12 Punkte für Engelke

27. Mai 2012 15:15; Akt: 27.05.2012 15:34 Print

«Schweiz hat Chance für Kritik verpasst»

von Jessica Pfister - Die deutsche Jury-Chefin Anke Engelke entpuppt sich als eigentlicher Star des Eurovision Song Contests. Für ihre politische Botschaft erntet sie auch in der Schweiz Beifall.

Quelle: Youtube
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Würden beim Eurovision Song Contest auch Punkte für das politische Engagement verteilt, wäre das Verdikt klar: 12 Punkte für Anke Engelke aus Deutschland. Statt auf die Lobhudelei der anderen Ländern einzustimmen, nutzte die Moderatorin die wenigen Sekunden bei der Punktevergabe für eine charmant verpackte Kritik Richtung Aserbaidschan. «Heute Nacht konnte ja niemand für sein eigenes Land abstimmen. Aber es ist gut, abzustimmen, und es ist gut, eine Wahl zu haben», sagte Engelke in der Live-Schalte nach Baku und fügte mahnend an: «Viel Glück auf eurer Reise, Aserbaidschan. Europa behält euch im Auge.»

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Hätte die Schweiz bei der Punktevergabe am Song Contest auch Kritik üben sollen?
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In Deutschland überschlagen sich seitdem die Zeitungen und Internetforen mit Komplimenten zu Engelkes Mut. So titelt der «Spiegel-Online» in Anspielung auf Engelkes frühere TV-Show «Danke Anke». Auch bei der ARD wurden Engelkes kritische Äusserungen begrüsst. «Wir sind das einzige Land gewesen, das in der Show etwas gesagt hat», sagte Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber gegenüber der Nachrichtenagentur dapd.

«Nicht mit Holzhammer einfahren»

Applaus für Engelkes Statements gibt es auch aus der Schweiz. Für Stella Jegher von Amnesty International Schweiz war die Kritik der deutschen Moderatorin perfekt formuliert. Im Zusammenhang mit einem Festakt könne man nicht mit dem Holzhammer einfahren. «Sie hat auf eine sehr subtile Art Parallelen zwischen dem Contest und der politischen Situation gezogen, das war beeindruckend.» Jegher bedauert es, dass die Schweiz diese Chance verpasst hat. «Die Schweiz hätte das Publikum auf eine ähnlich souveräne Art mit den Problemen in Aserbeidschan konfrontiert können.»

Doch davon war die Schweizer Moderatorin Sara Hildebrand am Samstag Abend weit entfernt. Statt Kritik schickte die «Glanz&Gloria»-Frau Handküsschen nach Baku. Laut Schweizer Fernsehen hat sie damit ihre Aufgabe korrekt erfüllt. «Die ESC-Shows sind reine Unterhaltungssendungen und eignen sich nicht für eine ausgewogene Berichterstattung zu politischen Themen», sagt SRF-Sprecher Bernard Strapp am Sonntag gegenüber 20 Minuten Online.

Deutschland weniger abhängig

Anderer Meinung ist der Schweizer Aussenpolitiker Geri Müller (Grüne). «Bei einem solchen Anlass vermischt sich Kultur und Politik automatisch», sagt Müller. So versuche jedes Land - ob nun Aserbeidschan mit dem Song Contest oder die Ukraine mit der EM - sich mit einer Veranstaltung positiv zu verkaufen um von den wahren Problemen abzurücken. Dass sich gerade Deutschland als einziges Land eine politischen Äusserung gewagt hat, überrascht Müller nicht. «Deutschland ist im Gegensatz zu anderen Ländern weniger abhängig von Aserbeidschan.» Für die Schweiz sei das Land in punkto Energieversorgung sehr wichtig. «Da diskutiert es sich weniger leicht über Menschenrechte.»


Zum Vergleich: Die Schweizer Präsentation mit Sara Hildebrand. Quelle: SF-Videoportal

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zero Points am 27.05.2012 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht die Birnen und Äpfel vergleichen

    Ja was kann man denn von einer Glanz und Gloria Moderatorin erwarten? Bitte vergleicht nicht Engelke mit Hildebrand, da sind Welten dazwischen. Engelke ist seit Jahren die beste Comedy-Frau Deutschlands und ist zuweilen auch politisch. Sara Hildebrand dagegen moderiert eine seichte Sendung mit Themen wie: Beni Turnherr hat neue Vorhänge, die Mutter von Oesch's findet die Dritten nicht mehr und Patty Laeri macht sich schick nach der Babypause. Ich hätte mir auch von der Schweiz ein subtiles politisches Statement gewünscht aber dann hätte man das Nummerngirl anders besetzen müssen. Schade!

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  • der Mechaniker am 27.05.2012 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Eigenkritik ist angebracht.

    Wir Schweizer sind ja die dämlichsten. Wir können nicht für unser Land stimmen, aber Dänemark Interpretin kommt ja aus Luzern Hallo!!!! Die hätte von uns 12 Punkte verdient. Jammern über den Ostblock aber trotzdem Albanien, Serbien, Türkei, Moldova und Bosnien Herzegowina Punkte geben.

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  • Jonas Brunner am 27.05.2012 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    Beendet das endlich

    Kann SF bitte endlich aufhören, diesen Anlass zu übertragen? Die Musik ist eine Katastrophe und der ganze Anlass moralisch völlig verwerflich. Warum wird für so etwas das Geld der Brüger aus dem Fenster geworfen! SF sollte sich schämen...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pedro am 29.05.2012 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo Anke

    Der Witz am Ende über Aserbaidschan war superklasse. Wir auf unserer ESC -Party haben uns köstlich amüsiert und herzhaft über Anke Engelke gelacht. Auf sowas lustiges muss man erstmal kommen.

  • Ivan R. am 29.05.2012 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Schlechte Verlierer

    Heute möchte jeder was für die Freie Meinungsäusserung einräumen aber keiner Versteht so richtig für was die Steht und was der Hintergrund ist dieser Politik. Die freie Meinungsäusserung sehen wir in der USA. Rein Theoretisch aber nur rein theoretisch müssten die Super-reichen etwas mehr Steuern zahlen. Ausserdem in einem Kontest hat die Politik nichts verloren, nur schlechte Verlierer können taktlos sein.

  • Vanessa am 28.05.2012 20:54 Report Diesen Beitrag melden

    Die CH-Moderator spricht ja grauenhaft!

    Von einer Moderatorin erwarte ich, dass diese Englisch kann oder wenigstens 3 Sätze akzentfrei auswendig lernen kann. Man muss sich ja Fremdschämen, wenn man sich die CH Punktevergabe anhört. We komm to äisch to hearr, whos gonna wiiinnn tonight!

    • Paula am 29.05.2012 10:39 Report Diesen Beitrag melden

      gehts noch???

      es kommt wohl soweit, dass wir in der Schweiz nur noch Englisch sprechen, oder perfektes Hochdeutsch.... tönt denn ein Franzose der Deutsch spricht nicht einfach herrlich? Oder ein Deutscher der Schweizerdeutsch spricht find ich einfach super. Die haben Mut und wollen dabei sein.

    • Irgendeine am 29.05.2012 15:39 Report Diesen Beitrag melden

      pseudo elitärs Gefasel

      Praktisch jeder der Moderatoren hatte einen Akzent. Ich finde das eigentlich sympathisch, all die verschiedenen Akzente zu hören. Frage mich, was an einem Akzent soooooo schlimm sein soll. Mein Gott, man kann auch oberkleinlich sein. Englisch ist nun mal nicht die Muttersprache und fertig. Lustig ist ja, dass sich gerade die möchtegern elitären, die meinen keinen Akzent zu haben, ziemlich lächerlich machen, in dem sie die Sprache regelrecht nachäffen. Ich habe englische Freunde, die sich immer wahnsinnig darüber amüsieren.

    • Irgendeiner am 29.05.2012 19:12 Report Diesen Beitrag melden

      Genau Irgendeine

      Höre von meinen englischen Freunden dasselbe. Wundert mich nur, dass hier niemand den irischen Akzent der Iren kritisiert oder sogar den britischen Akzent der Engländer beim ESC, geht ja gaaar nicht! Die sollen mal akzentfrei Englisch lernen!

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  • feel good am 28.05.2012 20:41 Report Diesen Beitrag melden

    was wäre wenn...

    hätte es jeder getan, wäre es nicht mehr so einmalig. freut euch doch, dass die einen mal einen pluspunkt setzen und seid nächstes mal rechtzeitig zur stelle wenn ihr positiven einfluss nehmen könnt. - immer hinterherweinen ist so was von out! lebt heute und jetzt mit allen konsequenzen und lebt auch mit blick in die zukunft, dann müsst ihr später hoffentlich nichts bereuen.

  • Mark N am 28.05.2012 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klasse

    Finde das ganz super von der Anke. Sie hat es geschafft mit ihrer charmanten und symphatisch-kritischen Art einen Glanzpunkt genau an der richtigen Stelle zu setzen. Das hier wieder einige (schweizer) Nörgler motzen müssen ist ja nichts neues. Schon erstaunlich, da schreibt man sich die Neutralität auf die Fahne, ist aber dennoch vorne dabei wenn irgendwo was zu holen gibt bzw. es dem eigenen Profit dient. Theoretisch dürft hier kein Kommentar dafür oder dagegen stehen, sind ja alle Neutral. Das ich nicht lache.

    • Brumm B am 29.05.2012 10:38 Report Diesen Beitrag melden

      Ach ja

      Und was denkst du? Hat Anke für den Auftritt nicht's kassiert oder was? Warum hat sie nicht von Anfang an kritisiert sondern erst bei der Punktevergabe? Ganz einfach: der Spieler der nicht spielt kassiert keine Prämie! Und übrigens, alle Schweizer in einen Topf zu werfen zeugt von grosser Unwissenheit.

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