Schweizer Geisel in Mali

11. Januar 2016 20:06; Akt: 11.01.2016 20:06 Print

«Sie hatte schon immer einen sturen Kopf»

Terroristen haben die Baslerin Beatrice S. am Freitag in Mali entführt. Warum war sie trotz Todesdrohungen in das Land zurückgekehrt? Ein Bekannter erzählt.

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Die Baslerin Beatrice S.* (43) wurde in der Nacht auf Freitag in Timbuktu, Mali, aus ihrem Haus entführt – bereits zum zweiten Mal. Die Frau ist in der westafrikanischen Oasenstadt seit Jahren als Missionarin tätig.

Noch hat sich niemand zu der Entführung bekannt. Eine Quelle aus malischen Sicherheitskreisen sagte der Nachrichtenagentur AFP jedoch, dass die Baslerin im Auftrag der Islamistengruppe al Qaida im islamischen Maghreb (AQMI) gekidnappt worden sei.

Nacht in Timbuktu verbracht

Die Entführung sei offenbar sorgfältig geplant worden. Die Islamisten hätten mit ihr noch die Nacht in Timbuktu verbracht, bevor sie sie an am Freitagmorgen an einen unbekannten Ort gebracht hätten, so die Quelle.

Der Staatsanwalt Boubacar Sidiki Samaké sagte lokalen Medien, eine Untersuchung sei eröffnet worden, man habe aber keine Neuigkeiten von der Geisel. Gemäss einer militärischen Quelle besteht aber kein Zweifel, dass Islamisten hinter der Entführung stecken.

Beatrice S. war bereits im April 2012 ein erstes Mal von Islamisten verschleppt, nach zehn Tagen aber wieder freigelassen worden. Die Kampfgruppe Ansar Dine hatte damals gedroht, die Baslerin dürfe nie wieder nach Timbuktu zurückkehren, sonst werde sie getötet. Vor zehn Jahren war Beatrice S. mit der Missionsgesellschaft Neues Leben Ghana nach Mali gereist und sah es danach als ihre Aufgabe an, den Kindern und Frauen dort zu helfen.

«Sie machte auf eigene Faust weiter»

Jörn André, Leiter von Neues Leben Ghana, zog sich bald darauf mit seiner Organisation aus Mali zurück – und verlor den Kontakt zu Beatrice S. Er habe ihr damals geraten, nicht mehr in Mali zu missionieren, sagt er. Es sei zu gefährlich, gerade für eine Frau. Vergeblich: «Sie machte trotzdem weiter, aber auf eigene Faust. Sie war nicht mehr einer Organisation angeschlossen», sagt André.

Dass sie trotz ihrer Entführung nach Mali zurückkehren würde, war für André klar. «Das war abzusehen, sie hatte schon immer einen sturen Kopf.» Dies habe auch ihre Mutter gesagt, als sie gehört habe, dass sich ihre Tochter trotz Warnungen der Islamisten wieder in das Land begeben habe.

Die Al-Kaida-Zelle im Islamischen Maghreb hat in der Vergangenheit schon andere Europäer entführt – darunter auch Schweizer. Ein Zürcher Ehepaar wurde 2009 von den Islamisten entführt und festgehalten. Die Frau wurde schliesslich nach 90 Tagen freigelassen, ihr Mann erst nach 172 Tagen.

* Name der Redaktion bekannt

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