Fatwa

22. Januar 2015 19:57; Akt: 22.01.2015 20:50 Print

«Schweizer Rechtsordnung muss man respektieren»

von D. Pomper - Konservative Imame haben die Gebete in der Moschee im Berner Haus der Religionen für ungültig erklärt. Sind die Integrationsbestrebungen gescheitert?

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«Man kann doch nicht einfach handgreiflich werden, nur weil man das Gefühl hat, gewisse Muslime seien zu weltlich», sagt der Berner Integrationsdelegierte Manuel Haas. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

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Lange Zeit wurde die Idee als Utopie abgetan. Seit Dezember 2014 aber ist sie Realität: Im Haus der Religionen in Bern leben acht Religionen unter einem Dach. Dieses Haus werde weltweit ausstrahlen, wenn hier Menschen ein- und ausgingen, die im Dialog auf die besten Argumente des Gegenübers hören wollten und darauf eingehen könnten, sagte damals Festredner Roger de Weck, SRG-Generaldirektor.

Nun aber wurde gegen Mustafa Memeti, den gemässigten Imam der Moschee im Haus der Religionen, eine Fatwa verhängt. Konservative Imame hätten das Gebet in der Moschee im Haus der Religionen für ungültig erklärt, sagte Memeti gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Er habe zwar keine Beweise, aber viele Hinweise. Der Seelsorger erhält Drohbriefe, in denen er als Verräter, Marionette und Assimilationshelfer beleidigt wird. Letztes Jahr wurden die alten Räume des Vereins von Vandalen heimgesucht. Memeti legt Wert darauf, die Islamdebatte nicht den radikalen Muslimen zu überlassen.

«Moderate dürfen nicht ausgegrenzt werden»

«Diese Fatwa ist eine feige Aktion», sagt Memeti auf Anfrage. Anstatt im Geheimen zu operieren, sollten diese Leute den Mut haben, mit ihrem Anliegen in die Öffentlichkeit zu treten, wie man dies in einer Demokratie mache.

Gerda Hauck, Präsidentin des Vereins Haus der Religionen, bedauert den Vorfall. «Anstatt dass moderate Leute ausgegrenzt und bedroht werden, würde ich es begrüssen, wenn sich diese Unbekannten dem Dialog stellen würden.» Wer überzeugt sei, dass nur er allein im Recht sei, riskiere Gewalt als logische Konsequenz. «Das wird uns ja dauernd vor Augen geführt.»

Hauck glaubt nach wie vor an den «interkulturellen Dialog». Auch wenn man damit nicht immer auf Gegenliebe stosse: «Unser Ziel ist, dass Menschen in Frieden gemeinsam leben.»

«Schweizer Rechtsordnung respektieren»

Bei der Integrationsförderung des Kantons Bern findet man klare Worte: «Es ist inakzeptabel, wenn Werte und die Rechtsordnung der Schweiz nicht respektiert werden», sagt der Integrationsdelegierte Manuel Haas. Mustafa Memeti sei bislang mit sehr besonnenen Statements aufgefallen. Diese gelte es zu respektieren. «Man kann doch nicht einfach handgreiflich werden, nur weil man das Gefühl hat, gewisse Muslime seien zu weltlich.»

Der Kanton Bern sei bestrebt, Ausländer von Anfang an gut zu integrieren. Seit diesem Jahr gilt das neue Integrationsgesetz. Die Gemeinden begrüssen die Ausländer mit einem Erstgespräch. Dieses soll zeigen, ob die Person etwa Unterstützung bei Sprache oder Job benötige.

Personen, die als religiöse Betreuungspersonen einreisen möchten, würden von den Migrationsbehörden genauer überprüft. Abgeklärt werde, ob diese über die nötigen fachlichen Fähigkeiten verfügten und das gesellschaftliche und rechtliche System der Schweiz kennten, respektierten und den betreuten Personen auch so vermittelten.

Wer kontrolliert die Imame?

Wie gross die Gefahr ist, dass eine radikale muslimische Parallelgesellschaft entsteht, kann Haas nicht sagen: «Der Kanton oder der Staat kann das ja nicht flächendeckend überwachen.» Es bestehe auch kein entsprechender Auftrag. Es liege aber ein Stück weit auch in der Verantwortung der Imame, den von ihnen betreuten Personen zu vermitteln, dass die Grundwerte der Schweiz akzeptiert werden müssten.

Memeti ruft dazu auf, nicht länger zu ignorieren, dass es in der Schweiz offenbar solche radikalen Muslime gibt, die dazu bereit sind, eine Fatwa auszusprechen.

Das Problem liege darin, dass keine Instanz die Imame in der Schweiz kontrolliere, sagt Memeti. Doch was ist mit den beiden islamischen Nationalverbänden der Schweiz, FIDS (Föderation islamischer Dachorganisationen der Schweiz) und KIOS (Koordination Islamischer Organisationen Schweiz)?

«Das sind schwache Verbände. Kein Imam nimmt ihre Vertreter Farhad Afshar und Hisham Maizar ernst», so Memetis Fazit. Beide hätten als Psychologe bzw. Arzt keine Ahnung vom Islam. Auch pflegten sie keinerlei Kontakte zu Imamen in der Schweiz. «Wie können diese Herren behaupten, uns zu vertreten, ohne mit uns zu sprechen?» Auch wirft er ihnen eine Doppelmoral vor: «Gegen aussen vermitteln sie einen offenen, modernen Islam. Gleichzeitig vermeiden sie das Gespräch mit progressiven Imamen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus Meier am 22.01.2015 20:10 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Fatwa! Na klar doch!

    Wer die Fatwa wünscht oder unterstützt, der ist hier unerwünscht und soll bitte das Land der Ungläubigen verlassen. Der Irak oder Syrien scheinen das gelobte Land für diese Personen zu sein. Wer aber den Dialog wünscht, der ist hier durchaus wilkommen!

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  • Piepegal am 22.01.2015 20:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Memeti = Stimme der Vernunft

    Herr Memeti scheint der einzige vernünftige Imam in der Schweiz zu sein - das sollte uns zu denken geben! Es kann ja wohl nicht sein, bei uns zur Ächtung Memeti's aufzurufen!

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  • Ady am 22.01.2015 20:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klar..

    Wer will sich denn schon integrieren bitte ..??

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Die neusten Leser-Kommentare

  • J. Meyer am 23.01.2015 22:28 Report Diesen Beitrag melden

    Schafft sich ab...

    Auf diese Weise schafft sich der Islam selbst ab, weil er auf Konflikte baut u sich je mehr radikal die Gesinnung, desto mehr vom Frieden entfernt, den der Islam weitgehend aber prägt. Gemässigte, fortschrittlich denkende u weltoffene Imane sind ein Dorn im Auge jener, die dadurch ihre Machtansprüche verlieren sehen u zur Sicherung die radikalen Werte in einem ideologischem Muster aufbauen, welcher genau das Gegenteil bewirkt. Mit radikalen konservativen Ansichten ist keine Zukunft möglich. Das hat die christliche Religion auch einst erfahren müssen. Radikale wird es aber trotzdem immer geben.

  • lemi am 23.01.2015 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    macht mich sehr traurig.....

    Das Problem sind wir Menschen, nicht die Religionen!! wann versteht ihr das endlich! irgendwo und immer wieder passiert irgendetwas.. aber sobald es um muslime handelt wir es ganz gross geschrieben! in Zeitungen, Nachrichten und und und!! was soll das? wo ist die logik?? niergends!!!!!!!!!!!!!!!

  • Jonathan Halbleib am 23.01.2015 14:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Relizentrum

    Völlig unötig dieses Religionszentrum mal schauen wie lange das gut kommt viel Spass wenns die Probleme kommen war von Anfang an keine gute Sache jede Religion sollte getrennt leben

    • Katholik am 23.01.2015 14:58 Report Diesen Beitrag melden

      Miteinander?

      Ach die Trennung von Religionen am besten mit Stacheldraht wäre das beste........ Wie sollte das in der heutigen Gesellschaft funktionieren? Wir leben und arbeiten alle miteinander, dann sollte es nicht ein Problem sein wen die Gebetsräume im selben Gebäude sind.

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  • kein verständnis am 23.01.2015 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    Abschaffen das Ganze!

    Ach, schon wieder Science-fiction-Gespräche über Religion? Ich freue mich auf den Tag an dem JEDE Religion als Illegal erklärt wird.

  • Argus am 23.01.2015 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    Einmal mehr

    Dieser Vorfall zeigt doch einmal mehr, dass ein Grossteil der muslimischen Meinungsmacher in der Schweiz gar kein Interesse an einer offenen und demokratischen Kultur hat. Und genau dies entarnt die totalitäre Weltsicht vieler Muslime, auch in der Schweiz. Dauernd Toleranz verlangen, aber nur von den anderen.