Kollege erzählt

16. Februar 2019 14:18; Akt: 17.02.2019 20:40 Print

So tickte Schauspiel-Star Bruno Ganz

von P. Michel - Unbestechlich, authentisch, kratzbürstig: Schauspieler Martin Rapold erzählt, wie er den verstorbenen Bruno Ganz auf einem gemeinsamen Dreh erlebt hat.

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Er war einer der grössten Schweizer Schauspieler. Nun ist Bruno Ganz mit 77 Jahren seinem Krebsleiden erlegen. Der Schauspieler wuchs in Zürich auf und besuchte das Zürcher Bühnenstudio, heute bekannt als Hochschule der Künste. Ausserdem schloss er die Rekrutenschule als Sanitäter ab. Im Jahr 1960 hatte Ganz seinen ersten Auftritt in einem Film. Er spielte den Kammerdiener in dem Film «Der Herr mit der schwarzen Melone». Jahrelang stand Ganz auf diversen Theaterbühnen. Zuerst am Jungen Theater in Göttingen, von 1964 bis 1969 am Theater am Goetheplatz in Bremen, ehe er vom Zürcher Schauspielhaus verpflichtet wurde. 1970 stiess er zum Ensemble der Berliner Schaubühne. Durch etliche Filmrollen wurde er Mitte der 70er-Jahre einem grösseren Publikum bekannt. In «Nosferatu» spielte er neben dem deutschen Schauspieler Klaus Kinski. Als Engel Damiel agierte er im Film «Der Himmel über Berlin» neben dem US-Schauspieler Peter Falk, auch bekannt als Columbo. Dem Theater blieb er immer treu. 2000 an der Expo spielte er in Goethes «Faust». 2004 verkörperte Ganz den deutschen Diktator Adolf Hitler in «Der Untergang». 2008 übernahm er die Rolle des BKA-Präsidenten Horst Herold in «Der Baader Meinhof Komplex». Vier Jahre später hatte Ganz in einem Pariser Theater seinen letzten Bühnenauftritt. Den Filmen blieb er allerdings erhalten. 2015 als Alpöhi in «Heidi». Ganz war einer der wenigen Schweizer Schauspieler, die sich auch in Hollywood behaupten konnten. Dies zeigen diverse Blockbuster in seiner Filmografie. «Der Vorleser» mit Kate Winslet. 2011 in «Unknown Identity» mit Liam Neeson und Diane Kruger. 2013 in «Nachtzug nach Lissabon» mit Jeremy Irons. Im selben Jahr: «The Counselor» mit Michael Fassbender, Penélope Cruz, Cameron Diaz und Brad Pitt. 2018 spielte er eine grosse Rolle im internationalen Horrorfilm «The House That Jack Built» von Lars von Trier. Mit dabei: Matt Dillon. Sein letzter Film war im vergangenen Jahr «Der Trafikant» von Nikolaus Leytner. In seinem Leben wurde Ganz mit Preisen überhäuft. 1973 wurde er in Deutschland als Schauspieler des Jahres ausgezeichnet. 1998 erhielt er den Prix Walo. 2000 und 2004 gab es für Ganz den Europäischen Filmpreis. Zehn Jahre später erhielt er sogar den Preis für sein Lebenswerk bei den europäischen Oscars. Auch der Goldene Leopard von Locarno gehört zu seinen Schätzen. Für die Rolle in «Der Untergang» gab es einen Bambi. 2006 erhielt er das Bundesverdienstkreuz und das österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst. 2014 wurde er bei der Goldenen Kamera erneut für sein Lebenswerk belohnt. 2016 gab es in Bayern nochmals eine Auszeichnung. 2017 wurde er auch in der Schweiz nochmals geehrt. Er staubte zwei Schweizer Filmpreise ab. Einmal als bester Darsteller und einen Ehrenpreis. Nun ist Ganz im Alter von 77 Jahren in seinem Zürcher Haus verstorben. Er erlag am Samstagmorgen einer Krebserkrankung. Doch eines ist sicher: Bruno Ganz bleibt unvergessen.

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Martin Rapold, Sie spielten in «Der grosse Kater» (2010) an der Seite von Bruno Ganz. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie heute von seinem Tod erfahren haben?
Ich wusste, dass er an Krebs erkrankt war. Von daher musste man sich auf diese Nachricht einstellen. Aber wenn dann jemand tatsächlich unwiederbringlich abreist, ist das dann doch etwas anderes und erinnert einen an die eigene bevorstehende Reise. Bruno Ganz war ein wundervoller Schauspieler, und ich bin sicher, es hätte noch einige grossartige Rollen für ihn gegeben.

In «Der grosse Kater» spielten Sie Bruno Ganz’ Chauffeur. Wie haben Sie ihn als Mensch erlebt?
Unsere gemeinsame Zeit war kurz, aber intensiv. Wir verbrachten auf dem Set viele Stunden in einer Maibach-Limousine. Dort fühlte er sich offenbar wohl, denn ich hatte das Gefühl, dass er sich in unseren persönlichen Gesprächen mir gegenüber öffnete. Ich erinnere ich mich nicht mehr genau daran, über was wir gesprochen haben. Aber das «wie» hat mich beeindruckt, seine authentische und unbestechliche Art. Die Qualität, bei sich zu bleiben. Diese Kratzbürstigkeit und Authentizität zeigten sich auch in seinem Schauspiel. Das inspirierte und war sicher ein Grund für seinen Erfolg.

Wie gross ist der Verlust für den Schweizer Film?
Mit seinen Rollen in «Heidi» oder «Vitus» hat Bruno Ganz für den Schweizer Film beste Arbeit geleistet. Seine Offenheit und diese verletzliche Verspieltheit in «Vitus», wo er den Grossvater eines hochbegabten Buben spielte, fand ich grossartig. Mein Lieblings-Ganz-Film ist allerdings «Der Erfinder» von Kurt Gloor. Wie er als Erfinder merkt, dass er etwas bereits Erfundenes erfunden hat, ist von einer wunderbaren tragischen Komik.

Für viele ist Ganz' Verkörperung von Adolf Hitler in «Der Untergang» seine Meisterleistung. Ist sie auch Ihr Favorit?
Es war sicher sehr mutig, den Film zu machen. Darüber, ob dies sein bester Film ist, kann man streiten. Sagen wir so, es ist vielleicht seine «lauteste» Performance, akustisch und medial. Da bevorzuge ich «Himmel über Berlin» von Wim Wenders (1987). Da konnte man bereits erahnen, wie gross Bruno Ganz einmal werden würde.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bonifatz am 16.02.2019 12:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    uhm..

    Irgendwie sehr unpassende Überschrift, auch wenn gut gemeint. Sowas ist schlechter Stil..:/

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  • Andi Furrer am 16.02.2019 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    M&M

    Wow was für ein geschmackloser Titel. Sorry aber das geht gar nicht!

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  • Pitri am 16.02.2019 12:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schade

    Ein grosser Schauspieler ist von uns gegangen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Quo Vadis am 16.02.2019 21:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt

    Respekt vor diesem feinsinnigen und grossartigen Künstler und Menschen. Rest in peace, und danke.

  • Ci am 16.02.2019 20:54 Report Diesen Beitrag melden

    Lieblingsfilm

    Ich liebte ihn in "Brot und Tulpen"

  • Don Logan am 16.02.2019 19:46 Report Diesen Beitrag melden

    Grosser Verlust

    Mit Bruno Ganz verliert die Schweiz einer der besten Schauspieler aller Zeiten, wenn nicht der Beste.

  • Grand Acteur der alten Garde am 16.02.2019 19:40 Report Diesen Beitrag melden

    wird unvergessen bleiben

    Bruno Ganz musste nicht ticken um berühmt zu werden. Er war sich selbst und ich hoffe, dass die SRG viele von seinen 80 Filmen den Zuschauern in Erinnerung bringt. Danke Herr Bruno Ganz, Sie hinterlassen ein riesige Lücke unter Freunden und Fans - weltweit! Den Trauernden wünsche ich Kraft und Trost im schweren Leid.

  • IchDuWir am 16.02.2019 18:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    r. i. p.

    danke, dass ihr den titel geändert habt. ein grosser schauspieler und bescheidener mann, hat unsere welt verlassen... ruhe in frieden bruno ganz. danke für deine tollen filme, dein schauspiel, dein sein.