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27. November 2014 09:17; Akt: 27.11.2014 12:14 Print

«Schweizer sind Katzenfresser»

Laut einer Tierschützerin verspeisen 250'000 Schweizer regelmässig Büsi-Steaks. Ausländische Medien haben die Meldung über die angebliche Schweizer Tradition aufgenommen.

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Tierschützerin Tomi Tomek will ein Verbot für den Verzehr von Katzenfleisch.

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Tomi Tomek, Gründerin und Präsidentin des Schweizer Tierschutzvereins SOS Chats Noiraigue, hat eine Petition lanciert, die es Schweizern verbieten soll, Katzen zu essen. Sie behauptet, rund drei Prozent der Schweizer würden regelmässig, vor allem um die Weihnachtszeit und insbesondere in den Kantonen Bern, Jura und Luzern Büsis und Bellos zu einem Festmahl zubereiten – und zwar mit Weisswein und Knoblauch. Diese Meldung der internationalen Nachrichtenagentur AFP hat sich am Mittwoch in Windeseile um die Welt verbreitet, sogar Australien schreibt über das Katzenfresser-Land Schweiz.

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Auch laut Wikipedia gehört der Verzehr von Katzenfleisch zu einer alten Schweizer Tradition: Unter dem Stichwort «cat meat» findet sich nach China, Japan und Korea auch ein Abschnitt mit dem Titel «Switzerland». Dort heisst es sinngemäss: «In gewissen ländlichen Kulturen werden in der Schweiz noch Katzen gegessen. Zum traditionelle Rezept gehören Thymianzweige. Laut Schweizer Tierschutzvereinen ist es schwer abzuschätzen, wie viele Hunde und Katzen jährlich auf dem Teller landen.» Tatsächlich ist der Verzehr von Katzenfleisch nach Schweizer Gesetz erlaubt, solange das Tier artgerecht getötet wird.

«Ich habe keine Ahnung, woher diese Zahl stammt»

Tomek sagt nun, es seien knapp 250'000 Schweizer, die ihre Haustiere in der Pfanne braten würden. Aber wie überprüft man, wer wie viele Katzen im Jahr isst? «Das weiss ich auch nicht», gibt Tomek zu. Sie habe diese Zahl von Journalisten, die über eine Tierschützer-Kampagne berichtet hätten. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) habe ihr die drei Prozent aber auch bestätigt.

BLV-Sprecherin Sabina Helfer, sagt: «Ich habe keine Ahnung, woher diese Zahl stammt, sicher nicht von uns. Die Medienberichte zu diesem Thema erwecken den Eindruck, dass der Verzehr von Hunde- oder Katzenfleisch in unserem Land gang und gäbe sei. Haustiere werden aber in der Schweiz grundsätzlich nicht verzehrt, daher kann man hier sicher nicht von einer Gewohnheit sprechen.»

Die Appenzeller Tierschützerin Edith Zellweger hatte mehrmals Kontakt mit Tomek und ist bekannt für ihr Engagement gegen das Essen von Katzen und Hunden. Aber auch sie kann nicht erklären, wie man auf drei Prozent gekommen ist. Die Zahl hält sie trotzdem für plausibel. «In allen ländlichen Gebieten in der Schweiz ist es üblich, Katzen- und Hundefleisch zu essen, wenn ich das in meinem Kopf überschlage, klingt das realistisch.» Aber: So verbreitet wie früher sei der Konsum von Haustieren nicht mehr. «Die Gesellschaft verurteilt das Töten und Essen von Katzen mittlerweile mehr als noch vor 20 Jahren.»

«Kaum jemand gibt zu, dass er gerne Katzen isst»

Auch Chantal Häberling, Sprecherin von Vier Pfoten, relativiert: «Das Verspeisen von Katzen und Hunden ist glücklicherweise, soweit Vier Pfoten bekannt, in der Schweiz nicht allzu verbreitet.» Genaue Zahlen gebe es ihrer Meinung nach nicht. Das habe wohl damit zu tun, dass es sehr schwierig sei, Daten dazu zu bekommen. «Kaum jemand gibt freiwillig zu, dass er gerne Katzen isst.» Sie gehe von einer hohen Dunkelziffer aus.

Das Thema müsse aber dennoch ernst genommen werden: «In den letzten Jahren sind immer wieder mal vereinzelte Fälle bekannt geworden», so Häberling. Deshalb finde Vier Pfoten das Unterfangen von Tomi Tomek sinnvoll. Europaweit sei der Verzehr von Haustieren verboten. «Auch die Schweizer Regierung sollte zum Schutz von Katzen und Hunden endlich deren Verzehr verbieten.»

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