Logistiker bis Tierpfleger

11. November 2019 16:06; Akt: 11.11.2019 16:06 Print

«Sich wohl zu fühlen, ist wichtiger als der Lohn»

Schüler und Lernende sagen, warum bei ihrer Lehrstellenwahl der Lohn nicht an erster Stelle stand – oder warum sie sich mit mehr Geld selbstständiger fühlen.

Bildstrecke im Grossformat »
«Ich habe jene Stelle in der Firma gewählt, in der ich mich wohl gefühlt habe und die die spannenderen Arbeiten bot», sagt Logistikerin Flavia Suter. «Der Lohn ist mir nicht so wichtig. Ich möchte den Tieren helfen, das ist mein grösster Wunsch», sagt der angehende Tierpfleger Timon Winkler (15). In der nachfolgenden Bildstrecke sehen Sie, wie Firmen mit Goodies um Lernende werben. Generalabo, Geldprämien oder mehr Ferientage: Diese Anreize haben die Leser während der Lehre bekommen. Insbesondere Detailhändler locken mit speziellen Goodies Lehrlinge an. Bei Lidl gibts neuerdings für Lernende ein Gratis-GA. Bei Coop gibts Angebote wie einen 500-Franken-Gutschein für einen Laptop und ein Halbtaxabo. Auch am GA beteiligt man sich mit 650 Franken. Auch die Migros zahlt Zuschüsse ans GA und andere ÖV-Abos. Dazu wirbt der Händler mit finanziellen Vorteilen bei der Migrosbank und mehr Ferien. Bei Denner gibts einen Gutschein für Schulmaterial im Wert von 300 Franken. «Grundsätzlich brauchen wir keinen Köder, um Lernende für Denner zu begeistern», hält ein Sprecher fest. Chicorée gibt Lernenden einen monatlichen Einkaufsgutschein im Wert von 50 Franken und 50 Prozent Personalrabatt. Dazu kommt ein Halbtax-Abo. Und die Firma bietet für gute Noten Prämien von bis zu 1100 Franken. Bei Media-Markt gibts ein Notebook, dass man auch nach Lehrabschluss behalten darf. Dazu kommen Mitarbeiterrabatte. Ikea übernimmt Kosten, die während der Lehre anfallen, etwa für Schulmaterialien. Zudem bekommen Lernende mit guten schulischen Leistungen Ikea-Gutscheine. Besonders engagierten Lernenden stellt Aldi Suisse bei ausgezeichnetem Abschluss Erfolgsprämien und Reisegutscheine in Aussicht. Bei der Landi beziehungsweise Fenaco legen die einzelnen Genossenschaften selbst fest, was die Lernenden an zusätzlichen Anreizen erhalten. Laut Fenaco können es finanzielle Beiträge an Lehrmittel und Schulmaterial sowie an einen Laptop sein.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Flavia Suter (21), Logistikerin

Umfrage
Wie wichtig ist Ihnen der Lohn?

«Ich konnte zwischen zwei Lehrstellen als Logistikerin auswählen. Bei beiden wusste ich nicht, wie es lohntechnisch aussieht. Es war mir auch nicht so wichtig: Ich habe jene Stelle in dieser Firma gewählt, in der ich mich wohl gefühlt habe und die die spannenderen Arbeiten bot. Im Gegensatz zum anderen Betrieb konnte ich nämlich hier nicht nur den Wareneingang bearbeiten, sondern auch Labor- oder Produktionsarbeiten übernehmen. Überzeugt hat mich auch das Team, das mich bereits beim Schnuppern ernst genommen und nicht als billige Arbeitskraft angesehen hat. Auch der Chef gab mir regelmässig Rückmeldungen zu meiner Arbeit und half mir später auch bei Problemen in der Schule. Umso besser war, dass der Lohn dann auch einer der höchsten im Vergleich zu den Klassenkollegen war. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Entscheidung, ich arbeite auch heute noch im selben Betrieb.»

Lohn laut der Plattform Yousty: 1. Jahr: 650 bis 750 Fr.; 2. Jahr: 850 bis 950 Fr.; 3. Jahr: 1150 bis 1250 Fr.

Timon Winkler (15), angehender Tierpfleger

«Ich weiss nicht einmal, was der Lohn in meinem Beruf wäre (Anm. d. Redaktion: Im ersten Lehrjahr 430 bis 740 Franken). Es ist mir auch nicht so wichtig. Ich möchte den Tieren helfen, das ist mein grösster Wunsch. Wichtig ist mir auch, nicht zu weit pendeln zu müssen. 40 Minuten ist das Maximum. Deshalb habe ich mich auf Stellen, die weiter entfernt sind, gar nicht beworben. Teils gibt es auch Wochenendarbeit in meinem Beruf. Da es mir wichtig ist, am Wochenende auch Zeit für mich und Freunde zu haben, ist das auch ein Kriterium. Für mich ist klar: Ein super Lohn könnte mich nicht davon überzeugen, eine andere Lehre zu machen oder eine Stelle anzutreten, in der es mit dem Team oder dem Arbeitsklima nicht passt.»

Lohn laut der Plattform Yousty: 1. Jahr: 430 bis 740 Franken; 2. Jahr: 550 bis 950 Franken; 3. Jahr: 690 bis 1230 Franken.

Marco* (18), Zeichner Fachrichtung Ingenieurbau

«Das Wichtigste bei meiner Wahl war natürlich der Beruf. Ich habe in meinem Beruf fünf Schnupperlehren gemacht, um sagen zu können, dass es mein Wunschberuf ist. Ich habe mich dann nur bei jenen Betrieben beworben, bei denen mir auch das Team gefallen hat. So konnte ich am Schluss zwei Bewerbungen zurückziehen. Bei der Wahl sollte das Betriebsklima sehr weit vorne sein. Denn mit guten und freundlichen Arbeitskollegen lässt es sich viel besser arbeiten, und man lernt auch viel mehr. Der Lohn sollte gar nicht weit vorne sein, denn dadurch lernen viele einen Beruf, den sie nur des Geldes wegen machen.»

Lohn laut der Plattform Yousty: 1. Jahr: 567 Fr.; 2. Jahr: 725 Fr.; 3. Jahr: 933 Fr.; 4. Jahr: 1181 Fr.

Kevin* (15), angehender Informatik-Lernender

«Ich habe letzte Woche die Zusage für eine Informatik-Lehrstelle bekommen. Dort verdiene ich im ersten Lehrjahr 650 Franken. Ich habe diesen Job gewählt, weil der Lohn relativ gut ist. Mir ist das wichtig, da ich mit dem Geld schon viel vorhabe: Ferien planen, Sparen oder einfach mir kleine Dinge erfüllen. Wenn der Lohn also klein ist muss ich länger darauf hinarbeiten. Ich möchte selbstständig sein, da es mir mehr Freiheiten gibt. Arbeitszeit und Zukunftschancen sind mir schon auch wichtig, wenn sie für mich nicht übereinstimmen, kann ich mit dieser Lehrstelle nichts anfangen. Der Arbeitsweg hat für mich keinen grossen Einfluss. Ich habe mit dem Pendeln schon in der Schulzeit Bekanntschaft gemacht, als ich von Zofingen nach Bern fahren musste.»

Lohn laut der Plattform Yousty: 1. Jahr: 550 bis 650 Fr.; 2. Jahr: 750 bis 850; 3. Jahr: 950 bis 1100; 4. Jahr: 1200 bis 1400 Fr.

*Namen geändert.

(pam)