Selbstbestimmungsinitiative

03. Oktober 2018 13:48; Akt: 03.10.2018 14:41 Print

«Gegner der SVP-Initiative teilen sich die Arbeit»

von A. Peterhans - Der Politologe Louis Perron erklärt, wieso die SVP nicht provokativ in den SBI-Abstimmungskampf geht und die SP mit mehr Emotionen mobilisiert.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Herr Perron, wieso starten die Kampagnen zur Abstimmung über die Selbstbestimmungsinitiative (SBI) vom 25. November so früh?
Früh zu beginnen, macht Sinn. Es hat noch niemand eine Kampagne verloren, weil er oder sie zu früh mit der Planung begonnen hätte. In der jetzigen Phase geht es um die Definitionshoheit. Die SBI ist technisch und juristisch und damit für viele Wähler abstrakt. Schauen Sie zum Beispiel die Abstimmung zur Unternehmensreform III. Die meisten Stimmbürger wissen eigentlich nicht, worüber sie abgestimmt haben. Alle involvierten Parteien wollen nun die erste Partei sein, die die SBI für das Volk definieren und fassbar machen.

Umfrage
Wie stehen Sie zur Selbstbestimmungsinitiative?

Welche Strategien haben die SP und die SVP mit ihren Plakaten gewählt?
Ganz grundsätzlich macht man in einer politischen Kampagne zwei Dinge: Entweder man mobilisiert die eigene Wählerbasis. Dies gelingt meistens dank Emotionen. Man versucht also Leute, die eigentlich schon gleicher Meinung sind, zu aktivieren und sicherzustellen, dass diese auch wirklich an die Urne gehen. Oder man versucht unentschlossene Wähler zu überzeugen. Die SVP ist bei der SBI klar in einer Minderheitenposition. Sie ist die stärkste Partei und Schweizer Meister im Mobilisieren. Ihr Potenzial ist – ausser beim Thema Asyl und Ausländer – aber nur rund 30 Prozent. Für einen Erfolg muss sie mindestens 20 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer zusätzlich zum eigenen Potenzial überzeugen.

Glauben Sie, dass das Plakat der SP die Wähler mobilisieren kann?
Das Nein-Lager ist gross und divers. Die Gegner reichen von Economiesuisse über die Operation Libero bis zur Linken. Es findet eine Arbeitsteilung statt. Die SP arbeitet deshalb mit Emotionen: Sie will ihre eigenen Wähler aufrütteln. Das machen die SP-Werber, indem sie mit den SP-Reizfiguren Erdogan, Trump und Putin die SBI als «Anti-Menschenrechtsinitiative» darstellen.

Das Plakat der SVP ist zurückhaltend, noch nicht einmal das Logo ist aufgedruckt. Weshalb dieser Abstand zum üblichen Stil?
Der Stil der SVP in ihrem Plakat ist in der Tat untypisch. Es geht wie gesagt ums Überzeugen. Auch die Tatsache, dass eine Frau auf dem Plakat zu sehen ist, ist nicht Zufall. In der Vergangenheit konnte die SVP eigentlich nur beim Thema Ausländer eine Mehrheit gewinnen. Bei der SBI wird es schwierig. Ich bezweifle, dass der Problemdruck in der Bevölkerung hier genug gross ist.

Die Strategien der beiden Parteien tönen demnach sinnvoll. Haben Sie eine erfolgsversprechende Kampagne gestartet?
Die Plakate sind handwerklich nicht schlecht gemacht. Die SVP hat mit ihrem Youtube-Video aber eine Chance verpasst. Das Video kommuniziert eigentlich die gleiche Botschaft wie das Plakat, nutzt aber eine andere Symbolik. Bei einem Video muss man seine Message aber nicht so stark einschränken und könnte dem Betrachter mehr Informationen liefern. Wenn ich ein Video extra online schaue, erwarte ich mehr als nur einen 20 Sekunden-Clip. Das Video hätte locker zwei Minuten dauern können.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Wolf am 03.10.2018 14:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    JA zur SVP Initiative!

    Unsere Selbstbestimmung, hat uns die Stabilität und Sicherheit gegeben, die uns Aufträge aus aller Welt bescheren liess. Wir haben das Privileg, selber über unser Land entscheiden zu können, was unbezahlbar ist. Ich habe Familienangehörige in der EU, in Holland. Diese beneiden mich jedes Mal wenn ich sie besuchen gehe. Die Schweiz, Eines der wenigen Länder dieser Welt, wo direkte Demokratie gepflegt wird. Nie werde ich meine Stimme an fremde Richter und EU Funktionäre verschenken, um sie nicht wieder zu erhalten. Niemand soll über die Schweiz regieren, als wir selbst!

    einklappen einklappen
  • Lisa am 03.10.2018 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    JA

    ich werde sie annehmen. sonst geht mein schönes Land noch weiter bergab... grosse Chance, unsere Demokratie und Eigenständigkeit noch zu retten...

    einklappen einklappen
  • Hey am 03.10.2018 14:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Why?

    Wenn ich Börse, dass die meisten, die Nein stimmen, aus jenen Lagern kommen, die wirtschaftlich und stellenmässig von der Sozialindustrie profitieren, werde ich stutzig. Mir ist klar, dass die großen Wirtschaftsförderer und reichen Bosse, unbedingt Richtung EU gehen möchten und Angst um Ihren Geldbeutel haben. Auch die Absichten und Profite der Linken sind mir klar. Aber warum sollte das restliche Volk ein Interesse an fremden Richtern haben?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Agent-Orange am 04.10.2018 12:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hmm....

    Die Initiative verlangt "nur", dass die Bundesverfassung über nicht zwingendem Völkerrecht steht. Haben die Gegner wirklich das Gefühl, dass bei einer Annahme Leute systematisch unterdrückt und gefoltert werden? Wenn ich lese, dass Extremisten nicht ausgeschafft werden können, weil in ihrer Heimat ein Konflikt herrscht oder man mit Verfolgung rechnen muss, finde ich das einfach eine Schweinerei. Kann doch nicht sein, dass man nach einer Ideologie lebt, welche komplett gegen die Prinzipien unseres Rechtsstaates sind und sogar die innere Sicherheit gefährdet. Wird man dann genau wegen dieser Ideologie erwischt und vor Gericht gestellt, macht man dann auf armes Lämmchen. Wenn wir dann doch eine solche Person ausweisen kommt am Schluss noch der EuGH und widerspricht unseren Gerichten. Wir sind in gewissen Fällen viel zu Gutmütig diesbezüglich und genau diese Gütmütigkeit wird schamlos ausgenutzt.

  • Daisydream am 04.10.2018 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein deutliches Ja

    Eigenständigkeit und Selbstbestimmung haben doch bisher gut funktioniert. Warum will man das jetzt verschenken. Ich gebe meine Stimme doch keiner Partei, die nur ihre Sozialindustrie retten will. Von mir ein klares Ja.

  • Der Luchs am 04.10.2018 11:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Gegner...

    ...können sich die Arbeit teilen wie sie wollen: Am Ende schreibe ich ein klares JA auf den Stimmzettel. Auch wenn ich am Schluss der Einzige in diesem Land sein sollte.

  • Emanuel am 04.10.2018 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    Dem Volke die Macht.

    Das Volk ist unbestechlich. Das Parlament ist bestechlich, z.B. durch VR-Mandate und Aufgaben für NGOs. Das Volk besteht aus Menschen, deren Rechte auch Menschenrechte sind. Das EMRK will alleine für Menschen Rechte machen und das Volk entmachten. Wer kontrolliert eigentlich das EMRK? Gott? oder sind das vielleicht schon Götter? Die Politik soll das Volk achten, wie im 1. und 2 Weltkrieg, wo das Parlament sich nicht getraut hat, sich für eine Seite zu entscheiden und neutral geblieben ist. Es bekommt der Schweiz gut, dem Volke die Macht zu lassen.

  • Simon am 04.10.2018 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz klar Nein

    Mehr gibt es dazu nichts zu sagen und die Mehrheit des Volkes wird das auch erkennen.