«Kritik ist unfair»

07. November 2019 04:48; Akt: 07.11.2019 06:59 Print

Das sagt die SBB-Fee zum Bashing-Video

von Lena Stadler - Zugbegleiterin Claudia Furrer (44) hat den Song «Stop Bashing SBB» selbst geschrieben. Sie wolle ein Zeichen gegen die «unfaire Kritik» setzen.

Das medienkritische Werk der SBB-Zugbegleiterin. (Video: Claudia Furrer)
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Einige SBB-Mitarbeiter hatten genug von den negativen Berichterstattungen über ihren Arbeitgeber. Sie haben deshalb in ihrer Freizeit ein Video produziert. Die Botschaft: Die Medien würden die SBB zu streng beurteilen.

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«Es war mir ein Bedürfnis, ein Zeichen zu setzen, dass wir den Zusammenhalt untereinander hochhalten», sagt jetzt Zugbegleiterin Claudia Furrer, die die Idee hatte. Sie wolle dazu ermuntern, sich auf das Gute und «das grosse Engagement aller SBB-Mitarbeitenden zu konzentrieren». Auf die Rolle der Zauberfee sei sie spontan gekommen: «Die Figur der Zauberfee spricht für sich.»

«Ich habe lange am Text gefeilt»

Die Lyrics von «Stop Bashing SBB» stammen von der leidenschaftlichen Sängerin selbst, die Melodie hat eine deutsche Band komponiert. «Ich habe lange am Liedtext gefeilt.» Sie habe daraufhin Kollegen davon überzeugt, ein Video zu produzieren.

Doch warum zaubert sie im Video die Schlagzeilen weg, die sich um den Lohn von SBB-CEO Andreas Meyer drehen? Furrer: «Es geht mir darum, dass es unfair ist, wenn sich die Kritik fast immer nur gegen eine Person richtet.» Die im Video gezeigten Schlagzeilen seien symbolisch für die negativen Berichte und es gehe nicht primär um den Lohn von CEO Meyer.

Natürlich sei es Sache der Medien, zu hinterfragen und zu recherchieren, sagt die Bähnlerin. Sie kritisiert aber die Berichterstattung der Medien über den Unfalltod von Zugbegleiter Bruno R.: «Es macht auch weh, zu sehen, wie im Sinne von Klicks tragische Unfälle übermässig gehypt werden. Das dient der Sache in meinen Augen nicht. Deshalb: Stop Bashing.»

«Personal leidet unter Situation»

Laut der Gewerkschaft des Verkehrspersonals zeigt die Videobotschaft vor allem eines: Das Zugpersonal leidet unter dem Druck der gegenwärtigen Situation. «Sie sind die Menschen an der Front, die die genervten und manchmal aggressiven Reaktionen der Fahrgäste auf Unpünktlichkeit, Verschmutzung und zu wenig Sitzplätze entgegennehmen müssen und nicht immer helfen können», sagt Vizepräsidentin Barbara Spalinger.

Bei den Lesern löst das Video kontroverse Reaktionen aus. Einige loben die Leute an der Front. Trotzdem müsse Kritik an der SBB erlaubt sein, finden einige. So lautet ein Online-Kommentar: «Die SBB wird zurzeit zu Recht gebasht. Die Bahn hat im Moment keine Lorbeeren verdient, was Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Sicherheit anbelangt. Die komplette Führungsebene muss durch bahnvertraute Leute ausgewechselt werden.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alex am 07.11.2019 05:32 Report Diesen Beitrag melden

    Hochschulverblendung

    Leider wird seit Jahren der Fehler gemacht, dass fachfremdes Management und fachfremde Projektleitungen eingesetzt werden. Das wird den Leuten an den Hochschulen so nachhaltig eingetrichtert, dass ein Umdenken unmöglich erscheint. Darunter leiden in allen Betrieben die Fachpersonen welche sich tagtäglich für das Unternehmen einsetzen jedoch keinen Einfluss auf die Entscheidungen haben.

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  • Gregor am 07.11.2019 05:23 Report Diesen Beitrag melden

    Einst Vorzeigebetrieb und heute...?

    Sorry, aber die Wahrheit auszusprechen, hat rein gar nichts mit Bashing zu tun. Oder soll schöngeredet werden, dass ständig Züge ausfallen oder massive Verspätungen haben, während der Hauptverkehrszeit nur 2 Wagen angehängt und die Leute wie Büchsensardinen zusammengepfercht werden? Mir ist mittlerweile egal, wie alt oder verdreckt das Rollmaterial ist. Hauptsache, es fährt überhaupt etwas...

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  • Lucius Annaeus Seneca am 07.11.2019 06:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meyer wohl der Dirigent?

    liebe SBB Angestellte versammelt Euch und putzt einmal die Chefetage durch..Ihr wisst sehr wohl das euer EX-CEO Benedikt Weibel dem war es nicht Schade oft mal ein Mittagessen gemeinsam mit den "Büezern" zu nehmen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • ÖV-Benutzer seit 35+ Jahren am 07.11.2019 19:16 Report Diesen Beitrag melden

    Behandlung der Kunden unfair

    Eigentlich war ich mal ein Bahn- resp. SBB-Fan. Das ist aber schon mehr als 13 Jahre her, also vor der Meyer-Dynastie. Mit dieser durchschaubaren PR-Aktion der SBB wird wiederholt versucht schönzureden, dass Leuthard, Meyer, Pilloud, Häne, Jordi die SBB komplett an die Wand gefahren haben. Als Bahnkunde kann ich sehr wohl zwischen den normalen SBB-Mitarbeitern und der Teppichetage unterscheiden. Schuldig ist die Teppichetage und wie diese mit uns Kunden umgeht ist diplomatisch ausgedrückt unfair.

  • Tux am 07.11.2019 18:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schönen Abend

    Sitze in der zweiten Klasse auf der Treppe mit einem 1 Klasse Ticket. Da in der 1 Klasse die Treppen überfüllt sind :-).

  • Thomas W. am 07.11.2019 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Peinlich / Mimosen

    Einfach nur peinlich. Auch die Mitarbeiter müssen diese schwierige Zeit der SBB durchstehen. Dieses "wir können nichts dafür" ist der Grund wieso SBB jetzt Probleme hat. Jeder muss die Arme hochkrempeln. Wem dies zuviel Stress ist, sollte nach einem neuen Job Ausschsu halten. PS: auch ein Teil meiner Steuern fliesst zu SBB

  • Klaus am 07.11.2019 16:51 Report Diesen Beitrag melden

    Jammern auf hohem Niveau

    Wir ärgern uns, wenn unsere Züge, Busse oder Trams 5 Minuten Verspätung haben. Selber aber schaffen wir es nicht, anständig aus den Verkehrsmitteln ein- oder auszusteigen! Es gibt immer noch viele "vor der Tür stehenbleibende Pendlerinnen", die auch dann nich Platz machen, wenn man darum bittet! Andere wiederum bleiben in Gang, mit Rucksäcken am Rücken stehen und wollen aussteigende Pendler einfach nicht vorbeilassen! Auch so kann es zu Verspätungen kommen. Und in anderen Ländern kommt der Zug, der Bus oder das Tram gar nicht erst an!

    • Kunde am 07.11.2019 18:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Klaus

      Gemäss SBB Führung sind meistens die anderen, die Reisenden Schuld. Weniger verkürzte und dadurch pünktlichere S Bahnen wären gut. Aber Andreas Meyer hat ja vieles kaputt gespart. Zu wenig S Bahn Fahrzeuge. Fast überall zu wenig Mitarbeitende. So kann die Pünktlichkeit nicht verbessert werden!

    • Frtz am 07.11.2019 18:33 Report Diesen Beitrag melden

      Das sind keine Pendler

      Sonst wüssten sie ja, wie es funktioniert. Und von den Nicht-Pendlern wird es noch ewig viele geben...

    • Schweizer am 07.11.2019 20:19 Report Diesen Beitrag melden

      Jammern auf hohem Niveau?

      Das ist nicht jammern auf hohem Niveau, sondern zum Teil berechtigter ärger. 5 Minuten verspätung klingt nicht nach viel, aber wenn der Anschluss bei der Einfahrt weg ist, weil es nur 5 Min Umsteigzeit gibt, ist das ärgerlich. Vor allem wenn man dann 1 Stunde auf den nächsten Anschluss warten muss, das summiert sich schon. Es gibt nicht auf allen Strecken 15 oder 30 min Takt. Und das mit den anderen Leuten stört mich auch, leider die heutige Egogesellschaft.

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  • simon kross am 07.11.2019 16:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lasst die Mitarbeiter in Ruhe

    Ja die SBB hat im Moment keine Lorbeeren verdient. Aber was kann der Kontrolleur oder die Dame am SBB Schalter dafür? Gar nichts, was viele in ihrer Aufregung aber leider zu vergessen scheinen. Dafür plädiert der "Song" ja auch. Eine mutige Aktion!