Im Hölloch eingeschlossen

21. Januar 2018 18:26; Akt: 21.01.2018 19:15 Print

«Sie haben im Biwak Essen für bis zu zehn Tage»

Ein Höhlenführer und sieben Tour-Teilnehmer sind im Hölloch eingeschlossen. Dort werden sie wohl länger ausharren müssen. Hungern müssen sie jedoch nicht.

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Am Samstag trat die achtköpfige Gruppe mit einem diplomierten Höhlenführer die zweitägige Biwak-Expedition ins Hölloch an, am Sonntagnachmittag hätten sie wieder zurückkehren wollen. Doch ein Wassereinbruch verunmöglicht dies.

Das Biwak, wo die Gruppe sich aufhält, sei hochwassersicher, sagt Franz Auf der Maur von der Rettungskolonie Muotathal der Speleo-Secours Schweiz. Bekannt sei, dass alle unverletzt seien und es ihnen gut gehe. Dies weiss man dank dem Datenübertragungssystem Cave-Link, mit dem das Biwak ausgestattet ist. Dieses ermöglicht die sichere Datenübertragung durch den Fels hindurch. Über Cave-Link kann man zwar nicht telefonieren, aber Nachrichten verschicken.

Höhlenretter unterwegs zu den Eingeschlossenen

Speleo-Secours hat vier Höhlenretter losgeschickt, die derzeit zum Biwak unterwegs sind und am Sonntag zwischen 20 und 22 Uhr dort ankommen dürften. «Es gibt Zugangswege ins Hölloch, die nur Höhlenforschern vorbehalten sind, die aber anders als der von Touristen genutzte Weg derzeit begehbar sind», so Auf der Maur.

Verlassen können die Eingeschlossenen das Hölloch auf diesen Wegen jedoch nicht. Auf der Maur: «Wer diese benutzen will, muss ein Profi sein.» Der eingeschlossenen Gruppe würden die Einsatzkräfte nun Ersatzbatterien für ihre Stirnlampen mitbringen – sowie Lebensmittel.

«Biwak ist ausgestattet wie eine Berghütte»

Mit Essen sei aber auch das Biwak bereits ausgestattet, sagt Auf der Maur. «Der Vorrat reicht wohl für acht bis zehn Tage.» Auch Pesche Draganits vom Trekking Outdoor-Team, das die Tour organisiert hat, sagt: «Das Biwak ist ausgestattet wie eine Berghütte.»

Warum aber wurde die Gruppe vom Wasser überrascht? Laut Auf der Maur hat es am Samstag länger geregnet als erwartet. «Man ging davon aus, dass Schneefall einsetzen würde, stattdessen fiel weiter Regen, wodurch der Wasserpegel im Hölloch stieg.»

Regen könnte Eingeschlossene länger festhalten

Ein Vorwurf sei den Organisatoren der Tour seiner Meinung nach nicht zu machen, sagt Auf der Maur: «Ich wäre bei diesen Verhältnissen wohl auch in die Höhle gegangen.» Derzeit schneie es und der Wasserstand sinke wieder. «Sollte es am Montag aber erneut regnen, könnte es noch einige Zeit dauern, bis sie das Hölloch verlassen können.»

Es sei jedoch jederzeit möglich, zu den Eingeschlossenen vorzudringen und sie zu versorgen, so Auf der Maur: «Wenn nötig, könnten wir auch einen Arzt reinschicken.»

Laut Tour-Organisator Draganits hat der Guide, der bei den Eingeschlossenen ist, 25 Jahre Erfahrung. Die Mitglieder der Gruppe stammen aus der Deutschschweiz. «Sie sind alle jung und in guter körperlicher Verfassung.» Sie seien nie in Gefahr gewesen. «Sie müssen jetzt einfach warten, bis das Wasser zurückgeht.»

(lüs/sil)