Swiss Arctic Project

02. August 2018 20:36; Akt: 17.08.2018 14:26 Print

«Selbst an entlegensten Stränden liegt Plastik»

Die Teilnehmer des Swiss Arctic Project sehen mit eigenen Augen, wie sich der Klimawandel in der Arktis zeigt.

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Die Teilnehmer des Swiss Arctic Project berichten über die in der Arktis besonders sichtbaren Auswirkungen des Klimawandels. Die Teilnehmenden: Jasmin Huser (20) aus Rapperswil-Jona SG, Tessa Viglezio (21) aus Lugano, Joëlle Perreten (22) aus Bussigny VD, Janine Wetter (21) aus Fehraltorf ZH und Antoine Carron (19) aus Fully VS. Fast ist alles gepackt: Am 16. Juli geht es mit dem Flugzeug auf die Insel Spitzbergen. Im Rahmen des Swiss Arctic Project sollen die Teilnehmenden über die in der Arktis besonders sichtbaren Auswirkungen des Klimawandels berichten. 20 Minuten ist live dabei und berichtet im Live-Ticker von der Reise. Während der Reise gibt es drei Möglichkeiten, in Kontakt mit der Aussenwelt zu treten: Kurzwellen. Pro: relativ günstig und zuverlässig. Contra: extrem langsam. Option 2: Satellitentelefon. Pro: mobil, kann überallhin mitgenommen werden. Contra: auch sehr langsam und relativ teuer. Option drei: Iridium Pilot, die Satellitenanlage auf dem Boot. Pro: relativ schnell – verglichen mit Glasfaser jedoch immer noch extrem langsam (134 kbit/s ist das Maximum). Contra: extrem teuer. Wie teuer? ... ... so teuer: rund 14'000 Euro für ein Gigabyte. Die Reise beginnt am 16. Juli 2018 und führt am 7. August 2018 wieder zurück in die Schweiz. Longyearbyen ist die grösste Siedlung auf Spitzbergen. Die meisten Bewohner sind zwischen 20 und 45 Jahre alt. Der Leiter des Swiss Arctic Project, Charles Michel, arbeitete über 30 Jahre lang für das Schweizer Fernsehen und war auf der ganzen Welt im Einsatz. Er berichtete aus Krisengebieten oder machte Newsbeiträge, Dokumentarfilme und Reisereportagen. Seine Frau, Doris Codiga, ist ebenfalls eng am Projekt beteiligt und wird in die Arktis mitkommen. Im Gegensatz zu den Kreuzfahrtschiffen, die mit schwermetallhaltigem Treibstoff fahren, darf die MV San Gottardo auch abseits der Grossschiffahrtslinien fahren. So zum Beispiel zur Engelsbucht. Zwar ist die MV San Gottardo nicht das grösste Schiff, dennoch ist sie mit allen technischen Finessen ausgerüstet und hat sich schon mehrere Male in der Arktis bewährt. Hier beispielsweise die Wasseraufbereitungsanlage. Das Schiff bietet Platz für etwa zehn Personen. Eine Viererkabine... ...und das Zweierzimmer. Das Bad ... ... und das WC. In der Arktis wird man zahlreiche imposante Naturphänomene beobachten können. Auf der Expedition werden aber leider keine Polarlichter zu sehen sein, weil die Sonne während des ganzen Tages nie untergehen wird. Eine verlassene Marmor-Mine. Die Vegetation nimmt wegen des Klimawandels in Arktisnähe immer mehr zu. Und natürlich ganz viele Tiere. Walrosse ... ... die sich gemütlich an der Sonne ausruhen ... Rentiere ... ... und ihre Jungtiere. Vögel ... ... Pottwale ... ... Zwergwale ... Und natürlich herrscht auf ganz Spitzbergen Eisbärengefahr. Aufgrund der schmelzenden Eiskappen im Sommer werden immer mehr Eisbären auf das Festland gedrängt. «Während der Expedition erarbeiten sie gemeinsam den ‹Students Climate Report 2018›», sagt Michel. So würden die Teilnehmer alle Fakten zum Klimawandel ermitteln und mit Politikern, Betroffenen und Forschern vor Ort Interviews darüber führen. Während dreier Wochen werden die Teilnehmenden hautnah erleben, welche Konsequenzen der Klimawandel für die Umwelt und die Tiere in der Arktis hat. «Wir starten die Arktis-Expedition mit fünf Jugendlichen aus den drei Sprachregionen.» Die Personen kommen aus der Deutschschweiz, der Romandie und dem Tessin. Hier eines der Beiboote der MV San Gottardo. Mit dem Expeditionsschiff kann auch an ungewöhnlichen Orten an Land gegangen werden. Die Crew hat die Stadt Pyramiden erreicht. «In nur drei Jahren ist das Eis also mehrere hundert Meter geschrumpft – ein solcher Anblick öffnet einem schon die Augen.» Die Teilnehmer des Swiss Arctic Project. 18'000 Touristen besuchen die russische Stadt Barentsburg und Pyramiden jedes Jahr. Polarfüchse spielen miteinander.

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Eine nie untergehende Sonne, das stürmische Polarmeer und kilometerlange Gletscher: Seit zwei Wochen fahren die Teilnehmer des Swiss Arctic Project an Bord des Expeditionsschiffs MV San Gottardo nun schon durch das Polarmeer und trotzen dabei stürmischer See und eisiger Kälte.

Im Rahmen des Projekts berichten die fünf Teilnehmer auf Facebook, Instagram und eigenen Blogs über die in der Arktis besonders sichtbaren Auswirkungen des Klimawandels und über ihren Alltag auf der San Gottardo. Einen Alltag, der sich nicht mit einer Ferienreise vergleichen lässt: «Um 9 Uhr essen wir Frühstück und erst gegen 2 Uhr nachts legen wir uns schlafen — es ist schon streng», sagt die Teilnehmerin Tessa Viglezio. «Trotzdem ist der Arktis-Trip ein für uns unvergleichliches Abenteuer.»

Sechs Tage ohne Dusche

Ein Abenteuer, das bereits auf der San Gottardo beginnt: Bei den Teilnehmern stiess die Vorschrift, das WC-Papier nicht in die Vakuumtoilette zu werfen, weil ansonsten das gesamte Abwassersystem des Schiffes ausfallen würde, auf gewissen Widerstand. Den Aufruf zum Wassersparen nahmen einige Arktis-Teilnehmer hingegen allzu wörtlich und duschten während sechs Tagen gar nicht.

Abwechslung sorgte auch die Anker- und Eiswache, die immer zwei Personen pro Nacht schieben mussten. Wenn das Schiff trotz gesetztem Anker abdriftet, müssen sie den Kapitän alarmieren.
Das Gleiche gilt, wenn eine Eisscholle auf das Schiff zudriften sollte. «Auch auf den ersten Blick klein aussehende Stücke können dem Schiff sehr gefährlich werden, befindet sich doch der Grossteil des Eises unter Wasser», sagte uns Kapitän Charles Michel.

Wer dann mit dem Beiboot schläfrig ins eiskalte Wasser fallen sollte, könnte schon nach rund drei Minuten erfrieren – bei der Rettung zählt also jede Sekunde. Sind die Teilnehmer erst an Land, herrscht die drückende Gefahr eines Eisbärenangriffs. Daher bleibt die gesetzlich vorgeschriebene Leuchtpistole und der Karabiner immer in Griffweite.

Auftauender Permafrost

Das Projekt ist aber kein Abenteuertrip, sondern hat einen ernsten Hintergrund: Während die Schweiz unter dem heissesten Sommer seit Jahren leidet, sind die Auswirkungen des Klimawandels auch in der Arktis allgegenwärtig: Davon zeugen Schlammlawinen, die sich ihren Weg durch die Siedlung Longyearbyen wälzen und dabei Menschenleben fordern, Eisbären, die sich auf der Nahrungssuche immer mehr in menschliche Siedlungen wagen, oder der weltgrösste Saatgutspeicher bei Longyearbyen, der wegen des auftauenden Permafrosts schon renoviert werden musste.

Das sei ein Problem, mit dem besonders Bergregionen in der Schweiz in Zukunft zu kämpfen haben werden, sagt der Initiant des Swiss Arctic Project, Charles Michel. Viele Bewohner der Schweiz würden sich durch das Steigen des Meeresspiegels nicht betroffen fühlen. «Das Auftauen des Permafrosts würde aber zahlreiche Probleme auch für die Schweiz mit sich bringen.»

Plastik ist überall

Probleme, die die Teilnehmer lösen wollen: Das Arktis-Team um die Umweltnaturwissenschaftlerin Janine Wetter sammelt Wasser- und Bodenproben, die vom eidgenössischen Institut für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) sowie der ETH Zürich und den Universitäten Neuenburg und Longyearbyen analysiert werden. Auf ihrer Reise greifen die Teilnehmer zudem auch auf das Fachwissen lokaler Wissenschaftler und Klimaexperten zurück.

Nach den zwei Wochen zeigen sie sich über das bisher Gesehene überrascht: «Ich habe mir bisher nicht ausmalen können, dass sich der Klimawandel in der Arktis so stark akzentuiert und dass wir auch an den entlegensten Stränden hier Plastik finden», sagt Jasmin Huser. «Es ist schade, sich vorzustellen, dass es in Zukunft die Gletscher und Tiere wegen unseres rücksichtslosen Verhaltens nicht mehr geben soll.» Gleichzeitig zeigt sie sich kämpferisch: «Wir müssen nur kleine Dinge in unserem Alltag verändern, um gemeinsam einen grossen Effekt zu erzielen.»

Die letzte Woche des Swiss Arctic Project bricht an. Verfolgen Sie die Reise der Expedition in den Norden zum 80. Breitengrad im Liveticker auf 20min.ch

(dk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tina Möli am 03.08.2018 01:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tina

    5 junge Leute entdecken was wir schon lange wissen!

  • bepa am 02.08.2018 21:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klimawandel und Plastik?

    Was genau hat Klimawandel mit dem dort aufzufindenden Plastik zu tun? Bitte etwas mehr tiefe und nicht so ein teurer und Energiefressender Hobbyausflug

  • Tom am 02.08.2018 21:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung

    Vier Frauen und ein Mann. Nicht auszudenken, was für ein Aufschrei es bezüglich Gleichberechtigung gegeben hätte, wäre die Verteilung umgekehrt...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Chief Operating Officer bei Umbrella Cor am 05.08.2018 14:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    WC papier nicht in toilette

    Das ist in südamerika in der pampa gang und gäbe.... die haben dort auch kein abwassersystem.... und das papier würde alkes verstopfen....

  • wildh. am 03.08.2018 21:09 Report Diesen Beitrag melden

    Von wo

    Und da soll es auch aus der Schweiz stammen ich glaube keine einzige Flasche.

  • kurt werner am 03.08.2018 20:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    augen

    als ob das was neues ist, warum werden die Luxus Dampfer nicht in Pflicht genommen, von denen wird der größte Teil im Meer entsorgt, ob ihr es jetzt gern hört oder nicht, hab ich mit eigenen Augen gesehen.

  • Daniel am 03.08.2018 18:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meeresgrund

    Mich würde mal Wunder nehmen wieviel Plastik und Atom Müll Fässer auf dem Meeresboden liegen. Die Menge will bestimmt niemand wissen, da sonst noch ein viel erschreckenderes Ergebnis publiziert werden müsste

  • Henri Winter am 03.08.2018 17:48 Report Diesen Beitrag melden

    Sind selber Teil des Problems

    Sie dokumentieren den Klimawandel, sind aber selber Teil des Problems, denn ich nehme nicht an, dass sie mit dem Ruderboot dorthin gelangt sind.