Bedrohte Tiere

14. Dezember 2016 15:40; Akt: 15.12.2016 01:13 Print

«Schweiz darf nicht zur Schmuggel-Insel werden»

Mit härteren Strafen wollen Politiker Tierschmuggler härter anfassen. Das sei nötig, damit die Schweiz nicht zur Drehscheibe illegaler Aktivitäten werde.

Bildstrecke im Grossformat »
Geschnitzte Stosszähne von Elefanten gelten in vielen asiatischen Ländern als Ausdruck von Luxus und Prestige. Als Beweis für Macht und Erfolg gilt auch der Konsum von «Nashornwein»: Das Horn des Tieres wird in Mühlen zerrieben, mit Reiswein vermischt und als «Partydroge» konsumiert Der illegale Handel betrifft auch die Schweiz: Letztes Jahr gingen den Schweizer Zollfahndern 708 illegale Sendungen mit geschützten Tier- und Pflanzenarten ins Netz. Zu den geschützten Tieren gehört auch das afrikanische Schuppentier. Dieses Exemplar wurde 2013 von der Zollfahndung am Flughafen Zürich konfisziert. In der Schweiz sind die Strafen für den Schmuggel geschützter Tiere und Pflanzen ein Vergehen, das mit Bussen von mindestens 500 Franken bestraft wird. In schweren Fällen, etwa bei bandenmässigem Handel, droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. CVP-Nationalrat Guillaume Barazzone will das ändern. Auch der Ständerat will nun Schmuggler, die geschützte Tiere und Pflanzen handeln, härter anfassen und stimmte der Motion von Barazzone zu. Bandenmässiger Handel soll demnach nicht mehr als Vergehen, sondern als Verbrechen gelten und härter bestraft werden. (Bild: Ausgestopfte Kobras und Wildkatzen) «Es besteht das Risiko, dass sich Schmugglerringe hier breitmachen und die Schweiz aufgrund ihrer zu laschen Gesetze zu einem Zentrum des internationalen Handels mit geschützten Tierarten wird», sagt Barazzone. Für die Umsetzung seiner Motion fordert er, dass Schmuggler, die im grossen Stil handeln, zehn Jahre ins Gefängnis müssen. (Bild: Asiatischer Schlangenschnaps mit eingelegten Schlangen und Skorpionen.) Auch SP-Nationalrat Matthias Aebischer zeigt sich erfreut über den Entscheid des Ständerats. «Nach dem Finanzplatz und dem Kunsthandel wird nun endlich auch der illegale Tierhandel reguliert.» Gemäss Schätzungen des WWF setzen Schmugglerbanden mit dem Handel geschützten Tier- und Pflanzenarten zehn bis 20 Milliarden Dollar jährlich um. Bei den Schmuggelmethoden bedienen sie sich ausgefallener Tricks: Dieser Kaiman hatte sich der Schmuggler auf die Brust geklebt. SVP-Nationalrat Felix Müri kann der Verschärfung gegen den Tierschmuggel wenig abgewinnen: «Ich habe keine Angst, dass die Schweiz zur Drehscheibe des illegalen Tierhandels wird.» Denn der Zoll kontrolliere bereits sehr intensiv. «Wer das Problem wirklich bekämpfen will, der muss die bedrohten Arten direkt vor Ort schützen.» Man werde den Gesetzesentwurf, den der Bundesrat jetzt ausarbeitet, kritisch prüfen. Bruno Mainini, stellvertretender Leiter Artenschutz beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit, stellt fest, dass die Routen für illegalen Handel sich rasch ändern können.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Alle 24 Minuten erlegen Wilderer einen afrikanischen Elefanten wegen seiner Stosszähne, die in asiatischen Ländern als Zeichen für Luxus und Prestige gelten. Als Beweis für Macht und Erfolg gilt auch der Konsum von «Nashornwein»: Das Horn des Tieres wird in Mühlen zerrieben, mit Reiswein vermischt und als «Partydroge» konsumiert. Und beim Festschmaus beliebt sind die Schuppen von Gürteltieren, deren Hornschuppen Wunderkräfte entfalten sollen.

Umfrage
Soll Tierschmuggel härter bestraft werden?
76 %
5 %
19 %
Insgesamt 874 Teilnehmer

Das Geschäft mit dem Handel geschützter Tiere und Pflanzen ist lukrativ: 10 bis 20 Milliarden Dollar setzen Schmugglerbanden laut Schätzungen des WWF jährlich um. Ein Teil davon landet auch in der Schweiz: 2015 gingen den Zollfahndern 708 illegale Sendungen ins Netz – darunter auch sogenanntes Bushmeat, etwa getrocknete Affen.

In der Schweiz sind die Strafen für den Schmuggel geschützter Tiere und Pflanzen ein Vergehen, das mit Bussen von mindestens 500 Franken bestraft wird. In schweren Fällen, etwa bei organisiertem Handel, droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

Ständerat geschlossen für höhere Strafen

Dieses Strafmass geht nun auch dem Ständerat zu wenig weit: Eine Mehrheit sprach sich wie schon der Nationalrat am Dienstag für eine Motion aus, die den bandenmässigen Handel als Verbrechen einstufen und härter bestrafen will. Zudem sollen auch die Bussen erhöht werden.

Mit seiner Forderung hofft Motionär und CVP-Nationalrat Guillaume Barazzone auf eine «abschreckende Wirkung»: «Die Schweiz darf nicht zur Tierschmuggel-Insel Europas werden.» Denn laut Barazzone seien in allen anderen europäischen Ländern deutlich höhere Bussen und Gefängnisstrafen üblich.

Schmuggler sollen zehn Jahre ins Gefängnis

«Es besteht das Risiko, dass sich Schmugglerringe hier breitmachen und die Schweiz aufgrund ihrer zu laschen Gesetze zu einem Zentrum des internationalen Handels mit geschützten Tierarten wird», sagt Barazzone. Für die Umsetzung seiner Motion fordert er, dass Schmuggler, die im grossen Stil handeln, zehn Jahre ins Gefängnis müssen.

Auch SP-Nationalrat Matthias Aebischer zeigt sich erfreut über den Entscheid des Ständerats. «Nach dem Finanzplatz und dem Kunsthandel wird nun endlich auch der illegale Tierhandel reguliert.» Damit die höheren Strafen auch greifen könnten, müssten gleichzeitig auch die Zollkontrollen intensiviert werden. «Da müssen wir bei der Umsetzung den Finger draufhalten», sagt Aebischer.

Während der Entscheid im Ständerat oppositionslos fiel, stimmte im Nationalrat die SVP noch geschlossen dagegen. Nationalrat Felix Müri sagt: «Ich habe keine Angst, dass die Schweiz zur Drehscheibe des illegalen Tierhandels wird.» Denn der Zoll kontrolliere bereits sehr intensiv. «Wer das Problem wirklich bekämpfen will, der muss die bedrohten Arten direkt vor Ort schützen.» Man werde den Gesetzesentwurf, den der Bundesrat jetzt ausarbeitet, kritisch prüfen.

Härtere Strafen hätten eine Signalwirkung

Bruno Mainini, stellvertretender Leiter Artenschutz beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit, relativiert die Zahl der illegalen Schmuggel-Aktivitäten in der Schweiz. «Die meisten beschlagnahmten Tiere sind beispielsweise Papageien oder Schlangen, die sich Sammler im Ausland geholt hatten.» Doch es sei schon spürbar, dass sich die Routen für den illegalen Handel auch rasch ändern können.

«Früher hätten wir Elfenbeinschmuggel über Europa nach Asien ausgeschlossen, bis letzten August 260 Kilogramm Elfenbein im Transitbereich des Flughafens Zürich entdeckt wurden», sagt Mainini. Vor diesem Hintergrund könnten härtere Strafen eine Signalwirkung haben: «Schmugglerbanden überlegen sich genau, in welchen Ländern sie nicht erwischt werden oder wo Tierschmuggel als Kavaliersdelikt gilt.»

(pam)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • I.R am 14.12.2016 16:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abschreckung

    Es wird Zeit, dass diesbezüglich etwas unternommen wird. Nur befürchte ich , dass mit unserer Kuschelpolitik Täter wieder aus obskuren Gründen ( schlechte Kindheit, Trauma etc.) gehätschelt werden. Siehe bei Drogenvergehen . Ja, ich hoffe sehr, dass mit strengeren Strafen das eventuelle Täter abschreckt.

  • Remo am 14.12.2016 17:27 Report Diesen Beitrag melden

    Süss die Politiker

    Massenhaft Einfuhr von Quälpelzen, damit ja auch jeder Teenie mit einem Fellkragen rumlaufen kann, wird weiterhin erlaubt.

    einklappen einklappen
  • Timi am 14.12.2016 17:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Wolf

    Da kommt mir gleich der Wolf oder Bär in den Sinn. Wir empören uns, wenn wo anders bedrohte Arten gewildert werden, aber bei uns wird der einst heimische Wolf oder Bär geschossen, sobald er wo auftaucht. Wir sind die besten, denn jedes Mal rotten wir sie aus, aber sie kommen wieder, wir rotten sie wieder aus, sie kommen wieder, usw... Heuchlerisch. Auf die Anderen zeigen, das können wir Schweizer.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mary J. am 15.12.2016 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich wird auch gehandelt!

    Da gab es mal eine sinnvolle Initiative vom Tierschutz-Anwalt, welcher uns eigentlich nichts gekostet hätte, gerade mal 1 CHF pro Einwohner und Jahr... und wer hat mit Unwahrheiten dagegen angekämpft?? DIE SVP!! Das weil ihre Klientel Bauern sind die oft das TSG nicht sehr genau nehmen, was dieses Jahr einige Fälle belegt haben!!! Leider hapert es auch an der Umsetzung, die Gerichte sind zu lasch, Vetterliwirtschaft beeinflussen viele Urteile, das muss ein Ende haben!!!

  • Brei Bleiben am 15.12.2016 08:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie dreckig ist zu dreckig?

    Die SVP hat sich schon gegen ein Einfuhrverbot von Robbenfellen gewehrt, leider mit Erfolg, nun greifen sie noch den Schmugglern unter die Arme. Das ist eine bodenlose Frechheit!

    • Mary J. am 15.12.2016 15:39 Report Diesen Beitrag melden

      Leider schon immer so

      Ein wichtiger Punkt den ich bei der SVP kritisieren, sie sperren sich dauernd bei Tierschutz- und Umweltschutz-Fragen!!! Deshalb für mich nie wählbar!!!

    einklappen einklappen
  • Mr. Bull am 15.12.2016 08:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Mensch

    Als ob 10 Jahre in einem schweizer Gefängniss jemanden wirklich abschrecken. Wie währe es Weltweit mit 30 jahren für den konsum oder besitz von bedrohten arten? Mal schauen wieviele Asiaten sich den Mist dann noch kaufen würden. Lebt das Tier auf dem Salat noch???

  • Denkpause am 15.12.2016 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Übel ...

    ... sind die organisierte Kriminalität und das Konsumverhalten vieler Asiaten, die noch immer an die Wirkung dieser tierischen Produkte glauben, und bereit sind, viel Geld dafür zu bezahlen. Solange sich dies nicht ändert, werden diese Waren, egal über welche Länder, weiterhin geschmuggelt.

    • Mary J. am 15.12.2016 15:42 Report Diesen Beitrag melden

      @Denkpause

      Richtig, was geholfen hätte, wäre wenn man alles beschlagnahmte Elfenbein und Horn auf den Markt geworfen hätte, der wäre zusammengebrochen und der Preis im Keller, somit hätten Wilderer keinen Grund mehr! Der WWF macht wichtige Aufklärungsarbeit in Asien, hab gerade einen Bericht darüber gelesen, deshalb sollten wir bei Petitionen mitarbeiten und solche Organisationen unterstützen, denn die sind gross genug um Druck zu machen!

    einklappen einklappen
  • Patrick Chur am 14.12.2016 22:48 Report Diesen Beitrag melden

    Sofort, aber...

    10 Jahre ins Gefängnis. Sofort. Aber dann beim Austritt nicht noch ein Pekulium abkassieren, wie all unsere straffälligen Gäste dies tun. Das sollte dringend geändert werden. Sonst wird die Strafe zur "Belohnung".