Militär-Experte

22. Juni 2010 22:40; Akt: 22.06.2010 22:19 Print

«Schweiz braucht neue Eliteeinheit»

von Lorenz Hanselmann - Ein militärischer Einsatz der Schweizer Armee in Libyen hätte im Fiasko geendet, glaubt Militärexperte Albert Stahel. Er fordert eine neue Elite-Spezialeinheit.

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Ein Befreiungseinsatz der Eliteeinheit AAD10 in Libyen wäre laut Militärexperte Albert Stahel (kl. Bild) deutlich fehlgeschlagen. Bei einem Einsatz in Tripolis (rechtes Bild) hätte auch die Schweizer Botschaft evakuiert werden müssen.

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«Keine Schweizer Einheit ist heute fähig, Geiseln aus Staaten wie Libyen zu befreien», sagt Militärexperte Albert Stahel. Er bezieht sich auf die ­bekannt gewordenen Pläne des Bundes: Dieser stand offenbar zweimal kurz davor, Max Göldi und Rachid Ham­dani durch die Eliteeinheit AAD10 aus der Botschaft in Libyen zu befreien (siehe Info-Box).

«Für eine solche Operation braucht es neue Kommando-Spezialkräfte», so Stahel. Er denkt an 50 bis 100 Mann, die auf Knopfdruck einsatzbereit wären und mit Transportflugzeugen und Helikoptern ausgestattet würden. Die bereits bestehenden Eliteeinheiten wie Tigris, die militärische Sicherheit oder das AAD10 sollen in dieser Kommando-Spezialeinheit aufgelöst werden. Vorbild ist das US Special Operation Command, das die Special Forces von Navy, Air Force und Marines vereint. Stahel: «So wären wir bereit, wenn der nächste Gaddafi kommt.»

Auch Sicherheitspolitiker glauben, dass dem AAD10 die Libyen-Operation misslungen wäre. «Ausserhalb Europas kann das AAD10 ohne fremde Hilfe keine Einsätze durch­führen», sagt FDP-Nationalrat Peter Malama. Die Truppe sei zwar grundsätzlich fähig für solche Operationen, ihr fehlten aber die logistischen Mittel. Die Beschaffung von Transportflugzeugen und -helikoptern hat laut SVP-Sicherheitspolitiker Roland Borer politisch aber keine Chance. Klar gegen eine Elitetruppe ist Armee-Experte Beni Gafner: «So ein Instrument in der Hand von naiven Politikern ist gefährlich. Am sichersten wäre es, wenn auch das AAD10 aufgelöst würde.»