Gratisabgabe verlangt

17. November 2018 18:24; Akt: 17.11.2018 18:24 Print

«Als wären Tampons illegale Drogen»

von J. Käser - In einer Motion fordert die Juso, dass Menstruationsartikel in Berner öffentlichen Gebäuden gratis abgegeben werden. Davon profitierten nur wenige, kritisieren die Jungfreisinnigen.

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Diese Bildstrecke enthält Bilder, in denen Kunstblut verwendet wurde. Am Donnerstag reichte die Juso im Berner Stadtrat eine Tampon-Motion ein. In dieser fordert die Juso die Stadt Bern dazu auf, sämtliche Toiletten ihrer öffentlichen Gebäude mit kostenlosen Menstruationsprodukten auszustatten. «Die Juso setzt sich allgemein für feministische Themen ein. Viele Mitglieder unserer Gesellschaft menstruieren einmal pro Monat. Gerade Frauen mit kleinen Portemonnaies spüren die Kosten, die das verursacht», erklärt Gianna Fetz von der Juso. Bereits am Dienstagabend machte die Juso mit einer Kunstblut-Aktion auf die Thematik aufmerksam. «Es geht auch darum, die Menstruation zu enttabuisieren», sagt Fetz. «Hier haben wir noch einen langen Weg vor uns. In Schulen oder an der Unis werden Tampons heimlich weitergegeben, als wären sie illegale Drogen.» In der wohlhabenden Schweiz sei das Problem zwar weniger gross als in anderen Ländern, doch auch hier litten Frauen an der Armutsgrenze unter den hohen Kosten von Tampons und Binden, sagt die Juso-Frau. «In einigen Ländern schwänzen junge Frauen einmal im Monat die Schule oder den Job, weil sie sich keine Tampons leisten können. Sie schämen sich dann für ihre Menstruation und trauen sich nicht, das Haus zu verlassen», so Fetz. Joel Hirschi, Präsident der Jungfreisinnigen Stadt Bern, hält nichts von dieser Idee: «Das ist doch ein typischer Profilierungs-Vorstoss.» Wenn nur öffentliche Gebäude Menstruationsartikel kostenlos zur Verfügung stellen müssten, kämen sie nämlich in erster Linie den Beamtinnen zugute, wie Hirschi sagt. «Meine Einstellung rührt nicht daher, dass ich ein Mann bin und daher nicht betroffen bin. Es geht mir darum, dass die öffentliche Hand nicht dafür zuständig ist, solch private Artikel zu bezahlen», so der Jungpolitiker.

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Am Donnerstag reichte die Juso im Berner Stadtrat eine Tampon-Motion ein, wie der «Bund» berichtete. In dieser fordern die Jusos die Stadt Bern dazu auf, sämtliche Toiletten ihrer öffentlichen Gebäude mit kostenlosen Menstruationsartikeln auszustatten. «Die Juso setzt sich allgemein für feministische Themen ein. Viele Mitglieder unsere Gesellschaft menstruieren einmal pro Monat. Gerade jene mit kleinen Portemonnaies spüren die Kosten, die das verursacht», erklärt Gianna Fetz von der Juso.

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Bereits am Dienstagabend hatte die Juso mit einer Kunstblut-Aktion auf die Thematik aufmerksam gemacht (siehe Bildstrecke). «Es geht auch darum, die Menstruation zu enttabuisieren. Hier haben wir noch einen langen Weg vor uns. In Schulen oder an der Unis werden Tampons heimlich weitergegeben, als wären sie illegale Drogen», sagt Fetz. Würde die Stadt Bern Menstruationsartikel gratis zur Verfügung stellen, müsste das Thema in der Öffentlichkeit zwingend angesprochen werden, was zu einer Enttabuisierung beitragen könne.

New York als Vorbild

In der wohlhabenden Schweiz sei das Problem zwar weniger gross als in anderen Ländern, doch auch hier litten Frauen an der Armutsgrenze unter den hohen Kosten von Tampons und Binden, sagt die Juso-Frau. «In einigen Ländern schwänzen junge Frauen einmal im Monat die Schule oder den Job, weil sie sich keine Tampons leisten können. Sie schämen sich dann für ihre Menstruation und trauen sich nicht, das Haus zu verlassen», so Fetz. Dagegen müsse etwas unternommen werden, auch in der Schweiz.

Nach dem Vorbild von New York und diversen britischen Städten wolle man deshalb Tampons und ähnliche Produkte auf öffentlichen Toiletten frei zur Verfügung stellen. «Bern als Hauptstadt soll dabei eine Art Vorreiterrolle übernehmen. Zudem fordern wir in der Motion, dass die Stadt sich für dieselbe Handhabung punkto Tampons und Binden auf Kantons- und Bundesebene einsetzt», so Fetz. Das bedeute, dass kostenlose Tampons auch an Unis und der ETH vorhanden wären.

«Nicht die Aufgabe der öffentlichen Hand»

Joel Hirschi, Präsident der Jungfreisinnigen Stadt Bern, hält nichts von dieser Idee: «Das ist doch ein typischer Profilierungs-Vorstoss. Die Juso will wieder einmal signalisieren, dass sie für alle da ist, dabei profitieren eigentlich nur wenige davon.» Würden Menstruationsartikel nur in öffentlichen Gebäuden kostenlos zur Verfügung gestellt, kämen sie nämlich in erster Linie den Beamtinnen zugute, sagt Hirschi.

«Meine Einstellung rührt nicht daher, dass ich ein Mann bin und daher nicht betroffen bin. Es geht mir darum, dass die öffentliche Hand nicht dafür zuständig ist, solch private Artikel zu bezahlen», so der Jungpolitiker. Schliesslich würde der Steuerzahler die Kosten tragen. «Soweit ich weiss, trägt selbst die Mutterpartei der Juso, also die SP, den Vorstoss nicht wirklich mit.»Es müsse eine generelle Diskussion über die Preise von Hygieneartikeln geführt werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • D.B. am 17.11.2018 18:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wow ...

    Sind das jetzt die grossen Probleme und Zukunftsprojekte der Jusos. Echt erbärmlich.

  • marco am 17.11.2018 18:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt

    Ist das noch Politik? Ich vordere ja auch nicht gratis Rasierer, Wasser, Essen usw.

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  • Valeria am 17.11.2018 18:32 Report Diesen Beitrag melden

    Nein es gibt nicht immer alles umsonst.

    Wo bleiben die gratis Rasierer oder gratis Kondome?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Brummbär05 am 19.11.2018 15:08 Report Diesen Beitrag melden

    angelsächsischer Unsinn

    Dass man seine körperlichen Funktionen nicht aller Welt mitteilt hat wohl eher mit Pietät und Anstand zu tun und nicht damit, dass Menstruation so ein Tabuthema sei. Ich reibe meinen Mitmenschen auch nicht Art und Beschaffenheit meines Stuhlgangs unter die Nase. Gewisse angemessene Umgangsformen sollten schon beibehalten werden.

  • Thunder83 am 19.11.2018 12:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oh je

    Das Problem ist ja wirklich, dass die angstellten zuerst Profitieren würden. Da wären die übrigen wieder benachteiligt.... Aber, mir bezahlt auch niemand die Rasur, ich schäme mich zwar nicht, aber die Klingen dazu sind auch Teuer! Ein Schritt wäre z.B könnte die MwSt erlassen werden.

  • F. Bümperli am 19.11.2018 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin dafür

    Kondome vor allem in Afrika und Gebiete wo Ueberbevölkerung ist, Gratis Abgabe. Für mich wäre das ein Grund um Genferkonvention der Menschenrechte abzuändern

  • Tanja am 19.11.2018 09:22 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich

    Endlich jemand der sich der ernsten Probleme annimmt. Wurde auch Zeit.

  • dread FPV am 19.11.2018 07:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und die Männer

    und für Männer gibts Gratis Rasierklingen und Schaum? Gummis kann sich auch nicht jede/r leisten. am Schluss gibts alles Gratis?