Vor dem WM-Schlüsselspiel

20. Juni 2018 13:06; Akt: 20.06.2018 18:15 Print

Serbische Medien gehen auf Shaqiri los

Bilder von Shaqiri führen nicht nur auf Instagram zu Eskalationen. Auch serbische Medien schiessen nun gegen den schweiz-kosovarischen Fussballspieler.

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Während Brasilien nach dem 1:1 immer noch gefrustet gegen die Schweizer Nationalmannschaft schiesst und sich alles andere als souverän zeigt, wird unsere Nationalelf nun auch vom Lager des anstehenden Gegners Serbien angegangen. Dabei steht Xherdan Shaqiri im Fokus.

Der Mittelfeldspieler sorgt in den serbischen Medien für Schlagzeilen. Dies, weil er mit Anspielungen gegen die serbische Mannschaft sticheln soll. Heiss diskutiert wird vor allem ein Instagram-Bild von Ende Mai, auf dem seine Fussballschuhe zu sehen sind. Diese zeigen sowohl die Schweizer als auch die kosovarische Flagge. Seit der Veröffentlichung wird Shaqiri in den Kommentaren von serbischen Fans beleidigt und zurechtgewiesen.

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Kosovo-Flagge auf den Schuhen

In einem Artikel der serbischen Zeitung «Kurir» mit dem sinngemäss übersetzten Titel «Serbiens Angreifer vernichtet alle Albaner aus der Schweizer Nationalmannschaft in zwei Sätzen» äusserte sich auch der serbische Stürmer Aleksander Mitrovic zu den Schuhen: «Ich habe die Geste mit der Flagge von Kosovo nicht als Provokation verstanden. Das ist sein Ding und ich sollte mich nicht dafür interessieren.»

Jedoch sei ihm etwas anderes fremd: «Wenn sie Kosovo schon so sehr lieben, warum verteidigen sie dann die Farben anderer Länder? Ich kenne Shaqiri und ausserhalb des Fussballfeldes ist er ein toller Typ, dem Fair Play wichtig ist.» Sich mit den Abbildungen zu befassen, sei nicht ihre Aufgabe: «Ihr Ding ist es, diese Fussballschuhe anzuziehen und sich damit zu fotografieren. Unsere Aufgabe ist es, so gut zu spielen, als ob es das letzte Spiel unserer Karriere wäre.»

Auch das serbische Online-Portal «Srbin.info» schreibt: «Der Schweizer Spieler Shaqiri begann einen Sonderkrieg gegen Serbien, indem er ein Foto veröffentlichte, auf dem das Wappen von Kosovo zu sehen ist.»

«Wir haben vor niemandem Angst»

Für hitzige Gemüter sorgt auch ein Bild, das Shaqiri Anfang Dezember postete. Zu sehen sind er und die Auflistung der Gruppe E. Am Ende der Liste steht Serbien. Gemäss dem serbischen Online-Portal «Srbin.info» ist das ebenfalls eine subtile Provokation, die eigentlich dafür stehe, dass Shaqiri Serbien als Gruppenletzten sieht. Dazu schrieb Shaqiri: «Ich mag diese Auslosung. Und ihr?» In den Kommentaren gehen Albaner und Serben verbal aufeinander los.

Zudem sorgte Shaqiris furchtlose Aussage ebenfalls für grosse Aufregung, wie «Vesti» und «Kurir» schreiben. «Wir haben vor niemandem Angst. Wir kennen unsere Fähigkeiten, wir haben grossartige Spieler. Wir haben gezeigt, dass wir mit Brasilien mithalten können. Jetzt liegt der Fokus auf Serbien und wir glauben an ein positives Ergebnis», so Shaqiri. Deshalb fordert er mehr Respekt und Anerkennung für sein Team: «Ich hoffe, dass die Leute anfangen werden, die Schweizer Nati ernst zu nehmen.»

«Die Niederlage ist in ihrer DNA»

Anscheinend fühlen sich die Serben aber allgemein von den Albanern provoziert. «Das wird mehr als nur ein Spiel gegen Serbien – die Albaner sind speziell motiviert und halten die Schweizer Nati wegen der vielen eingebürgerten Albaner für ihr B-Team», schreiben der serbische «Telegraf» und «Kurir». Besonders die Ansage des Twitterers Albanian Soccer stösst ihnen sauer auf: «Das Spiel wird voller Spannungen sein. Wir bringen den Serben bei, dass die Niederlage in ihrer DNA geschrieben ist.»

Albanische Medien wie etwa «Bota Sot» haben die Berichte aus Serbien aufgegriffen. Dass Shaqiri im Nachbarland für hitzige Diskussionen sorgt, erklären sie sich damit, dass er als Risikofaktor eingestuft werde, weil er aus jeder Lage ein Goal schiessen könne.

«Das jetzt ist nur ein Fussballspiel»

Ob Shaqiris Aktionen die Serben bewusst subtil ärgern oder ob der Rummel nur für Stimmung sorgen soll, ist unklar. Klar hingegen ist, dass sich sowohl Shaqiri als auch die anderen Spieler sich sowohl physisch als auch psychisch auf die bevorstehenden Spiele vorbereiten müssen.

Dass Shaqiri zwischen Sport und Politik unterscheidet, geht aus einem Bericht des serbischen Online-Portals «BlicSport» hervor: «Viele Leute denken, dass es hier um Politik geht und erwarten viel, vor allem weil ich aus dem Kosovo stamme. Serbien hat gegen Kosovo gekämpft – aber das ist jetzt nur ein Fussballspiel und nicht mehr.»

Serbien-Trainer Mladen Krstajic sieht es genauso wie Shaqiri. Schon vor zwei Monaten sprach er im Interview mit einem Schweizer Journalisten über das bevorstehende WM-Spiel und die Nati: «Wissen Sie, ich bin aus einem Land mit mehreren Kulturen, aus Bosnien. Mein Vater ist Montenegriner, meine Mutter Serbin. Ich bin ein internationaler Mensch. Die Nationalität ist für mich nicht relevant, dafür aber, dass die Schweiz ein gutes Team ist  – und ein extrem multikulturelles.»

(qll/mon)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Serbe am 20.06.2018 13:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Politik im Sport!

    Leute hört auf mit Politik und spielt einfach Fussball! Möge der bessere gewinnen!

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  • Serbischer Fussball Fan am 20.06.2018 13:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Medienschlacht

    Mitrovic hat den Nagel auf den Kopf getroffen! Der ganze rest von diesem Artikel ist nur eine medienschlacht zwischen albanien und serbien... aber als B-Manschaft kann man die schweiz nicht bezeichnen, dass geht zu weit.

  • Serbe am 20.06.2018 13:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz-Serbien

    Wenn man für die Schweiz spielt, sollte man keine anderen Flaggen auf sich tragen, vor allem nicht während den Spielen. Man sollte das Land mit Stolz vertreten und nicht wegen dem Geld. Die Rangliste und die Schuhe sind klare Provokationen. Es war klar das so etwas wieder vorkommt. Beim Drohnen-Spiel haben die Provokationen den Albanern zum Sieg verholfen. Möge die bessere Mannschaft gewinnen, nicht die Agressivere! Fussball ist ein Spiel und kein Krieg.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Musti am 21.06.2018 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Riesen Kindergarten

    Es ist Fussball. Es ist Sport! Kein Krieg, kein Feind, nichts passiert! Benehmt euch einmal wie richtige Erwachsene und feiert gemeinsam. Der Bessere soll gewinnen. Ist doch Egal wer! Meine Güte, ich verstehe gewisse Menschen einfach nicht!

  • Arnim di Zeme am 21.06.2018 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    Schade.

    Wäre er etwas abgeklärter, wäre er vielleicht noch etwas besser auf dem Platz. Thema "Energie verschleudern für sinnlose Provokationen".

  • Peter am 21.06.2018 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Öl ins Feuer...

    Was soll das denn? Ich dachte die WM wäre eine Sportveranstaltung und nicht ein Politik-Event. Solche Provokationen gehören definitiv nicht zum Fairplay.

  • Arrabella am 21.06.2018 10:58 Report Diesen Beitrag melden

    Kann man nicht verstehen

    Ich verstehe die Schweizer nicht. Was wollt ihr eigentlich, dass Shaqiri verleugnet dass er Albaner ist? Nehmen wir mal an ein Schweizer lebt seit Jahren in Afrika, wird er dann automatisch zum Afrikaner?? Als wäre es etwas schlechtes Albaner zu sein. Hauptsache ist doch, er schiesst Tore für die Schweiz und spielt mit Herzblut dabei. Im übrigen hat Özil auch die Türkische Flagge auf den Schuhen und spielt für die Deutschen. NA UND?

  • Schwarzer Abt am 21.06.2018 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Zufall

    Es ist doch nur dem "Zufall" geschuldet, dass Shakiri&Co. für die Schweiz spielen. Hätte es die Kosovarische Nationalmannschaft schon vor, sagen wir mal 15 Jahren gegeben, würden niemand von denen für die Schweiz spielen. Sportliche Grüsse