Macho-Jungs

25. März 2015 06:01; Akt: 25.03.2015 17:15 Print

«Respektiere mich, egal wie kurz mein Rock ist»

von D. Pomper - Zehnjährige in Miniröcken, mit falschen Fingernägeln, Extensions: Machos hätten den Stil zu respektieren, sagen die einen. Pure Provokation, finden die anderen.

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Jugendcoach Sefika Garibovic berichtet von 10-jährigen Mädchen, die Miniröcke, Absatzschuhe und Korsette tragen oder falsche Wimpern, Fingernägel und Haarextensions haben. «Ich sehe Mädchen, die herumlaufen wie Prostituierte.» (Bild: Emil Pozar)

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Der Artikel über jugendliche Machos, die Mädchen als «Schlampen» beschimpfen und sie sexuell belästigen, hatte unzählige Reaktionen zur Folge. Zahlreiche junge Männer waren der Meinung, dass das Problem auch noch eine andere Seite habe.

Ein Security-Mitarbeiter erzählt: «In den Clubs bieten sich die Frauen in den knappsten und kürzesten Outfits den Typen an, als würden sie am Sihlquai stehen. Es ist erschreckend.» 16-jährige Mädchen würden ihm am Clubeingang ihre Handynummer anbieten oder ihn fragen, ob sie ihn oral befriedigen sollten, um in den Club hineinzukommen. Das Fazit des jungen Mannes: «Wie soll man vor solchen Frauen noch Respekt haben? Sie anständig behandeln?»

«Der Feminismus hat versagt»

Expertin für Nacherziehung und Jugendcoach Sefika Garibovic, die oft in Primarschulen unterwegs ist, berichtet von zehnjährigen Mädchen, die Miniröcke, Schuhe mit Absätzen und Korsette tragen würden oder falsche Wimpern, Fingernägel und Haarextensions hätten. «Ich sehe Mädchen, die geschminkt sind wie Uriella und herumlaufen wie Prostituierte.» Die Mädchen stammten aus allen sozialen Schichten, sehr wohl auch aus gutbürgerlichen Kreisen.

Für Garibovic ist klar: «Der Feminismus hat in der Schweiz versagt.» Dieser habe doch zum Ziel gehabt, Frauen zu selbstbewussten Menschen zu machen, die von ihren Mitmenschen respektiert würden. Mit ihrem Auftreten aber würden sie sich als Sexobjekte präsentieren. «Sie geben dem Druck seitens der Macho-Jungs nach und kleiden sich so, um ihnen zu gefallen.»

Sendungen wie «Bachelor», in der zwanzig «Ladys» um die Gunst eines Schönlings kämpfen, würden sich negativ auf das Frauenbild auswirken: «An den Schulen beobachte ich regelrechte Haremsbewegungen. Da scharen sich ein Dutzend Mädchen um einen Jungen», sagt Garibovic. Sie würden sich den Jungs regelrecht anbieten. «Anstatt Haltung zu bewahren, erniedrigen sie sich so selber.» Es sei höchste Zeit, dass Eltern jetzt intervenierten.

Laut SP-Nationalrat Cédric Wermuth haben TV-Formate wie «Bachelor» oder «Germany’s Next Topmodel» Mädchen in altmodische Rollenbilder gedrängt. Er beobachte Zwölfjährige, die Frauen nacheiferten, deren einziges Ziel es sei, eine Rose vom Bachelor zu ergattern. Deshalb wehrten sie sich kaum, wenn sie von Männern erniedrigt würden. «Die Machokultur hat auch bei den Schweizern Einzug gehalten.» Etwas müsse nach der letzten feministischen Welle schiefgelaufen sein.

«Ausdruck des freien Willens»

Gegen diesen Vorwurf wehrt sich Rosmarie Zapfl, Feministin der ersten Stunde und ehemalige Präsidentin des Schweizerischen Frauendachverbandes Alliance F. «Mädchen dürfen sich heutzutage so anziehen, wie sie wollen – ob wir das nun hübsch finden oder nicht.» Der Kleidungsstil demonstriere: «Ich mache, was mir gefällt. Weder Mama noch Papa haben sich da einzumischen.» In dem Sinne sei es ein Ausdruck von Selbstbewusstsein. Den Kleidungsstil von Mädchen als Freipass dafür zu benutzen, Schülerinnen als «Schlampen» zu bezeichnen, sei absolut unzulässig. Dagegen müssten sie sich wehren: «Die Mädchen müssen den Jungs klarmachen: ‹Du hast mich zu respektieren, egal wie ich mich kleide, egal wie kurz mein Rock ist.›»

Claudine Esseiva, Generalsekretärin der FDP-Frauen, plädiert für einen Geschlechterdialog auf Augenhöhe: «Jeder soll selber entscheiden, wie er sich anziehen will. Dieser Entscheid muss respektiert werden.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Waltrovky am 25.03.2015 07:29 Report Diesen Beitrag melden

    Aufreizender Kleidungsstil

    Eine Frau gegen ihr Einverständnis anzufassen ist in keinem Fall in Ordnung, egal wie kurz der Minirock ist; jeder kann sich kleiden wie er will. Und diese Sorte Macho hat sowieso nichts verstanden. Doch müssen sich die Damen nicht wundern angebaggert (nicht angefasst) zu werden, wenn sie sich so aufreizend kleiden und mit dem Popo wackelnd durch die Strasse laufen. Und genau das bezwecken sie ja auch, dieser Kleidungsstil heisst nichts anderes als "mach mich an, verführ mich etc."

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  • hapebe am 25.03.2015 07:02 Report Diesen Beitrag melden

    Aber, aber Frau Zapfel

    Ich weiss nicht Frau Zapfel, aber ihre Meinung ist ein wenig quer. Warum sollen sich so "kleine" und junge Mädchen, die noch nichtmal pupertieren, so verhalten? Da versagen die Erzieher und es hat überhaupt nichts mit Selbstvertrauen der Mädchen zu tun. Sie müssten das ein wenig besser differieren können. Auf jeden Fall ist das weder im Sinne der Emantipation noch im Sinne von moderenen Rollenbildern....

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  • Souffleur am 25.03.2015 07:10 Report Diesen Beitrag melden

    Genug ist genug

    Komm jetzt ist aber mal genug. Oder wie lange müssen wir nun das Thema noch durchkauen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mensch am 26.03.2015 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt muss man sich verdienen

    Mit Mini Rock und schmike verdient man sich SICHER KEIN Respekt sondern mit einem Selbst sicheren Auftritt ganz einfach. Schminke ist so oder so schlecht und mach einfach Nuttig sorry.

    • sara sisley am 26.03.2015 23:03 Report Diesen Beitrag melden

      kopfschüttel

      na da machen Sie es sich ja arg einfach! Woher soll denn der selbstsichere Auftritt kommen? Es sind doch die Meisten zutiefst unsicher! Und gerade mit denen, die so "freizügig" rumlaufen, sollte man sich näher befassen, anstatt immer diese "kein Respekt" Arie von sich zu geben! Die haben oft erst recht kein Selbstbewusstsein und meinen, sie müssten sich über den Körper definieren! Das ist eher einfach tragisch und man müsste ihnen vermitteln, dass es auch anders geht! Fragt sich nur, wer! Respekt gebürt im Übrigen JEDEM!

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  • Harry, 50 am 26.03.2015 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Faule Ausreden

    Das mit der Kleidung ist nur eine faule Ausrede der Männer, einen Freipass zu haben. War bei uns schon so mit den Minijupes. Im Rückblick schäme ich mich für mein Verhalten. Aber man kann ja noch lernen.

  • Noemi am 26.03.2015 08:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Tochter trägt sowas auch 

    Ich verstehe diese ganze Aufregung um zu kurze Röcke überhaupt nicht! Bin selber junge Mutter und meine Tochter (11 Jahre) trägt nun halt gerne hohe Highheels und kurze Röcke zur Schule was soll dabei so schlimm sein? Im Sommer trägt Sie ein Bikini und kein Hahn schreit deswegen auf! Wir leben in einem freien entwickelten Land im Jahre 2015! Da sollte sowas möglich sein.

    • getta am 26.03.2015 15:16 Report Diesen Beitrag melden

      @noemi

      Es ist für Kinder sehr gesundheitsschädigend mit High-Heels rumzulaufen! Unglaublich von Ihnen, das zu befürworten!

    • Hein am 26.03.2015 15:51 Report Diesen Beitrag melden

      Sexuelle Anmach ernst nehmen?

      Die jungen Mädchen tun mir leid! Wird diese aufreizende Kleidung angezogen, weil sie gut aussieht? Nein, sie soll sexy sein, sie soll anmachen. Und dann wundern sie sich darüber, dass diese Anmache Erfolge hat, die sie wahrscheinlich (?) gar nicht haben wollen. Sie bieten sich selbst als Sexobjekt dar. Ich kann kein weibliches Wesen ernst nehmen, das sich so präsentiert. Als mögliche Partnerin sind sie für mich indiskutabel.

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  • Michael Palomino am 25.03.2015 23:41 Report Diesen Beitrag melden

    Modemacher und Gesetzgeber

    Sexy Kleidung ab 10 Jahren, die Mode will es doch so, und die Modemachen und die Gesetzgeber sind VERANTWORTLICH, nicht nur die Eltern! Und wie war das nochmal mit dem Schutzalter, das so viele Beziehungen zerstört?

  • Hans Knecht am 25.03.2015 23:26 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt?

    Was nützen die paar Stunden "Respekt- und Anstandsunterricht" Abends und am WE bei den Eltern daheim wenn man 5 Tage die Woche in der Schule was anderes vorgelebt und erlernt wird? Respekt und Anstand muss sowohl dabeim von den Elterna als auch in der Schule von den Lehrern täglich vorgelebt werden.