Tochter von erschossener Frau

08. August 2019 21:48; Akt: 08.08.2019 21:48 Print

«Ruhe in Frieden Mama, mein Engel»

Der Schweiz-Kosovare B. V. (61) erschoss seine Frau A. V. (48) während der Ferien in der kosovarischen Heimat. Ex-Premier Ramush Haradinaj spricht von einem tragischen Tod.

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Die 48-jährige A. V.* habe gerade in ein Taxi steigen wollen, als Ehemann B. V.* (61) sie am Dienstagabend mit 15 Schüssen niederschoss, wie die kosovarische Zeitung «Gazeta Express» berichtet. Zuvor soll es zum Streit zwischen den Eheleuten gekommen sein. Der Tatort liegt nur wenige Meter vom Haus des Paares in der kosovarischen Stadt Prizren entfernt. Wohnhaft war das Paar in der Schweiz, verbrachte aber seit rund zwei Wochen seine Ferien in der Heimat.

Staatsanwältin Ervehe Gashi bestätigte gegenüber der Zeitung, dass der Mann die Polizei selbst alarmiert habe. Seine Worte: «Ich habe meine Frau getötet.» Bis am Mittwoch war das Tatmotiv noch unklar.

Täter rief Bruder an

Neben der Polizei soll V. auch einen seiner Brüder informiert haben: «Ich hätte nie geglaubt, dass das passieren würde, aber es ist tatsächlich geschehen. Wir sind keine kriminelle Familie. Mein Bruder rief mich an und meinte, er habe seine Frau erschossen. Ich habe ihm nicht geglaubt.» Ein anderer Bruder sagte der Zeitung, dass das Paar wohl familiäre Schwierigkeiten gehabt habe.

Ein weiterer Bekannter gibt an, dass V. sich in letzter Zeit aggressiv verhalten habe. «Ich hatte es gut mit ihm. Aber Hand aufs Herz: Er war kein Ruhiger. Er verliess seine Frau mit zwei Kindern, die in der Schweiz leben. Dann kam er mit einer anderen zusammen. Nun war er mit einer anderen Frau aus Pristina zusammen. Das ist die, die er vermutlich getötet hat. Sie war lieb, eine gute Seele.»

Tochter nimmt Abschied

Das Opfer ist die Mutter von Diellza H.*, Beraterin von Kosovos Ex-Premierministers Ramush Haradinaj. Diese trauert in den sozialen Medien um ihre Mutter. So schreibt sie etwa auf Instagram: «Ruhe in Frieden Mama, mein Engel» oder «Leben, Engel». Das Paar war in zweiter Ehe verheiratet und hatte keine gemeinsamen Kinder.

Haradinaj selbst hat sich auf Facebook ebenfalls zu dem Vorfall geäussert. Er schreibt: «Zutiefst betroffen vom Tod von A., unserer Freundin und der Mutter unserer Kabinettskollegin Diellza H. Mein Beileid geht an Familie und Freunde. Möge sie in Frieden ruhen.»

Frauen werden benachteiligt

Auch der kosovarische Parlamentspräsident Kadri Veseli hat sich auf Facebook zu dem Vorfall geäussert: «Der schwere Mordfall in Prizren ist eine inakzeptable Handlung, die ich zutiefst verurteile. Häusliche Gewalt und Misshandlung von Frauen sind Phänomene, die gegen unsere traditionellen Familienwerte sowie gegen die grundlegenden Menschenrechte sind.»

Etliche Frauen in Kosovo seien Diskriminierung, Missbrauch und Gewalt ausgesetzt. «Ich fordere die Polizei und die Justizbehörden hiermit auf, die passende Antwort auf diesen schmerzlichen Fall zu geben und Fälle, die im Zusammenhang mit Gewalt an Frauen stehen, mit besonderer Priorität und Engagement zu behandeln. Die Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit staatlicher Institutionen gegenüber bedrohten Frauen oder gegenüber Hilferufen von Frauen werden nicht länger toleriert.»

Der Leichnam von A. wurde von Forensikern untersucht. V. wurde für 48 Stunden in Gewahrsam genommen. Es wurde eine einmonatige U-Haft beantragt. Wie Tochter Diellza H. am Donnerstag auf Instagram bekannt gab, wird ihre Mutter am Freitag in Podujeva beigesetzt.

*Name der Redaktion bekannt

(qll)