Ende der «Knebelverträge»

18. September 2017 21:07; Akt: 18.09.2017 21:25 Print

«R.I.P., Vertragsfreiheit. What’s next?»

von D. Pomper - Das Parlament hat Online-Buchungsplattformen zurückgepfiffen. Den Gästen drohten nun höhere Preise, warnt Booking.com.

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Hotels sollen auf ihrer Website günstigere Tarife offerieren dürfen als auf Online-Buchungsplattformen. Der Nationalrat hat am Montag eine Motion aus dem Ständerat angenommen, die das verlangt. Damit wird der Bundesrat beauftragt, Preisparitätsklauseln in Verträgen zwischen Online-Buchungsplattformen und Hotels zu verbieten. Der Nationalrat nahm die Motion von CVP-Ständerat Pirmin Bischof mit 120 zu 52 Stimmen bei 10 Enthaltungen an. Die Mehrheit im Parlament sieht in den Preisklauseln wettbewerbsschädigende «Knebelverträge».

«Nach der intensiven Lobbyarbeit von Booking.com hätte ich nicht mit einem solch deutlichen Entscheid gerechnet», sagt Motionär Bischof. Er freue sich für die Hotellerie, die nun nicht länger im internationalen Vergleich benachteiligt sei. Alle Nachbarländer haben bereits eine entsprechende Klausel beschlossen. «Endlich können die Hotels mit Aktionen reagieren, wenn das Haus halb leer steht.» Davon profitierten auch die Gäste. Die Erfahrung im Ausland zeige, dass die Vielfalt der Angebote zugenommen habe und die Preise nicht angestiegen seien.

«Politik soll sich nicht einmischen»

Dem widerspricht die Buchungsplattform Booking.com: «Das Parlament bremst so den Wettbewerb und die nötige Transparenz bei den Zimmerangeboten. Den Konsumenten drohen höhere Preise», schreibt das Unternehmen. Der Entscheid schade gerade kleinen und Familienhotels, da auf sie die grosse Mehrheit der Buchungen über Online-Reiseplattformen entfalle. «Die Politik sollte sich nicht in private Vertragsbeziehungen einmischen – diese werden durch die WEKO überwacht», sagt Sprecher Peter Lochbiehler.

Kritik üben auch die Jungfreisinnigen: «Das Parlament erweist sich als eine Versammlung von Digitalisierungs-Analphabeten», sagt Präsident Andri Silberschmidt. Solche protektionistischen Vorstösse schränkten fortschrittliche Geschäftsmodelle im Bereich der Digitalisierung ein und verhinderten Innovationen, die konsumentenfreundlich seien. Die Vertragsfreiheit sei ein hohes Gut, das es zu verteidigen gelte.

Internetprotektionismus als Businessmodel?

Diese Meinung teilen auch der FDP-Nationalrat Marcel Dobler und der Grünliberale Jürg Grossen. R.I.P., Vertragsfreiheit Lex Booking.com. Internetprotektionismus sei auch ein Businessmodel, tweetet Dobler. Und fragt sich: «What’s next?»



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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beltran Leyva am 18.09.2017 21:29 Report Diesen Beitrag melden

    Handy-Abos?!

    witzig wie schnell das gehen kann,als Swisscom,Orange und Sunrise,ihre Bürger Jahrzehnte lang mit Knebelverträgen,irgendwelchen irrwitzigen automatischen Verlängerungen und Roaming-Betrügereien übers Ohr hauen,hat kein Politiker gefunden man müsste einschreiten etc.!Wirtschaftsknechte sind wir,nichts anderes...!

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  • Jacqueline am 18.09.2017 21:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Profit?

    Bin mir nicht sicher, ob dies ein grosser Rückschritt für den Endkunden - also für uns - sein sollte oder ob die Buchungsseiten einfach Angst haben, dass man direkt günstiger bei den Hotels, statt über ihre bucht.

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  • Nachgefragt am 18.09.2017 21:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zweierlei Mass...

    Rund um die Schweiz haben alle Nachbarn bereits gleiche Gesetze. Bei anderen Themen kann es unseren Politikern nicht schnell genug gehen, europäische Gesetze zu übernehmen. Weshalb sträuben sie sich jetzt aber gegen diese Regelung?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • c.c. am 19.09.2017 12:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Knebelvertäge gibt immer mehr!

    Zur Zeit sehe ich eine negative Wende für die Schweiz. Nun gut, wer den Hals nicht voll bekommt, geht schlussendlich leer aus. Es wird ja überall eingespart und gekürtzt. Die Touristen werden der Schweiz immer mehr fehrn bleiben. Ich würde sagen: (R.I.P. Schweiz)

  • André am 19.09.2017 12:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Buchen am günstigsten

    Tja ich und meine Frau haben dieses Jahr Urlaub in Schweizer gemacht ohne zu reservieren. Und siehe da auch volle Hotels hatten immer ein Doppelzimmer für uns. Aber das Beste sie waren immer günstiger als im Internet. Ist ja auch logisch ich hab so den Zwischenhandel ausgebootet.

  • Advocatus Diaboli am 19.09.2017 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Rollentausch

    Lustig, wie Taxibetriebe Uber bekämpfen, weil das Internet dort bessere Preise für den Endkunden garantieren. Aber wenn nun ein Internetkonzern genau dasselbe Problem wie die Taxikartelle darstellt, ist es plötzlich problematisch, wenn die Politik sich gegen solche Monopole stellt und bessere Preise für den Endkunden garantiert. Da haben die FDP-Vertreter den falschen argumentativen Ansatz verwendet.

  • Fragestunde am 19.09.2017 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Gilt das auch für die SBB und Swisscom?

    Da gibt es auch Knebelverträge, die Schande der Geschichte, das gilt für Staatsbetriebe nicht!

    • Pioter am 19.09.2017 23:07 Report Diesen Beitrag melden

      Nur am Rande

      Swisscom ist schon lange kein Staatsbetrieb mehr

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  • P.S. am 19.09.2017 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Jaja, wieder einmal die Neoliberalen

    Schwachsinn.. Die Vertragsfreiheit besteht immer noch. Wenn jemand abhängig ist vom anderen, dann diese Abhängigkeit noch vertraglich zu zementieren ist höchst fragwürdig.... Aber bei der FDP nach Moral und Empathie zu suchen ist ein hoffnungsloseres Unterfangen als die Nadel im Heuhaufen zu finden.