Eveline Widmer-Schlumpf

15. Dezember 2011 10:48; Akt: 15.12.2011 11:58 Print

«Psycho-Begutachtung setzte mir zu»

Nach der klaren Wiederwahl erhofft sich BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf endlich Ruhe um ihre Person. Es habe Momente gegeben, in denen sie ans Aufhören gedacht habe.

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Die wählt am 14. Dezember 2011 den Bundesrat. Gesucht ist ein Ersatz für die zurücktretende SP-Bundesrätin Micheline Calmy-Rey. Zudem will die SVP den Sitz von Eveline Widmer-Schlumpf zurückerobern. Der Wahltag beginnt um 8 Uhr. Als erstes wird verabschiedet. Dann sprechen die Caspar Baader von der SVP (Bild) und seine Kollegin von der FDP erklären, dass sie Eveline Widmer-Schlumpfs Sitz angreifen werden. Die übrigen Fraktionschefs plädieren für den Status quo. Kurz nach 9 Uhr beginnen die Wahlgänge. Als erstes steht Doris Leuthard zur Wahl. Die UVEK-Chefin wird mit einem Glanzresultat in ihrem Amt bestätigt: (CVP) erhält im ersten Wahlgang 216 von 245 Stimmen (absolutes Mehr: 114 Stimmen). Jetzt kommt Unruhe auf im Saal: Die SVP will den Sitz von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf angreifen. Doch die Finanzministerin hat nichts zu befürchten: (BDP) wird mit 131 Stimmen ebenfalls im ersten Wahlgang wiedergewählt (absolutes Mehr: 120 Stimmen). Die SVP-Kandidaten Hansjörg Walter und Jean-François Rime erhielten 63 bzw. 41 Stimmen. Bild: Widmer-Schlumpf vor der Bundesratswahl, während der Wahlgänge sind die Bundesräte nicht im Nationalratssaal anwesend. Erleichterung und Freude: BDP-Fraktionschef Hansjörg Hassler (l.) und BDP-Präsident Hans Grunder gratulieren sich gegenseitig zur Wiederwahl ihrer Bundesrätin. Nach der Wiederwahl von Eveline Widmer-Schlumpf beraten die SVP-Fraktion und FDP-Fraktionschefin Gabi Huber (vorne Mitte) das weitere Vorgehen. Auch VBS-Chef (SVP) wird im ersten Wahlgang im Amt bestätigt. Er erhält 159 Stimmen (absolutes Mehr: 114 Stimmen). Bundesrat Chef des Departements des Innern erhält 194 Stimmen (absolutes Mehr: 117 Stimmen) und ist damit ebenfalls im ersten Wahlgang wiedergewählt. Vor der Wahl des ersten SP-Sitzes erklärt SVP-Fraktionschef , dass seine Partei ab jetzt alle folgenden Sitze angreifen werde. Ihr Kandidat ist Rime. Der zweite SVP-Kandidat, Nationalratspräsident steht nicht mehr zur Verfügung. Trotz der Kriegserklärung der SVP erreicht auch Justizministerin Simonetta Sommaruga (SP) ein Glanzresultat: Sie wird mit 179 Stimmen (absolutes Mehr: 122 Stimmen) wiedergewählt. Vor der Wahl ihres Bundesrats wendet sich FDP-Franktionschefin an die Vereinigte Bundesversammlung. Sie kritisiert den Angriff der SVP und bittet die National- und Ständeräte, Johann Schneider-Ammann wiederzuwählen. Auch sein Sitz ist stabil: Wirtschaftsminister (FDP) wird mit 159 Stimmen (absolutes Mehr: 118 Stimmen) im Amt bestätigt. Es ist definitiv nicht sein Tag: SVP-Vizepräsident Vor der Wahl des Ersatzes für die abtretende Bundesrätin Micheline Calmy-Rey ergreift SP-Fraktionschefin das Wort und macht sich für ihre Kandidaten stark. Zur Verfügung stellen sich ... ... und ... ... Im ersten Wahlgang hat keiner der Kandidaten das absolute Mehr von 122 Stimmen erreicht. Berset (SP): 114, Maillard (SP): 59, Rime (SVP): 59, Marina Carobbio (SP): 10. Im zweiten Wahlgang wird mit 126 Stimmen gewählt (absolutes Mehr: 123 Stimmmen). Der 39-jährige Freiburger erklärt Annahme der Wahl. Um 12.30 Uhr wird der neue Bundesrat vereidigt.

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Fehler gesehen?

«Seit vier Jahren wünsche ich mir, dass meine Arbeit nicht immer in Frage gestellt würde, weil man mir unterstellt, ich würde mich wegen meiner Wiederwahl so oder anderes verhalten», sagte Widmer- Schlumpf in einem Interview, das am Donnerstag im «Tages-Anzeiger» erschien. Zumindest diese Frage sei nun vom Tisch.

Allerdings sei es gar nicht diese Problematik gewesen, die ihr am meisten zu schaffen gemacht habe. «Zugesetzt hat mir vor allem die ständige psychologische Begutachtung meiner Person und meines Charakters.» Es habe auch Momente gegeben, in denen sie sich gefragt habe, ob weitermachen richtig sei.

«Themen zu komplex für Links-rechts-Schema»

Gegen den Vorwurf, Geschenke an die Linke verteilt zu haben, wehrt sich die Bündnerin: Beim Steuerbetrug, der Amtshilfe und dem Bankgeheimnis gebe es in den Kantonen viele bürgerliche Finanzdirektoren, die ihre Haltung «voll und ganz» teilen würden. Das Gleiche gelte für ökologische Themen oder den Energiebereich.

«Dieses Links-rechts-Schema ist eine starke Vereinfachung von komplexen Sachthemen, mit denen man sich eben vertieft befassen muss», sagte Widmer-Schlumpf. Diejenigen, die ihr «linke Verbeugungen» vorwerfen würden, wollen sie einfach in ein Schema pressen.

Details nur für die Familie

Im nächsten Jahr möchte Widmer-Schlumpf vorab die Situation mit den USA im Finanzbereich klären und den Atomausstieg mit der Energiestrategie vorantreiben. Als Bundespräsidentin will sie «eine Aufbruchstimmung erreichen»: «Ich möchte die Leute begeistern, ihnen zeigen, dass es vorwärts geht und wir gute Perspektiven und einige Stärken haben».

Die Ereignissen vor ihrer ersten Wahl im Jahr 2007 bis zum Parteiausschluss im Juni 2008 habe sie detailliert aufgeschrieben, sagte Widmer-Schlumpf weiter. «Diesen Bericht werde ich eines Tages meiner Familie übergeben.» An die Öffentlichkeit soll er nicht gelangen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • IV.Bezüger am 16.12.2011 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Runde Mitleid für das arme Evelin..

    die "Psycho-Begutachtung" setzte ihr zu... Jeder IV-Bezüger weis aus eigener Erfahrung, was für Begutachtungen man über sich ergehen lassen muss (die erniedrigenste dürfte die Begutachtung für Paraplegiker sein, ob sie nicht doch laufen können)... Bei uns heissts: Begutachung zulassen, oder keine Leistungen. Es ist schon gut so, das auch Bundesräte sich gegen ihren Willen mit mangelndem Sinn durchleuchten lassen müssen!! Spühren die mal wie's denen "ganz unten" so geht... Wenn EWS nicht im Rampenlicht stehen will - soll sie per sofort zurücktreten, Punktum... Sonst: aufhören zu jammern...

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  • ein Emser am 15.12.2011 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    eine lebensfrohe intelligente Frau

    Wer sie kennt, kann den Familienbericht erahnen.

  • Lehrer Fritz am 18.12.2011 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    urteilen

    Ich glaube kaum dass ein Normalbürger die Leistung eines Bundesrates messen kann, deshalb sollten diese Kommentare nicht relevant sein

Die neusten Leser-Kommentare

  • Lehrer Fritz am 18.12.2011 11:43 Report Diesen Beitrag melden

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    Ich glaube kaum dass ein Normalbürger die Leistung eines Bundesrates messen kann, deshalb sollten diese Kommentare nicht relevant sein

  • IV.Bezüger am 16.12.2011 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Runde Mitleid für das arme Evelin..

    die "Psycho-Begutachtung" setzte ihr zu... Jeder IV-Bezüger weis aus eigener Erfahrung, was für Begutachtungen man über sich ergehen lassen muss (die erniedrigenste dürfte die Begutachtung für Paraplegiker sein, ob sie nicht doch laufen können)... Bei uns heissts: Begutachung zulassen, oder keine Leistungen. Es ist schon gut so, das auch Bundesräte sich gegen ihren Willen mit mangelndem Sinn durchleuchten lassen müssen!! Spühren die mal wie's denen "ganz unten" so geht... Wenn EWS nicht im Rampenlicht stehen will - soll sie per sofort zurücktreten, Punktum... Sonst: aufhören zu jammern...

    • Thomas am 18.12.2011 05:03 Report Diesen Beitrag melden

      Ja und komplett falsch zugleich

      Auch wenn ich Ihre Meinung zu den unmenschlichen IV-Methoden voll und ganz teile, ist das noch lange kein Grund auf EWS einzudreschen. Was würden Sie tun, wenn Sie täglich ihre Evaluierung in den Nachrichten hören würden, statt in einer privaten Sitzung hinter geschlossenen Türen? Diese Frau wird seit Wahlannahme öffentlich verunglimpft, als Verräterin, Seelenlos und man versucht krampfhaft einen Vorwurf zu finden. Stellen Sie sich vor, dass das halbe Land Sie als Person öffentlich bloss stellen will, weil einer Ihrer Feinde groll hegt.

    • IV.Bezüger am 18.12.2011 16:12 Report Diesen Beitrag melden

      Thomas: was würde ich machen?

      Da mein Leben von den Begutachtungen (weis der Geier wer das alles las) abhing, und ich jetzt IV-Rente habe; was glauben SIE - wem ergehts schlimmer? Kein Tag an dem man nicht von "Sozialschmarotzer", "Scheininvalide" usw hört. Die arme EWS, sie hat ihr Schicksal freiwillig gewählt... Mein Schicksal ist NICHT freiwillig gewählt; und wie jeder IV-Bezieher kann ich, wohl im Gegensatz zu IHNEN, ganz genau nachvollziehen, wie es Menschen unter "Dauerbegutachtung" und Dauerverunglimpfung geht! EWS kann sich zurückziehen, IV-Bezieher nicht! Wenns ihr also nicht passt, kann und soll sie gehen. Punkt.

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  • Daniel Picenoni am 15.12.2011 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Frau Evelin Widmer Schlumpf

    SVP hat hoffentlich nun entlich verstanden: Das man eine Guten Bundesrat nicht einfach Fallen lässt. Jeder gewählte Bundesrat, Ständerat und Nationalrat sollte sich hinter die Ohren Schreiben: Dass seine Person vom Volk gewählt wurde, in der Hoffnung dass er das beste für die Schweiz will. Seine Person ist zweit Rangig. Das Wohl des Volkes steht an erster stelle, dann kommt die Partei und am schluss die eigene Person. Frau Evelin Widmer Schlumpf hat diese hier beschriebene Ansicht. Das macht Sie beliebt. Leider kann man das nicht von jedem Bundesrat sagen. Deshalb herzliche Gratulation

    • Kusi am 16.12.2011 16:36 Report Diesen Beitrag melden

      Welcher Leistungsausweis?

      Diesen guten Leistungsausweis möchte ich endlich mal sehen. Alle sprechen von ihm aber konkrete Beispiele kann niemand machen. Hingegen hat sie im Justizdepartement ein Chaos hinterlassen mit Stellenabbau und der Lahmlegung des Vollzugs in der Migrationspolitik. Ausserdem ist auch die Kinderbetreuungsverordnung die einen Kurs sogar für Verwandte vorschreiben würde von ihr. Und ihre Politik ist schlichtweg nicht auf SVP Linie sondern bidert sich bei den Linken an. Beispiel dafür ist das Sparpaket von Merz das sie direkt versenkt hat. Auch die ökologischen Steuern etc sind zugeständnisse.

    • amsler josef am 16.12.2011 17:33 Report Diesen Beitrag melden

      evelin widmer schlumpf.

      lasst doch endlich frau bundesrätin evelin widmer schlumpf in ruhe.sie macht eine sehr gute arbeitu.dafür danke ich ihr.ein parteiloser bürger.

    • lexomm am 17.12.2011 10:56 Report Diesen Beitrag melden

      bitte um Antwort.

      welche gute arbeit?

    • Reto K am 17.12.2011 19:18 Report Diesen Beitrag melden

      Eben nicht Herr Amsler

      Das wäre Ihnen am liebsten, wenn man die negativen Punkte einfach unter den Tisch kehren würde. Herr Krüsi hat es übrigens die Leistungen von Frau Schlumpf excellent zusammengefasst. Politiker müssen permanent durchleuchtet werden.

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  • R.L. am 15.12.2011 12:23 Report Diesen Beitrag melden

    Niemals..

    Solange EWS im Bundesrat sitzt wird es nie Ruhe um ihre Person geben.

  • ein Emser am 15.12.2011 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    eine lebensfrohe intelligente Frau

    Wer sie kennt, kann den Familienbericht erahnen.