Regenbogenfamilien

27. März 2014 15:54; Akt: 27.03.2014 15:54 Print

«Schwule sollen genauso Kinder kriegen dürfen»

von Marco Lüssi - Kinder haben immer häufiger zwei Väter. Schwule würden sich ihren Kinderwunsch vermehrt eingestehen und ihn verwirklichen, heisst es beim Dachverband Regenbogenfamilien.

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Das in den USA lebende Schweizer Schwulenpaar Felix und Pascal Wolf hat drei Kinder – eine Leihmutter hat sie zur Welt gebracht. Als die Wolfs von der Schweiz nach New York zogen, lernten sie viele homosexuelle Paare mit Kindern kennen und entdeckten, dass dies möglich ist. Gegenüber SRF sagen sie: «Wir mussten in die USA kommen, um zu sehen, dass Schwule das Recht haben, eine Familie zu gründen.»

Felix und Pascal Wolf sind ein Spezialfall: Die Möglichkeit, ihr Kind von einer Leihmutter austragen zu lassen, haben in der Schweiz lebende Schwule nicht. In der Schweiz und in 15 der 27 Mitgliedstaaten der EU ist Leihmutterschaft verboten. Trotzdem ist dieser Weg, zu einem Kind zu kommen, auch hier ein Thema: Eine Zürcher Anwältin, die homosexuelle Paare berät, bestätigt 20 Minuten, sie habe von Schwulen schon Anfragen wegen Leihmutterschaft gehabt.

Schwule stehen vermehrt zu ihrem Kinderwunsch

Maria von Känel, Geschäftsführerin des Schweizer Dachverbands Regenbogenfamilien, sagt: «Die Schwulen haben sich emanzipiert – sie wagen es heute, sich ihren Kinderwunsch einzugestehen und ihn auch umzusetzen.» Und auch Transmenschen würden sich heute vermehrt mit dem Thema Familiengründung befassen. Über die Zahl der Schweizer Kinder, die in einer Familie mit zwei Vätern oder zwei Müttern leben, gibt es nur vage Schätzungen: Die Rede ist von 6000 bis 30'000.

Noch vor wenigen Jahren stammte die Mehrheit der Kinder der Mitglieder des Verbands aus früheren heterosexuellen Beziehungen von homosexuellen Paaren. Dies hat sich laut von Känel geändert: «Bei uns melden sich nun vermehrt Leute, die sich erst im Rahmen ihrer gleichgeschlechtlichen Beziehung entschieden haben, Kinder zu bekommen.»

Dafür wählen schwule Paare laut von Känel unterschiedliche Modelle. Die einen würden sich mit einem lesbischen Paar zusammentun und so zu viert Eltern werden. Andere würden sich mit einer alleinstehenden Frau darauf einigen, den Kinderwunsch gemeinsam umzusetzen. Wieder andere würden einem Pflegekind ein Zuhause bieten. Dies ist – im Gegensatz zur Adoption eines Kindes – für homosexuelle Paare bereits heute möglich.

Eltern von Schwulen können heute Grosseltern werden

Ein schwerwiegendes Problem besteht angesichts der rechtlichen Situation in der Schweiz: Offiziell kann ein Kind nur eine Mutter und einen Vater haben. Bei der Gay-Organisation Pink Cross sieht man Handlungsbedarf. Sprecher Mehdi Künzle: «Wir stehen für eine Gleichstellung von Homosexuellen gegenüber Heterosexuellen ein – auch wenn es um das Thema Familie geht.» Schwule hätten genauso das Recht, ihren Kinderwunsch zu erfüllen wie alle anderen.

Von Känel ist davon überzeugt, dass es der Gesellschaft nützt, wenn es mehr Regenbogenfamilien gibt. So würden auch die Eltern von Homosexuellen profitieren: «Früher mussten sie davon ausgehen, dass sie keine Enkel bekommen werden, wenn ihr Sohn schwul ist. Dies ist heute anders.»

Sind Sie ein schwules Paar und haben gemeinsame Kinder? Wie haben Sie Ihren Kinderwunsch umgesetzt? Berichten Sie darüber per Mail an feedback@20minuten.ch und geben Sie auch Ihre Telefonnummer an.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Xaver am 27.03.2014 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Und die Kinder?

    Was mich an dem ganzen Thema stört, es geht nur um die Rechte der Erwachsenen. Tatsache ist, Kinder können grausam sein, und diese Adoptivlinge sind letztendlich von klein auf bis zum Schulaustritt als klassische Mobbingopfer verdammt. Es nützt denen nichts, das vielleicht in 100 Jahren Homosexualität allgemein toleriert wird, solange nur 1 Elternteil der "Schulkameraden" es heute noch nicht akzeptiert.

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  • Martin am 27.03.2014 16:20 Report Diesen Beitrag melden

    Geht nicht

    Ich bin selber sehr glücklicher Vater einer homosexuellen Tochter und habe wirklich keine weder vor- noch nachhaltige Urteile einer solchen Beziehung. Nur das mit den Kindern geht wirklich nicht. Es ist nun mal in der Natur nicht so vorgesehen. Nur weil der moderne (weisse) Mensch meint es so zu wollen.

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  • Peter Eichert am 27.03.2014 20:49 Report Diesen Beitrag melden

    Geht gar nicht!

    Wenn die Natur gewollte hätte dass homosexuelle Paare Kinder bekommen können, dann könnten sie das. Zu verlangen Kinder adoptieren zu können ist nur kurzsichtig und egoistisch.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ralf am 28.03.2014 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Think

    Klar können zwei Männer keine Kinder zusammen kriegen. Aber Kinder zeugen und Kinder erziehen sind immer noch zwei Paar Schuhe. Es gibt genügend Eltern die zwar Kinder zeugen können, aber bei der Erziehung komplett versagen, oder der Typ abhaut. Das Wichtigste ist, dass die Familie stabil ist und sich das Kind geborgen fühlt. Keine Frage des Geschlechts also.

  • Rusty Villiers am 28.03.2014 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    Homophobie hoch drei

    Dem Kind ist es egal, ob sie 2 Frauen oder 2 Männer als Eltern haben. Falls ihr denkt das dafür die Mitschüler "grausam" sein können - Liegts genau an diesen Elternteilen -> AN EUCH! Dies zu ändern, indem ihr sie aufklärt, und auch sagt, das Auch Wir Normale Menschen sind. Also das Problem sind nicht die Kinder, sondern Ihre Hassgeschürten Eltern!

  • Dominik Keusch am 28.03.2014 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    Bedenklich

    Bei manchen Kommentaren muss ich mir wirklich an den Kopf fassen. Ich finde ihr seht nur die Nachteile. Aber es ist sicher besser wenn ein Kind zu einem Homosexuellem Paar kommt, als das es im Kinderheim sitzt. Und ist es nicht falsch wenn ihr nur die Symptome seht? Ihr meint,das das Kind gemobbt werden würde, aber das ist auch nur eine Folge der Erziehung bzw. dem Umfeld. Da liegt nämlich Handlungsbedarf. Und was soll eigentlich diese Logik mit dem "Wenn die Natur das gewollt hätte, hätte sie das vorgesehen" Die Natur hat auch nicht vorgesehen das wir Fliegen, oder Radiosignale senden.

  • Andrea Mordasini am 27.03.2014 21:51 Report Diesen Beitrag melden

    Auch Regenbogenfamilien sind ok :)!

    Auch gleichgeschlechtliche Paare sollen das uneingeschränkte Recht haben, ohne Hindernisse, Hürden, Vorurteile, Anfeindungen und Schikanen eine Familie zu gründen, Kinder adoptieren und grossziehen zu dürfen. Wer sagt denn, dass nur und ausschliesslich Mutter und Vater die besseren Eltern sind? Es kommt doch letztendlich nicht darauf an, ob die Eltern hetero, bi-, homosexuell oder alleinerziehend sind Hauptsache die Kinder werden überall bedürfnisorientiert und gewaltlos erzogen und mit viel Liebe, Wärme, Nähe, Zuneigung, Geborgenheit, Zuwendung + Sicherheit durchs Leben hindurch begleitet!

  • Myke am 27.03.2014 21:02 Report Diesen Beitrag melden

    Recht auf Vater & Mutter?

    UN Konvention über die Rechte des Kindes, Artikel 18: "Das Prinzip, dass die Verantwortung der Erziehung des Kindes in erster Linie beiden Elternteilen gemeinsam obliegt, und die Pflicht des Staates, die Eltern bei dieser Aufgabe zu unterstützen.". Nirgends wird das Geschlecht der Eltern erwähnt, in jedem Artikel steht das Wohle des Kindes im Vordergrund. Wenn ein homosexuelles Paar dieses Wohl im selben masse wie ein Heteropaar garantieren kann, wo ist dann das Problem? Eure Homophobie?