Flieger-Beschaffung

10. März 2016 12:20; Akt: 10.03.2016 12:20 Print

«Russland ist scharf auf einen Kampfjet-Deal»

von D. Waldmeier - Ein Berater aus der Rüstungsindustrie erzählt, wie er der Schweiz russische Kampfjets vermitteln möchte. Die Elektronik soll ein Schweizer Konsortium entwickeln.

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Francesco Petricca ist CEO der Zuger Firma Aliteco AG, die seit 25 Jahren Geschäfte in der Rüstungsindustrie zwischen Ost und West einfädelt. Wir treffen den fein gekleideten Italiener, kurz nachdem der Bundesrat Ende Februar den Startschuss für den Kauf neuer Kampfjets gegeben hat. In seiner Aktentasche liegt ein Dossier mit dem Titel «Kampfflugzeug für die Schweiz». Dieses enthält einen konkreten Plan für den Ersatz der alten F-5 Tiger, mit dem er die Diskussion aufmischen möchte.

Umfrage
Soll die Schweiz selber einen Jet entwickeln?
58 %
38 %
4 %
Insgesamt 7593 Teilnehmer

Sein Vorschlag: Die Schweiz soll den Kampfjet beim russischen Flugzeugbauer Suchoi kaufen. Infrage komme entweder der Su-35 oder der T-50, so Petricca. Der Russen-Jet soll aber mit westlicher Technologie ausgestattet werden, die grösstenteils in der Schweiz entwickelt wird.

«Schweiz bekäme Jets zum Schnäppchenpreis»

«Mit den ETHs, dem Technologiekonzern Ruag und führenden Industriebetrieben sind die Voraussetzungen für ein solches Projekt nirgends besser.» Rhetorisch fragt Petricca: «Wenn Schweden mit dem Gripen einen Kampfjet entwickeln kann, warum sollte es dann die Schweiz nicht können?»

Das Risiko des Unterfangens könne reduziert werden, indem Firmen, die an der Entwicklung des Eurofighters beteiligt waren, an Bord genommen werden. Laut Petricca, der nach eigenen Angaben über beste Kontakte ins russische Verteidigungsministerium verfügt, ist Moskau scharf darauf, mit der Schweiz ins Geschäft zu kommen. «Der Deal würde die Tür für westliche Absatzmärkte öffnen.»

Die Schweiz bekäme die Jets darum «zu einem Schnäppchenpreis». «Das Projekt käme nicht teurer als die Beschaffung des Gripen.» Auch würde die Schweizer Industrie in viel höherem Mass profitieren als bei indirekten Gegengeschäften. Zudem würde die Abhängigkeit von den USA reduziert.

Schon 2010 hat Aliteco von Rosoboronexport, dem russischen Monopolexporteur für Rüstungsgüter, die Erlaubnis erhalten, die Jets in der Schweiz anzubieten, wie ein entsprechendes Dokument belegt. Man sei damals in der Schweiz aber auf taube Ohren gestossen, sagt Petricca. Am Ende setzte sich Saab mit dem Gripen gegen Dassault (Rafale) und Airbus (Eurofighter) durch. Die 22 Schweden-Flieger hätten 3,1 Milliarden Franken gekostet, stürzten aber an der Urne ab.

Experte nennt das Projekt «realitätsfremd»

Beim Bundesamt für Rüstung (Armasuisse) will man den Plan zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentieren. Kritisch äussert sich Aviatik-Experte und SkyNews.ch-Chefredaktor Hansjörg Bürgi: «Die Idee ist interessant, aber realitätsfremd.» Die russischen Jets seien zwar gut, das System aber nicht mit den westlichen kompatibel. «Man müsste zunächst einen Prototypen bauen – der Aufwand wäre enorm.» Bis 2025 hätte man niemals einen Flieger.

«Wann immer die Schweiz gemeint hat, einen Jet auf unsere Bedürfnisse zuzuschneiden, ist er am Ende enorm teurer geworden. Es sei darum sinnvoller, ein Flugzeug von der Stange zu kaufen, zumal die Schweiz als neutrales Land den Jet kaum werde exportieren können. «Für die kleinen Stückzahlen lohnt es sich nicht, die Katze im Sack zu kaufen.» Ohnehin hätte ein Deal mit Russland in der Schweizer Politik kaum Chancen.

Auch Bürgi sagt aber, dass es für Russland ein Prestige-Erfolg wäre, wenn es in die Schweiz liefern könnte. Ein Sieg im strengen Schweizer Evaluationsverfahren sei die beste Referenz.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ceeee am 10.03.2016 06:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbst mitentwickeln?

    Finde ich eine sehr gute Idee. Somit wissen wir, was wir auch wirklich bekommen. Go 4 it. Besser als die Ami Ware, die eh noch im schlimmsten Fall nicht funktioniert, da US die Codes behält, um die Freischaltung zu deaktivieren.

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  • SinnLos am 10.03.2016 07:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmvolk

    Der Grippen ist damals beim Stimmvolk gescheitert, weil es der schlechteste Flieger der Auswahl war. Das Volk fragte sich, wieso Geld für ein nicht konkurenz fähigen Flieger raus werfen. Ich persönlich würde den F-35 oder den T-50 nehmen. Wenn wir schon Geld ausgeben, dann für ein Flieger der 5. Generation.

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  • Ojoii am 10.03.2016 10:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neutral

    Also meiner Meinung nacht braucht es die Schweiz überhaupt nicht zu kümmern was der Westen denkt. Da unser Land neutral ist kann es mit jedem Land Geschäfte machen mit dem es will. Aber unsere Politiker mit den anders gefärbten Zungen werden niemals den Mum dazu haben

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Die neusten Leser-Kommentare

  • cycling_alex am 10.03.2016 17:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee

    Finde ich eine gute Idee. Bei allen in der Vergangenheit beschafften Kampfflugzeugen, wurden dies noch mit schweizer Systemen nachgerüstet. Warum also nicht einen Russenflieger nehmen. Die sind in Bezug auf die Aerodynamik sowieso überlegen.

  • Madara Uchiha am 10.03.2016 17:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    selber bauen besser

    frage mich schon lange wieso die schweiz nicht selber jets und panzer produzieren würde neue arbeitsplätze schaffen und die schweiz muss nicht im ausland einkaufen gehn

    • Mäd Meks am 10.03.2016 18:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Madara Uchiha

      Es kostet extrem viel Geld. Und lohnen tut sich das Ganze nur, wenn wir unsere Panzer, Jets auch an andere verkaufen können. Nur für Eigengebrauch können wir uns nicht leisten.

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  • Sugus-ch am 10.03.2016 12:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naiv

    Über die Frage ob man mit Russland Geschäft machen soll oder nicht, kann man ja unterschiedlicher Meinung sein. Aber zu glauben das es gut kommt wenn die Schweiz versucht einen Russischen Jet auf unsere Bedürfnisse umzurüsten ist einfach nur Naiv, das Projekt würde garantiert in einem Desaster enden.

  • Alias am 10.03.2016 12:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Flüchtlinge

    Genau diese Industrie ist unter Anderem schuld, dass so viele Menschen momentan auf der Flucht sind. Also sollte man auf keinen Fall so ein Projekt unterstützen.

  • Skeptiker am 10.03.2016 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    Russische Jets

    Der T-50 ist noch nicht eingeführt. Und der F-35 ist ein Geldgrab. Eine Eigenentwicklung ist zu risikoreich, wenn man nur 5 Milliarden hat und nur wenige Stück bauen will. Generell halte ich russische Jets für eine gute Sache, weil sie fliegerisch den neuesten US-Modellen überlegen sind. Ersatzteile, die ein wichtiges Kriterium sind, kann man ja gleich mitkaufen.