Strassenschlacht

26. Mai 2013 13:47; Akt: 26.05.2013 15:28 Print

«Raketen wurden auf Polizisten geschossen»

Chaoten haben an der «Tanz dich frei»-Demo massiven Sachschaden angerichtet, über 20 Personen wurden verletzt. Die Berner Behörden sind entsetzt über die Gewalt der «militanten Kriminellen.»

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Die Party «Tanz dich frei» am 25. Mai 2013 hatte zwei Gesichter. Zwischen Mitternacht und vier Uhr morgen dominierte vor allem das hässliche: Rund 70 vermummte Randalierer schlugen alles kurz und klein und lieferten sich Scharmützel mit der Polizei. Der Bahnhof Bern war in den frühen Morgenstunden von der Zerstörungswut gezeichnet. Die Polizei setzte gegen die Krawallmacher Wasserwerfer ein. Düstere Szenen spielten sich in den frühen Morgenstunden rund um den Bahnhof Bern ab. Viele der Pöbelnden waren vermummt. Im Bahnhof und rundherum wurden die Scheiben von Geschäften eingeschlagen. Die Chaoten gingen mit einer unglaublichen Zerstörungswut vor. Zu den grössten Scharmützeln zwischen der Polizei und vermummten, gewaltbereiten Demonstranten kam es zwischen 2 Uhr und 4 Uhr morgens. Die Polizei setzte Wasserwerfer, Gummischrot und Tränengas ein. Eskaliert ist die Gewalt, als kurz nach Mitternacht eine kleine Gruppe von Randalierern versuchte, die Absperrungen zum Bundesplatz zu durchbrechen. Während rund eineinhalb Stunden versuchten die Chaoten immer wieder den Bundesplatz zu stürmen, wo sie von der Polizei mit Tränengas und Gummischrot vertrieben wurden. Beim Polizei-Einsatz wurden auch Unschuldige getroffen. Die Organisatoren der Demo kritisierten den Einsatz der Polizei als unverhältnismässig. «Die Kinder von Bern übernehmen die Stadt», schrieb uns ein Leser-Reporter. Die zunächst friedliche Atmosphäre in Bern war zunehmend aggressiv aufgeladen. Kurz nach Mitternacht bewegte sich eine Gruppe von gewaltbereiten, vermummten Demo-Teilnehmern auf den Bundesplatz zu. Roter Rauch von Leuchtpetarden so weit das Auge reicht. Die dritte Ausgabe des unbewilligten Umzugs «Tanz dich frei» in Bern stiess wiederum auf grosses Interesse. Unter dem Baldachin des Berner Bahnhofs suchten die Partygänger Schutz vor dem Regen. Der Umzug hinterliess seine Spuren: Demonstranten haben die Fassade einer Starbucks-Filiale verschmiert. Auch eine Filiale der Bank Julius Bär wurde versprayt. Immer wieder wurden Leuchtpetarden und Böller gezündet. In roten Rauch gehüllt zogen die Demonstranten durch die Berner Innenstadt. Viele Demonstranten brachten gestaltete Gegenstände mit. Vermummte kletterten auf das Allianzgebäude. Regengüsse stellten die Partygänger immer wieder auf die Probe. Der Umzug hatte aber auch ein anderes Gesicht: Tausende demonstrierten friedlich und tanzten zur Musik der Soundwagen. Dicke Rauchschwaden stiegen über der Menschenmenge empor. Weit über 5000 Personen haben sich für die Party-Demonstration versammelt. Die Umzugsteilnehmer demonstrieren gegen den um sich greifenden «Kommerz». Ein Leser-Reporter fotografiert den Umzug von einem Balkon aus. Schon am frühen Abend haben die Demonstranten am Bahnhof das Kommando übernommen. Mehrere Personen machten auf dem Baldachin des Berner Bahnhofs auf ihre Anliegen aufmerksam und zündeten dabei Leuchtfackeln. Die Demonstration «Tanz dich frei» fand am 25. Mai 2013 zum dritten Mal statt. Autonome forderten auf einem Transparent: «Besetzen statt besitzen.» Der Bierstand stand bereits Stunden vor dem Umzug bereit. Die Polizei hat bereits am Nachmittag das Bundeshaus mit Gitterzäunen abgeriegelt - man wollte dieses Jahr Graffitis am Parlamentsgebäude verhindern.

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Bern hat eine unruhige Nacht hinter sich: Nachdem die dritte Auflage der «Tanz dich frei»-Demo kreativ und friedlich angefangen hatte, liessen Vermummte die Situation im Verlauf der Nacht eskalieren. Die Gewaltbereitschaft sei sehr hoch gewesen, schrieb die Polizei in einer ersten Bilanz.

Die Chaoten rissen Absperrungen beim Bundeshaus nieder, griffen Einsatzkräfte mit Pyrotechnika an und bewarfen die Polizisten mit Gegenständen. Die Polizei setzte Tränengas, Gummischrot und einen Wasserwerfer ein. Auch ein Helikopter kam zum Einsatz.

Grosser Sachschaden

Die ganze Nacht hindurch lieferten sie sich Scharmützel mit der Polizei. Dabei gingen in der Innenstadt über 70 Scheiben zu Bruch, und Waren wurden aus Auslagen gestohlen. Die Polizei schätzte den Schaden durch Vandalismus und Plünderungen am Morgen auf mehrere hunderttausend Franken.

Zu tun hatte auch die Sanitätspolizei: Sie hatte bis am frühen Sonntagmorgen rund 50 Einsätze zu leisten. 30 Personen mussten ins Spital gebracht werden. Viele von ihnen hatten zu viel Alkohol getrunken. Unter den Verletzten waren 20 Kantonspolizisten und ein Mitarbeiter der Transportpolizei, der im Gesicht verletzt worden war. 61 Personen wurden von der Polizei im Zusammenhang mit den Ausschreitungen angehalten.

(fum/sda)