Landwirtschaft

13. Juli 2017 09:52; Akt: 13.07.2017 09:52 Print

«Schüler wissen nicht, was Schnittlauch ist»

Woher kommt die Milch? Was ist Schnittlauch oder Knoblauch? Viele Schüler können diese Fragen gar nicht oder nur unzureichend beantworten.

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Wissen die Kinder noch, woher ihr Essen kommt? Eine Umfrage bei Betrieben, die am Projekt «Schule auf dem Bauernhof» teilnehmen, zeigt: Für viele Kinder ist unklar, wie die Lebensmittel produziert werden. «Für viele Schüler kommt die Milch tatsächlich aus dem Tetra-Pack», erzählt Bio-Bäuerin Claudia Müller aus Uetikon, die auf ihrem Hof vor allem Unterstufenschüler empfängt. (Symbolbild) Und auch der Alltag auf dem Bauernhof überrasche viele Kinder: «Wenn wir mit den Kindern die Kühe beobachten und eine auf den Boden ‹bislet›, herrscht sofort eine riesige Aufregung.» (Symbolbild) Und um das Wissen, was aus der Milch hergestellt wird, steht es nicht besser. «Auf die Frage, was man aus Milch herstellen kann, antworten die meisten: Schoggi oder Glace.» Käse oder Rahm würden kaum genannt. Martina Schmid vom Verein Agro-Image ergänzt: «Bei einem Bauernhofbesuch wunderte sich ein Jugendlicher, dass die Milch warm aus dem Euter kommt.» Doch nicht nur Unterstufen- und Mittelstufenschüler verfügen über ein geringes Wissen, was die Landwirtschaft und die Herkunft von Lebensmitteln angeht. Eine Hauswirtschaftslehrerin sagt zu 20 Minuten: «Manche Sekundarschüler wissen nicht, was Schnittlauch oder eine Knoblauchzehe ist.» Um die Wissenslücken zu schliessen, forderte unlängst SP-Nationalrat Beat Jans, dass die Schulbesuche auf dem Bauernhof stärker gefördert werden. Dazu soll ein grösserer Teil der 60 Millionen Franken, die der Bund jährlich für die Vermarktung von landwirtschaftlichen Produkten aufwirft, in das Projekt «Schule auf dem Bauernhof» fliessen. Markus Rediger, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Informationsdienstes (LID), der auch «Schule auf dem Bauernhof» koordiniert, anerkennt zwar die Notwendigkeit des Vorschlags. Eine vollständige Umlenkung der Gelder lehnt er jedoch ab: «Es braucht beides: die Bekanntmachung der einheimischen Produkte und die Informationsarbeit an den Schulen.»

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Zwar ist die Landwirtschaft in der kleinteiligen Schweiz im Vergleich zu den USA in der Öffentlichkeit eher noch sichtbar. Aber auch viele Schweizer wissen nur wenig darüber, woher ihr Essen stammt. Das bekommen besonders Bauernbetriebe, die am Projekt «Schule auf dem Bauernhof» teilnehmen, zu spüren. Mit dem Projekt erhalten Schulklassen die Möglichkeit, hinter die Kulissen eines Bauernhofs zu schauen.

«Für viele Schüler kommt die Milch aus dem Tetra-Pack»

Bio-Bäuerin Claudia Müller, die auf ihrem Hof in Uetikon Unterstufen- bis Mittelstufenschüler empfängt, ist «immer wieder erstaunt», wie wenig die Schüler über den bäuerlichen Alltag und die Herkunft der Lebensmittel wissen. «Für viele Schüler kommt die Milch tatsächlich aus dem Tetra-Pack.» Und auch der Alltag auf dem Bauernhof überrasche viele Kinder: «Wenn wir mit den Kindern die Kühe beobachten und eine auf den Boden ‹bislet›, herrscht sofort eine riesige Aufregung.» Müller: «Daraus schliesse ich, dass sie noch nie einer Kuh begegnet sind.»

Und um das Wissen, was aus der Milch hergestellt wird, steht es nicht besser. «Auf die Frage, was man aus Milch herstellen kann, antworten die meisten: Schoggi oder Glace.» Käse, Joghurt kämen erst an zweiter Stelle. Martina Schmid vom Verein Agro-Image ergänzt: «Bei einem Bauernhofbesuch wunderte sich ein Jugendlicher, dass die Milch warm aus dem Euter kommt.»

Sekundarschüler haben Mühe, Gemüse zu benennen

Doch nicht nur Unterstufen- und Mittelstufenschüler verfügen über ein geringes Wissen, was die Landwirtschaft und die Herkunft von Lebensmitteln angeht. Eine Hauswirtschaftslehrerin sagt zu 20 Minuten: «Manche Sekundarschüler wissen nicht, was Schnittlauch oder eine Knoblauchzehe ist.» Andere wunderten sich, warum die Milch auch nach minutenlangem Schlagen nicht zu Rahm werde.

Bäuerin Gabi Caretta, die auch schon Sekschüler durch ihren Betrieb in Kilchberg geführt hat, sagt: «Viele kennen nur das Gemüse, das zu Hause auf den Tisch kommt.» Deshalb sei es nicht verwunderlich, wenn gewisse Gemüsesorten, die die Eltern nie kauften, den Jungen kein Begriff mehr sind. Grundsätzlich seien die Schüler, die ihren Hof besuchten, aber gut informiert. Dabei handelt es sich vorwiegend um Unterstufenschüler. «Die Lehrer thematisieren die Landwirtschaft meist vor dem Hofbesuch, somit sind die Schüler gut vorbereitet.»

Um die Wissenslücken zu schliessen, forderte unlängst SP-Nationalrat Beat Jans, dass die Schulbesuche auf dem Bauernhof stärker gefördert werden. Dazu soll ein grösserer Teil der 60 Millionen Franken, die der der Bund jährlich für die Vermarktung von landwirtschaftlichen Produkten aufwirft, in das Projekt «Schule auf dem Bauernhof» fliessen. Damit sollen «möglichst alle Kinder in der Schweiz die Produktion von Lebensmitteln kennen lernen».

Braucht es mehr Geld für die «Schule auf dem Bauernhof»?

Markus Rediger, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Informationsdienstes (LID), der auch «Schule auf dem Bauernhof» koordiniert, anerkennt die Notwendigkeit des Vorschlags. «Immer mehr Höfe müssen schliessen, das führt dazu, dass auch die Bevölkerung weniger in Kontakt mit den Bauern kommt und somit das Wissen über die Herkunft der Lebensmittel abnimmt.»

Eine vollständige Umlenkung der Gelder aus der Absatz- und Verkaufsförderung in die «Schule auf dem Bauernhof»-Projekte lehnt er jedoch ab: «Es braucht beides: die Bekanntmachung der einheimischen Produkte und die Informationsarbeit an den Schulen.» Laut dem LID wären vier bis fünf Millionen Franken nötig, um jedem Schulkind den Besuch auf dem Bauernhof zu ermöglichen.

Für Rediger ist aber klar: «Diese Vision muss aus dem Engagement von Betrieben und Schulen wachsen und kann nicht mit ein paar Millionen Franken auf einen Schlag realisiert werden.»

(pam/daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ali ben Schniggelau am 13.07.2017 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsache, sie wissen was ein Handy ist

    Alles andere kann man ja bei Bedarf 'Googeln'.

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  • Pia. am 13.07.2017 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    Idiocracy

    Wir steuern direkt darauf zu, oder sind teilweise bereits schon da angelangt...

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  • Sandro am 13.07.2017 10:03 Report Diesen Beitrag melden

    Verwundert mich nicht

    Verwundert mich wirklich nicht. Man steht ja lieber mit dem Auto im Stau richtig DE, anstatt man mit den Kids einen richtigen Ausflug macht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Denker am 14.07.2017 18:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mich würde mal interessieren

    was passieren würde, wenn man vor jedem Schuljahr die Kinder auf ihre Schulreife hin testen würde und gewisse Voraussetzungen punkto Wissen und Reife von der Erziehung her verlangen würde. Da hätten wir wohl plötzlich 25 jährige Oberstufenschüler und 15 Jährige Erstklässler....!

  • Guguus am 14.07.2017 18:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht weiter schlimm...!

    War immer so. Das ist ein Stadt/Agglo Problem.

  • Jeffrey Spector am 14.07.2017 13:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umfrage in Zürich

    Bin nicht verwundert. Facebook, Snapchat, Twitter, Fastfood aber null Allgemeinwissen. Dazu noch Umfrage in RegionZürich, wo der durchschnittliche IQ der Teenies eh nur knapp über der Zimmertemperatur liegt.

  • Don Toscani am 14.07.2017 08:19 Report Diesen Beitrag melden

    Kaum zu Glauben man !!

    Aber da wirst sicher nur aus der Büchse Gekocht man sonst ist das doch nicht möglich !!! kann ich mir kaum Vorstellen das die Jungen Leute Denken das Schweine Herumfliegen und die Hühner Milch geben ;-)

  • So.p am 14.07.2017 08:18 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Traurig aber wahre Geschichte, ein Kind wusste nicht das Kühe eigentlich Hörner haben.