden. «Die Männer spielen mit den Emotionen der Frauen und versprechen ihnen eine Modelkarriere.» Das passiere bei «Germany’s next Topmodel» genauso wie auf Instagram: «All die Influencerinnen merken ganz schnell: Wer mehr Haut zeigt, hat schneller Erfolg.» Das Gleiche sehe er selbst: «Wenn ich ein Bild mit mehr Haut poste, habe ich automatisch mehr Likes.»

Gibt es noch weitere Opfer von S.?
Ja. Seine Verurteilung hält ihn nicht davon ab, weitere Frauen für Shootings anzusprechen. So wurde etwa die Aargauerin Kim Haselbach (24) von S. mehrmals für ein Shooting angefragt. Das letzte Mal im April, also nach seiner Verurteilung. Ihre Modelkolleginnen warnten sie daher vor der Zusammenarbeit mit S. «Es passiert häufiger, als man denkt, dass unprofessionelle Fotografen Models etwas vormachen oder sie sogar begrapschen », sagt Haselbach. «Und viele trauen sich nicht, den Fotografen zu melden, weil sie sich dafür schämen oder denken, eine Meldung würde das Aus für ihre Modelkarriere bedeuten.»

* Name der Redaktion bekannt

(dk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • KlarteXter am 25.04.2019 05:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Der "Vertrag" ist so grottenschlecht gemacht, da muss ich leider fast schon sagen: Mädchen tut mir leid, aber selber schuld! Passt übrigens gut in die heutige Welt der Selbstdarstellung und Selfies...

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  • S@m.W am 25.04.2019 06:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man sieht es ja...

    man denkt mit mehr haut zeigen wird man berühmt und wundern wenn plötzlich solche Dinge ans Licht kommt...

  • Pedroestrich am 25.04.2019 06:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Szene kommt mir bekannt vor

    Da musste ich doch schmunzeln, als ich von diesem "Fake Agent"gelesen habe.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tomson1994 am 25.04.2019 14:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesellschaft

    Der Selbstdarstellung. Ich, 24, finde keine gleichaltrigen mehr ohne mir Ihre doofen 'Insta' Sorgen anzuhören. Ich entferne mich von solchen Leuten weil es einfach alles Narzissten sind. Ist echt sehr schade

  • Tommy am 25.04.2019 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso berühmt?

    Wieso wollen Leute überhaupt berühmt werden? Ich versteh das so nicht... Geld oder Macht versteh ich eher aber Berühmtheit klingt für mich nur nach Verlust der Privatsphäre.

    • Claudi am 25.04.2019 12:12 Report Diesen Beitrag melden

      @Tommy

      Du musst erst berühmt sein, erst dann gibts das Geld und die Macht. Verlust der Privatsphäre? Die wurde im Schweizer Gesetz sowieso grundsätzlich gestrichen mit dem neuen Nachrichtendienstgesetz. Du hast keine Privatsphäre mehr.

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  • Skeptiker am 25.04.2019 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo sind die Warnglocken?

    Bin ein bisschen erschüttert wie wenig Sekpsis vorhanden ist, gerade in der heutigen Zeit und bei Aktfotos. Würde mich mal interessieren wie "gut" seine Masche war, denn einen angeblichen Starfotografen kann man ja auch googlen, respektive seine Adresse oder beim Playboy verifizieren lassen.

  • Dark Archon am 25.04.2019 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    Lerneffekt

    Ich bin selber Fotograf und muss leider folgendes sagen. Wer als Frau bei einem Fotografen der sowas verspricht ein Shooting "bucht" ohne vorher Referenzen, bzw. Referenzbilder anzufordern und dann auch noch sowas beim Fotografen Zuhause machen lässt, hat es einfach nicht besser verdient. Tut mir echt leid. Ich frage mich manchmal, was in den Köpfen von solchen Models vor sich geht, wenn man sieht bei welchen Fotografen sie dann auch noch grottenschlechte und unvorteilhafte Bilder von sich machen lassen!!!

  • Linda am 25.04.2019 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Werbung

    Ist diese Playboy Werbung wirklich nötig. Das Hochglanzmagazine nicht auf der Strasse casten würden ist zudem ein totaler Blödsinn. Playboy castete auch am Oktoberfest auf der Wiesn 2009.