Fasten

20. Mai 2019 10:23; Akt: 20.05.2019 14:28 Print

Auch nichtmuslimische Schüler machen Ramadan

Muslimische Schüler würden auch Nichtmuslime zum Fasten anstacheln, sagen Lehrer. Noch sieht der Lehrerverband keinen Handlungsbedarf.

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Noch bis zum 4. Juni fasten Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang und verzichten währenddessen aufs Essen und Trinken. Obwohl erst Jugendliche ab dem Pubertätsalter zum Fasten angehalten sind, nehmen auch vielerorts Kinder teil. So etwa in der Winterthurer Primarschule Laubegg, wo der Anteil an muslimischen Kindern «recht hoch» sei, wie die Lehrerin Arlinda Dauti im Magazin des Zürcher Lehrerverbands ZLV bestätigt. «Bei meiner letzten Sechsten habe ich beobachtet, dass die Kinder der Klasse sich gegenseitig zum Fasten motivierten.» Das habe dazu geführt, dass auch nichtmuslimische Kinder schliesslich aufhörten zu essen und zu trinken. Für Muris Begovic, islamischer Seelsorger und Sekretär des Verbands islamischer Organisationen des Kantons Zürich (VIOZ), ist der Gruppendruck, den er unter Kindern beobachtet, problematisch. «Gerade Kinder aus Familien, in denen das Fasten nicht selbstverständlich gelebt wird, fühlen sich durch Freunde unter Druck gesetzt und neigen teilweise dazu, es mit dem Fasten zu übertreiben.», Dass das Fasten auch bei nichtmuslimischen Schülern zum Thema werden kann, bestätigt Franziska Peterhans, Zentralsekretärin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz. «Sei es wegen des Aussehens oder weil Einstellungen der Familie hinterfragt und gleichaltrige Freunde an Einfluss gewinnen: Das gehört alles zum Weg vom Kindsein zum Erwachsenwerden.» Betreffend erschöpfte und müde Schüler betont sie aber, dass Dispensationen von ganzen Unterrichtssequenzen wie Schwimmen, Sport oder Lagern nicht möglich seien. «Die Schulpflicht hat gegenüber religiösen Vorschriften Vorrang.»

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Noch bis zum 4. Juni verzichten Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Essen und Trinken. Obwohl erst Jugendliche ab dem Pubertätsalter zum Fasten angehalten sind, nehmen auch vielerorts Kinder teil. So etwa in der Winterthurer Primarschule Laubegg, wo der Anteil an muslimischen Kindern «recht hoch» sei, wie die Lehrerin Arlinda Dauti im Magazin des Zürcher Lehrerverbands ZLV sagt.

«Bei meiner letzten 6. Klasse habe ich beobachtet, dass die Kinder der Klasse sich gegenseitig zum Fasten motivierten.» Das habe dazu geführt, dass auch nichtmuslimische Kinder schliesslich zu essen und zu trinken aufhörten. Dadurch seien viele Kinder nachmittags oft sehr müde geworden. «Und auch im Sportunterricht musste ich teilweise auf die Kinder Rücksicht nehmen, weil sie nicht wie gewohnt leistungsfähig waren», sagt Dauti im Magazin weiter.

Schulpflicht hat Vorrang

Dass das Fasten auch bei nichtmuslimischen Schülern zum Thema werden kann, bestätigt Franziska Peterhans, Zentralsekretärin des Schweizer Lehrerverbands. «Sei es wegen des Aussehens oder weil Einstellungen der Familie hinterfragt und gleichaltrige Freunde an Einfluss gewinnen: Das gehört alles zum Weg vom Kindsein zum Erwachsenwerden.» Gruppendruck werde jedoch von den Lehrpersonen immer wieder thematisiert, um Auswege zu finden.

Auch Peterhans hat bereits davon gehört, dass sogar nichtmuslimische Schüler dazu gebracht wurden, beim Fasten mitzumachen. Eltern sollten sich aber an die Lehrperson wenden, wenn sie das Gefühl hätten, ihr Kind leide unter Gruppendruck. Denn auch auf den Schulunterricht habe das Fasten grossen Einfluss. Dispensationen von ganzen Unterrichtssequenzen wie Schwimmen, Sport oder Lagern sei für die durch den Ramadan fastenden Schüler trotzdem nicht möglich. «Die Schulpflicht hat gegenüber religiösen Vorschriften Vorrang.»

Beat W. Zemp, Präsident des Lehrerverbands sagt, wie bei anderen Themen wegen Kleidern oder Handymodellen könne der Gruppendruck auch beim Thema «Fasten im Ramadan» dazu führen, dass sich einzelne Schüler dazu gedrängt fühlten. Das werde aber erst dann zum Problem, wenn nicht fastende Schüler gemobbt würden. Wenn Schüler aus religiösen Gründen fasten wollten, müsse das gemäss der Bundesverfassung respektivert werden. Spezielle Dispensen gebe es deswegen aber nicht.

«Das Fasten wird zum Hungern»

Auch für Muris Begovic, muslimischer Seelsorger und Sekretär des Verbands islamischer Organisationen im Kanton Zürich (VIOZ), ist der Gruppendruck, den er unter Kindern beobachtet, problematisch. «Gerade Kinder aus Familien, in denen das Fasten nicht selbstverständlich gelebt wird, fühlen sich durch Freunde unter Druck gesetzt und neigen teilweise dazu, es mit dem Fasten zu übertreiben», sagt Begovic.

Weil diese Kinder von zu Hause nicht auf den Ramadan vorbereitet seien, seien sie mental nicht gestärkt, so Begovic. «Das Fasten wird zum Hungern.» Die meisten muslimischen Familien pflegten aber einen vernünftigen Umgang mit dem Ramadan. «Ihre Motivation zu fasten ist anderswo zu finden.»

(dk)