FDP-Kandidat Ignazio Cassis

01. August 2017 11:05; Akt: 01.08.2017 16:39 Print

«Schweiz ohne Italianità ist keine ganze Schweiz»

Nun ist es definitiv: Mit einem Einerticket schickt die Tessiner FDP Nationalrat Ignazio Cassis ins Rennen um den frei werdenden FDP-Bundesratssitz.

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Die FDP bestätigt das Einerticket: Nationalrat Ignazio Cassis verfolgt die Debatte in der Sommersession der Eidgenössischen Räte, 15. Juni 2017. Alles auf eine Karte: Ignazio Cassis wurde von der Tessiner FDP-Spitze als einziger Bundesratskandidat vorgeschlagen. So seien die Chancen für einen Tessiner Kandidaten am höchsten. «Ich schwöre es»: In der Sommersession 2007 wurde Ignazio Cassis als Nationalrat vereidigt. Mit gutem Beispiel voran: Der Mediziner war zwölf Jahre als Kantonsarzt tätig. Hier lässt er sich gegen Grippe impfen. Mehrstimmig: Der Südtessiner Bauernsohn gilt weniger als Mann der Ideen und Visionen als vielmehr als Mann der vielen Mandate. Richtung Bundesrat: Seit der Rücktrittsankündigung von Didier Burkhalter gilt der Tessiner als Kronfavorit für dessen Nachfolge. Heimatliebe: Als Grund für seine Kandidatur sagte Cassis: «Ich trete an, weil ich dieses Land liebe. Das tönt zwar banal. Doch es ist die Wahrheit.» Das Schweigen hat ein Ende: Bis anhin äusserte sich Cassis nicht zum Thema, doch heute bestätigte er seine Kandidatur an der Medienkonferenz in Bellinzona. Zu wenig Frauen: «Die FDP hat ein Gleichstellungsproblem erster Güte», sagte SP-Präsident Christian Levrat. Immer wieder werden Stimmen laut, denen eine weibliche Kandidatur wichtiger ist als die Vertretung des Tessins im Bundesrat. Im Dialog: Cassis im Gespräch mit Parteipräsidentin Petra Gössi, in der Herbstsession in Bern. Achillesferse: Die vielen Mandate, besonders im Gesundheitsbereich, sorgen immer wieder für scharfe Kritik am engagierten Arzt. Dies brachte ihm den Übernamen «Kranken-Cassis» ein.

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Nun ist es definitiv: Ignazio Cassis ist der Kandidat der Tessiner FDP im Rennen um die Nachfolge von Bundesrat Didier Burkhalter. Die Parteibasis sicherte ihm am Dienstag bei einer ausserordentlichen Versammlung ihre Unterstützung zu. Doch es gab auch kritische Stimmen.

Im Moment seiner Nominierung geriet Ignazio Cassis ins Schwitzen. Doch nicht, weil das Ergebnis knapp ausfiel - am Ende gab es nur drei Gegenstimmen -, sondern weil der amtierende Nationalrat in der sengenden Augustsonne Platz nehmen musste. Die Tessiner FDP-Parteileitung hatte Breggia am Eingang des Tessiner Muggiotals auserkoren, um an einer «ausserordentlichen Versammlung» die Zustimmung für das bereits Anfang Juli vorgeschlagene Einerticket einzuholen.

Dies geriet am Ende zur reinen Formsache: Fast alle Parteivertreter streckten ihre gelben Wahlkarten in die Luft und machten Cassis damit zum ersten offiziellen Kandidaten für die Burkhalter-Nachfolge. Die zunächst ebenfalls als Kandidaten gehandelten Christian Vitta und Laura Sadis ergriffen beide das Wort - um den 56-jährigen Cassis zu unterstützen.

Vereinzelte Rufe nach Dreierticket

Die ehemalige Tessiner Regierungsrätin Sadis sagte, dass sie die Entscheidung der Parteileitung für ein Einerticket respektiere. Der amtierende Regierungsrat Vitta hob dagegen hervor, dass die vergangenen Wochen eine gute Werbung für das Tessin gewesen seien. Nun gebe es nur ein gemeinsames Ziel: einen Tessiner am 20. September im Bundesrat zu haben.

Kritik kam einzig von zwei FDP-Vertretern im Tessiner Kantonsparlament: Eine Einerkandidatur stelle ein grösseres Risiko dar als eine Dreierkandidatur, hiess es von ihrer Seite. Die FDP sei eine Partei des Dialogs. Deshalb wäre es gerechtfertigt gewesen, mehrere Kandidaten ins Rennen zu schicken, sagte Grossrätin Giovanna Viscardi.

Erleichterung und Druck

Cassis selbst zeigte sich im Anschluss an die Nominierung erleichtert, weil er nun als offizieller Kandidat bestätigt sei - zugleich nehme aber auch der Druck zu, weil nun die «nationale Phase» der Nachfolge-Suche beginne.

Damit wird der ehemalige Tessiner Kantonsarzt auch Rezepte gegen die Kritik an seiner Person finden müssen. Ihm war im Vorfeld von verschiedener Seite vorgeworfen worden, als Präsident des Krankenkassenverbands Curafutura zu stark interessengebunden zu sein.

Cassis hatte diese Kritik bereits im Juli damit gekontert, dass er mit seinen Mandaten immer transparent umgegangen sei. Am Dienstag erklärte er nun, dass er sich mit seiner offiziellen Nominierung allein auf das Nachfolgerennen konzentrieren wolle und alle Mandate ruhen lassen werde. Auch den FDP-Fraktionsvorsitz wolle er abgeben.

Italianità und Freiheitskampf

Bevor sich Cassis im Rest der Schweiz als Kandidat beweisen muss, hat er in Breggia TI die Gelegenheit genutzt, vor seinen Anhängern für seine Kandidatur zu werben. Er stehe als Kandidat für die italienische Schweiz bereit, sagte er. Es gebe eine kulturelle Notwendigkeit, einen Tessiner Bundesrat zu haben. «Eine Schweiz ohne Italianità ist keine ganze Schweiz.»

Cassis trat aber sogleich auf die Euphoriebremse: Bis zum Wahltag am 20. September gebe es noch viele Herausforderungen. «Wir müssen uns auch bewusst sein, dass es Enttäuschungen geben könnte.»

Zugleich erklärte er, die Freiheit verteidigen zu wollen. In der Schweiz bestehe die Gefahr, dass sie durch immer mehr Regeln beschnitten werde.


«Eine Schweiz ohne Italianità ist keine ganze.» Video: Tamedia/SDA

Konkurrenz aus der Romandie

Mit dem Entscheid für ein Einerticket hat die Tessiner FDP der Romandie eine Vorlage geliefert, ihrerseits einen Kandidaten zu nominieren. Da Laura Sadis aus dem Rennen ist, könnte für die Westschweizer Kandidatur eine Frau infrage kommen.

Öffentlich Interesse gezeigt hat bereits die Waadtländer Staatsrätin Jacqueline de Quattro. Auch der Waadtländer Nationalrätin Isabelle Moret wurden Ambitionen nachgesagt. Neben den beiden Frauen hat sich auch der Genfer Staatsrat Pierre Maudet als möglicher Kandidat bemerkbar gemacht.

In Anbetracht dieser Konkurrenz im Westschweizer Lager verteidigte der Tessiner FDP-Präsident Bixio Caprara am Dienstag die Strategie seiner Partei. Sie habe mit der Einerkandidatur keine arrogante Entscheidung gefällt, sondern ihre Kräfte auf den besten Kandidaten konzentriert. «Ignazio Cassis entspricht perfekt dem angeforderten Profil», sagte Caprara.

Ob die Strategie richtig gewesen sei, könne erst der 20. September zeigen. Dann wählt die Bundesversammlung das neue Mitglied der Landesregierung. Bis zum 11. August können bei der FDP Schweiz Kandidaturen eingereicht werden.

(sep/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Friedemann Sonntag am 01.08.2017 11:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So nicht!

    Na, bravo! Dann wird es eben mal wieder kein Tessiner Bundesrat! Daran ist aber die FDP schuld! Ich jedenfalls möchte diesen Krankenkassenfritzen und Patientenfeind nicht als BR haben!

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  • Hosche am 01.08.2017 11:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht wählbar

    Ich hoffe sehr, dass dieser Krankenkassen-Lobbyist nicht gewählt wird.

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  • Der SeheR am 01.08.2017 11:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoppala

    Obschon es mir schlicht egal ist wie viele Kandidaten jeweils ins Rennen geschickt werden, interessant sind nun die Raktionen der verschiedenen Parteien. Gut macht das nicht die SVP.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • pepi am 01.08.2017 20:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der oder Die Besten

    Die sieben besten gehören in den Bundesrat, egal ob Frau oder Mann, egal aus welchem Kanton.

  • Emil Giger am 01.08.2017 19:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nich auf Rosen

    Wieso hat das Tessin nur Cassis zur Auswahl er sei schon so gut wie gewählt,eigentlich hätte ich lieber ein Köppel oder Brunner aber leider SVP,ich vermute wenn der Tessiner kommt sehe ich für Prämien Aufschläge Schwarz,Herrn Berset kann nicht einmal etwas dagegen tun,

  • Martial2 am 01.08.2017 19:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gibt kein Röntgengerät für BR!

    Das Tessin wäre schon längstens an der Reihe; Seit BR Cotti nichts mehr vom Tessin. Herr Cassis wirkt sehr sympathisch und macht einen guten Eindruck. Danach ist es immer eine Lotterie... Alt bekannt neue Besen... Dachten wir schon immer mit vielen neu gewählten BR, dann grosse Enttäuschung!!

  • wähler am 01.08.2017 18:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hauptsache schweiz

    ich hätte gerne die 7 fähigsten, die alle 7 das beste für das schweizer volk und die schweiz wollen. dann dürfen das meinetwegen auch 7 tessiner sein oder 7 frauen.

    • Strupi am 01.08.2017 20:17 Report Diesen Beitrag melden

      @Wähler

      Das liegt aber an den 5.3 Millionen Stimmberechtigten 246, bez. 253 fähige Politiker zu wählen, aber um dies als Wunschgedanken abzustempeln, benötigt man lediglich ein 5 Minütiges Gespräch mit dem Durchschnittsbürger um das beste Argument gegen die Demokratie zu erlangen W. Churchill. Da das Stimmvieh dazu nicht in der Lage ist, wird dies nur ein Wunsch bleiben. Es wird aber immer wieder dazu kommen, dass ein Politiker für das Volk nominiert und gewählt wird.

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  • Thomas Schoch am 01.08.2017 18:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Peinlich

    Es ist unglaublich, wie man dem Parlament aufgrund der Italianita den Cassis aufzwingen möchte! Es ist ein Kanton wie jeder andere auch! St. Gallen z. B. hatte schon länger keinen Bundesrat... oder Bundesrätin...

    • Passepartout am 01.08.2017 20:33 Report Diesen Beitrag melden

      Gotthard

      So wie der Gotthard wichtig ist, bleibt auch der Kanton Tessin von zentraler Bedeutung.

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