Politiker entsetzt

03. Februar 2019 21:07; Akt: 04.02.2019 09:23 Print

«Sex-Täter dürfen nicht mit Patienten arbeiten»

Trotz Sex mit einer wehrlosen Patientin darf ein Psychiater weiter tätig sein. Politiker wollen dies nun künftig verhinden.

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Der Fall schockiert die Schweiz: Ein Psychiater hatte jahrelang Sex mit einer Patientin, die wegen Missbrauch in der Kindheit bei ihm in Behandlung war. «Ich war machtlos, konnte mich nicht wehren», sagt die Baslerin. Das Bezirksgericht Aarau verurteilte den Mann zu einer bedingten Geldstrafe von 81'000 und einer Busse von 6000 Franken, dem Opfer muss er 45'000 Franken zahlen.

Der Mann darf jedoch bis heute als Psychiater arbeiten, das Gericht verhängte lediglich eine zweijährige Sperre für Behandlungen an Frauen. Auch konnte er weiterhin Mitglied der Ärzteorganisation FMH bleiben, diese erfuhr erst aus den Medien vom Fall.

Berufsverbot wie bei Kinderschändern

Politiker sind über den Fall empört. «Es ist für mich völlig unverständlich, warum das Gericht hier nur eine Sperre von zwei Jahren für Frauen verhängt hat, denn laut Gesetz wäre viel mehr möglich. Ich fordere zudem von der FMH, dass sie den Psychiater umgehend ausschliessen», sagt SVP-Nationalrätin Natalie Rickli.

Für sie ist klar: «Verurteilte Sexualstraftäter dürfen grundsätzlich nicht mehr mit Patienten arbeiten.» Seit Anfang Jahr sei endlich das Verbot der Arbeit mit Kindern für Pädokriminelle in Kraft, das ebenfalls für Patienten gilt. «Ein solches Berufsverbot braucht es auch für Sexualstraftäter im medizinischen Bereich.»

Verbände sollen Täter ausschliessen

Rickli fordert zudem Arbeitgeber und Verbände im medizinischen Bereich auf, als Sofortmassnahme Angestellte, die alleine Zeit mit Patientinnen verbringen, auf Einträge im Strafregister zu kontrollieren. Sexualstraftäter seien sofort auszuschliessen. «Die Patientensicherheit hat oberste Priorität. Hier muss man genau hinschauen und schnell handeln.»

Auch SP-Nationalrätin Bea Heim findet, so etwas gehe nicht. «Das ist eine krasse Verletzung der beruflichen Pflichten und Grundsätze». Heim fordert:«Gerichte müssen künftig in solchen Fällen für einen Eintrag ins Berufsregister sorgen. Es gilt zu verhindern, dass der Psychiater andernorts erneut beschäftigt und übergriffig werden könnte.» Sie findet Ricklis Vorschlag prüfenswert. «Zwar bin ich gegen Aktionismus. Doch gilt es Patientinnen und Patienten vor solchen Entgleisungen zu schützen.»

Für Jürg Schlup, Präsident der FMH, stehen die kantonalen Gesundheitsdirektionen in der Pflicht. «Diese müssen den Prozess für den Entzug von Berufsausübungsbewilligungen für Ärzte verbessern, denn nur sie können Bewilligungen entziehen.» Die Ärzteverbände seien darauf angewiesen, Informationen zu solchen zum Teil nicht-öffentlichen Verfahren und Urteilen zu erhalten. «Nur dann können sie aktiv werden und einzelne Mitglieder vom Verband ausschliessen.»

Meldungen aus der Bevölkerung helfen

Laut Thomas Heiniger, Präsident der der Konferenz der Gesundheitsdirektoren und Zürcher Gesundheitsdirektor, sind Gerichte und Behörden bereits jetzt verpflichtet, den kantonalen Behörden Mitteilung über Verfahren oder Verurteilungen von Medizinalpersonen zu machen, die berufsrelevant sind. Strafregisterauszüge würden von den Behörden bei der Erteilung von Berufsausübungsbewilligung (BAB) überprüft. «Diese Praxis funktioniert im Kanton Zürich gut.»

Verbessert werden könne die Praxis etwa durch die routinemässige Kontrolle bei Verlängerung der BABs sowie durch die Überprüfung bei Hinweisen. «Diese Hinweise können von anderen Behörden, Patienten, Ärzten, aus der Bevölkerung, aus den Medien oder auch aus Ärztegesellschaften kommen», so Heiniger.

(the)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chl am 03.02.2019 21:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverantwortlich

    Unglaublich!!! Es ist doch nicht möglich, dass dieser angebliche Therapeut noch ne Zulassung hat und weiter praktizieren kann. Was haben wir nur für Ämter und Behörden, gesetzte und Richter?

    einklappen einklappen
  • njb48 am 03.02.2019 21:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mich überrascht nichts mehr

    Unsäglich! - Ein Berufsverbot sollte klar sein.

  • Nigul am 03.02.2019 23:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfassbar

    Geht ja gar nicht!!! Und wenn ich in 2 Jahren im Aargau zu einem Psychiater muss, lande ich dann bei DEM!?? Bitte Name öffentlich machen!!! Wo ist da der schutz der bürger?? Unglaublich!!!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stani am 04.02.2019 20:13 Report Diesen Beitrag melden

    Sexueller Missbrauch in Psychtrie nicht unüblich

    Ich erinnere mich vor einigen Jahren eine Statistik gelesen zu haben die behauptet 60% aller sexuellen Missbräuche an Patienten in der Medizin geschehen in der Psychiatrie (sofern man die Psychiatrie zur Medizin hinzu zählt). Eigentlich umso arger wenn man bedenkt "wie klein" die Psychiatrie im Vergleich zu allen medizinischen Fachbereichen ist.

  • R. Feller am 04.02.2019 19:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bei und Usus

    Solche Psychiater erstellen dann in15 Minuten Gutachten für Versicherungen und Gerichte. So funktioniert nun mal das Schweizersystem.

  • Nurich am 04.02.2019 17:52 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Immer dieser Täterschutz... ich kann es kaum glauben. So jemand gehört weggesperrt!

  • Monica am 04.02.2019 16:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz 2019

    Die Schweiz hat sicher ihre Vorzüge. Aber den Glauben an Recht, an Gerechtigkeit, an den Staat, an die Justiz, den habe ich verloren.

  • Heinrich Schweizer am 04.02.2019 16:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Täter- oder Datenschutz?

    Ja, ja, der liebe Täterschutz. Ähm, Datenschutz