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31. Januar 2019 05:42; Akt: 31.01.2019 05:42 Print

«Schüler werden zu wenig auf Jobwahl vorbereitet»

Schüler später einschulen, damit sie bei der Berufswahl reifer sind? Das ist laut Experten der falsche Ansatz.

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Kinder im Kanton Nidwalden sollen beim Schuleintritt älter sein. Der Regierungsrat will das Schuleintrittsalter heraufsetzen und dazu das Stichdatum um vier Monate vorziehen. Man verspreche sich davon reifere Jugendliche am Ende der Schulzeit, schreibt die Nidwaldner Regierung. Sie gibt den Gesetzesentwurf nun in die Vernehmlassung.

Heute sind die jüngsten Kinder beim Schuleintritt in Nidwalden sechs und beim Austritt 15 und 16 Jahre alt. Schon mit 14 Jahren müssen sie deshalb teilweise entscheiden, wohin ihr Berufsweg gehen soll. Laut der Bildungsdirektion und dem Lehrerverband Nidwalden sind vermehrt Jugendliche am Ende der obligatorischen Schulzeit nicht bereit für einen Entscheid über ihre weitere Ausbildung oder den Einstieg in eine Berufslehre.

«Die Schüler sind zunehmend überfordert»

Jugendpsychologe Philipp Ramming kann das Problem gut verstehen. «Heutzutage gibt es auf dem Lehrstellenmarkt so viele Optionen. Man wird nicht einfach Bauer, Bäcker oder Elektriker, sondern hat Hunderte Berufe zur Auswahl. Die Schüler sind zunehmend überfordert und können sich gar nicht vorstellen, was man in diesen Berufen konkret macht.» Die Kinder später einzuschulen, sei aber die falsche Lösung. «Ich bezweifle, dass diese paar Monate einen Unterschied in der Reife der Schüler machen.»

Sinnvoll sei es, den Schülern während dem Unterricht mehr Zeit für die Berufswahl zu geben und einen Lehrstellenwechsel einfacher zu gestalten. Weil die Schüler unsicher seien, würden sie oft den Ratschlag anderer befolgen. «Die Gefahr ist, dass die Jugendlichen einfach das machen, was die Eltern von ihnen erwarten oder einen Beruf wählen, der im Freundeskreis gerade als besonders cool gilt. Ob man sich wirklich für diesen Beruf eignet und Freude daran hat, wird zweitrangig.»

«Berufliche Orientierung ist neu verbindlich»

Auch Lehrerin Karin Meister stellt bei ihren Schülern fest, dass diese oft nicht genug Zeit für die Berufswahl haben. «Neben Schule, Hausaufgaben und dem Lernen für Prüfungen wird die Lehrstellensuche den Schülern noch zusätzlich aufgehalst. Das ist ein enormer Leistungsdruck.» Sie hat darum das Betreuungsangebot «Zukunftsjahr» für Jugendliche ab der Oberstufe lanciert. Das kostenpflichtige Programm in Zürich ermöglicht es den Jugendlichen, eine Pause zu machen.

Das sogenannte «Sabbatical für Jugendliche» könne individuell gestaltet werden: «Man kann herausfinden, was man im Leben machen will, ohne dass man sich ums Lernen, Prüfungen und Zeugnisse sorgen muss.» Das könne bedeuten, eigene Ideen auszuprobieren, etwa ein handwerkliches Projekt umzusetzen oder eine Website zu programmieren. «Oder man kann einfach mal zurücklehnen und sich fragen: Was würde ich jetzt am liebsten machen?»

Lehrerverbandspräsident Beat W. Zemp teilt diese Sicht nicht. Die Schule bereite die Schüler genügend auf die Berufswelt vor, sagt er. «Im Lehrplan 21 ist die berufliche Orientierung erstmals verbindlich verankert.» Eine generelle Unreife habe man nicht festgestellt – «sonst würde es in anderen Kantonen ähnliche Bestrebungen geben». Dem Kanton Nidwalden stehe es aber frei, das Stichdatum zu ändern, da er das Harmos-Konkordat nicht unterschrieben habe.

(the)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • RS am 31.01.2019 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...dann halt erst die Matur... Eine ganz schlechte

    Genau so ist es... Aus dieser Ratlosigkeit wählen dann viele Jugendliche den Weg ans Gymnasium und stehen mit der Matur in der Tasche immer noch Ratlos da...

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  • Peter M am 31.01.2019 07:20 Report Diesen Beitrag melden

    Erziehungsmethode ist schuld

    Das Problem ist nicht der Schüler sonder deren Erziehung. Ich musste auch damals schon mit 14 die ersten Schnuppertage machen, mit 15 Bewerben und mit 16 Lehre gestartet. Das ist schon seit eh und je so. Das Problem ist eben, dass Schüler von heute keine Selbstverantwortung mehr kennen. Ihnen wird heute alles vor den Schoss gelegt. Vielleicht sollte man unser Erziehungsmodell nochmals überdenken.

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  • Donna M. am 31.01.2019 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schule

    Wir wurden mit 7 eingeschult. Damals mussten wir am Sa. Morgen auch noch in die Schule. Mit 15-Jahren kamen wir raus. Machten eine Ausbildung. Das erstaunliche daran ist, wir haben es trotzdem geschafft.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Anderegg am 31.01.2019 19:49 Report Diesen Beitrag melden

    Spätere Berufswahl

    Nicht später einschulen, spätere Bewerbungstermine für Lehrstellen - nach den Gymiprüfungen! Peter Anderegg, ehemaliger Berufsbildner

  • Kenny K. am 31.01.2019 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sich selber Kunden generieren

    Dass die Dame der Meinung ist, dass man für die Lehrstellenplanung mehr Zeit braucht, ist nachvollziehbar. Schliesslich hat sie sich ein Geschäftsmodell dazu überlegt. Letztlich ist es auch nicht mehr als das sogenannte 10. Schuljahr, das in vielen Kantonen abgeboten wird. Meist für Schüler, die bei der Lehrstellensuche nicht erfolgreich waren und nicht, weil sie nicht wussten, auf welche Lehrstelle sie sich bewerben sollen.

  • Heini am 31.01.2019 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    Mangelhafter Standart

    Fast jeder Beruf kann befriedigend sein. Traurige Wirklichkeit ist aber, dass die meisten der Lehrbetriebe nicht fit sind, jemanden auszubilden. Psychopathen Chefs, mangelnde Betreuung und Respekt, geringer Lohn etc. Ja, ja, Lehrjahre sind keine Herrenjahre wie man so schön sagt, aber so manch einer wäre mit dem Lehrberuf ansich zufrieden, wenn nur der Rest stimmen würde. Ich kenne niemanden der jetzt noch in seinem Lehrberuf arbeitet.

  • Möni am 31.01.2019 16:14 Report Diesen Beitrag melden

    so ging das damals

    Bei mir war es so. Überhaupt keine Vorbereitung auf ein Berufsleben in der Schule. Aber.... als ich an einem normalen Schultag zum Mittag nach Hause kam sagte mir meine Mutter, dass ich gleich nach Schulabschluss bei einer Firma eine Lehre anfangen könnte. Ich hatte bei der Berufswahl meiner Mutter, Filmdruckerin" keine Ahnung um was es ging. was blieb mir anderes übrig!?

  • Agnes am 31.01.2019 15:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War es früher anders?

    Es ist wohl für die Meisten zu früh, den 'Traumberuf' mit fünfzehn zu erkennen oder zu ergreifen. Das System gibt einem aber die Chance, später noch den 'richtigen' Weg einschlagen zu können. Was früher ging, sollte doch auch für unsere Jungen in der heutigen Zeit möglich sein, oder?!