Erhitzen statt verbrennen

04. September 2018 05:39; Akt: 04.09.2018 08:08 Print

«Sie machen gleich abhängig wie Zigaretten»

von Noah Knüsel - Tabakfirmen werben mit der Sauberkeit ihrer Lifestyle-Zigaretten. Gesundheitsorganisationen fordern nun aber Warnbilder auf dem Päckli.

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An einem Firmenfest raucht N.T.* fast ununterbrochen. Seit einiger Zeit zieht er aber nicht mehr an herkömmlichen Zigaretten, sondern ist auf Heat-Not-Burn-Zigaretten umgestiegen (siehe Box). Dabei wird Tabak nicht verbrannt, sondern erhitzt und dann inhaliert. T. fällt an diesem Abend auf: Auf der Packung ist weder ein Schockbild zu sehen noch sind die schädlichen Inhaltsstoffe aufgelistet.

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Das ist zulässig, weil die Produkte gemäss Gesetz nicht als «zum Rauchen bestimmt» gelten. Nur ein Hinweis muss aufgedruckt sein: «Dieses Tabakerzeugnis kann Ihre Gesundheit schädigen und macht abhängig.»

Lungenliga fordert gleich lange Spiesse

Die Lungenliga will jetzt, dass herkömmliche und Lifestyle-Zigaretten gleichgestellt werden: «Im künftigen Tabakproduktegesetz sollten sie genau dieselben Vorschriften bezüglich Warnhinweisen und Deklaration der Inhaltsstoffe erfüllen», sagt Sprecherin Claudia Künzli.

Auch Verena El Fehri, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz, findet, auf alternativen Tabakprodukten wie E-Zigaretten und Heat-Not-Burn-Erzeugnissen müssten bebilderte Warnhinweise stehen: «Diese müssten aber natürlich an das Produkt angepasst sein.» Angaben zu den Schadstoffwerten brauche es dagegen nicht unbedingt, sagt sie: «Die Erfahrung zeigt, dass das nur wenig abschreckend wirkt.»

Die Gefahr sei sehr gross, dass die Lifestyle-Zigaretten als Einstieg zum normalen Tabakkonsum dienten, so El Fehri. Sie fordert strenge Regulierungen für alle Tabak-Produkte: «Das wegen ihrem gemeinsamen Charakter der Gesundheitsschädigung und Abhängigkeit.»

Kevin Suter, Sprecher von Japan Tobacco International, sagt dagegen: «Wir sind der gleichen Meinung wie das Parlament: Herkömmliche und Heat-Not-Burn-Zigaretten sollten nicht in den gleichen Topf geworfen und auch unterschiedlich reguliert werden.»

Keine Langzeitstudien

Die Tabakindustrie streicht in ihrer Werbung die Rauchfreiheit und die reduzierten Giftstoffe hervor: British American Tobacco schreibt bei der Lancierung seiner Glo-Zigarette von «90 Prozent weniger toxischen Stoffen», JTI verkündet: «Die Technologie hat das Potenzial, die Gesundheitsrisiken beim Rauchen zu verringern.»

Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) muss man davon ausgehen, dass diese Produkte etwa gleich abhängig machen wie klassische Zigaretten. Belegt sei aber, dass man weniger Schadstoffe einatme. Dadurch seien die Produkte deutlich weniger schädlich als herkömmliche Zigaretten.

Laut Claudia Künzli von der Lungenliga fehlen allerdings Langzeitstudien: «Und auch wenn sie weniger schädlich sind, so sind sie nicht harmlos, konnten doch in den bisher untersuchten Produkten schon krebserregende und weitere Schadstoffe nachgewiesen werden.» Wolfgang Kweitel von der AG Tabakprävention fasst zusammen: «Das saubere Image stimmt nicht: Aus giftig wurde nicht harmlos, es wurde einfach ein bisschen weniger giftig.»

«Potenzial, weniger schädlich zu sein»

Auch Kevin Suter sagt: «Es fehlen Langzeitstudien zur Schädlichkeit.» Man habe aber den nikotinhaltigen Dampf getestet, der inhaliert werde: «Dabei wurde er auf neun von der WHO definierte toxische Substanzen untersucht. Von diesen waren 99 Prozent weniger enthalten als in einer normalen Zigarette.»

Man könne zwar nicht sagen, dass das Produkt weniger schädlich sei, so Suter: «Es hat aber das Potenzial, weniger gesundheitsschädigend zu sein.» Er betont aber: «Es ist nicht gesund.» Zum Abhängigkeitspotenzial könne man keine seriösen Angaben machen, weil das von vielen verschiedenen Faktoren abhänge.

*Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • RegnumBohemiae 1182 am 04.09.2018 06:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kopfschütteln

    ein Raucher vermisst die Schockbilder? Sorry, da musste ich etwas schmunzeln. Aber eins noch, mich würden diese Bilder nicht vom Rauchen abhalten, weil die Bilder totaler Schwachsinn sind! Man kommt sich vor, als wäre man doof, wüsste nicht, was man tut und könnte ohne jemand, der einen darauf hinweist nicht existieren; das nennt sich Vormundschaft. Dann könnte man auch draufdrucken: Steuern gefährden ihr Einkommen ;) Wobei das jetzt wirklich nervt

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  • Belmam am 04.09.2018 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mhh

    dann fordere ich bilder auf mc produkten. bilder auf alkoholischen getränken,wie zb übelste unfälle.....alle abschrecken qollen aber die steuer darauf trotzdem zweckentfremden.

  • Heidi Heidnisch am 04.09.2018 06:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teer & Konsorten

    Ist eigentlich offensichtlich, dass beim Verdampfen kein Teer und andere Stoffe eingeatmet werden, die durch die Verbrennung entstehen. Auch fehlen (meistens) die bud zu 4000 nicht deklarierten Zusatzstoffe, Brandbeschleuniger, Parfüm bis hin zu Caramel und Schokolade. Somit ist Verdampfen logischerweise wesentlich weniger schädlich als verbrennen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • the last am 04.09.2018 16:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schockbild

    Also vielleicht schockt das noch die Nichtraucher aber jemand der Täglich ein solches Päckli in den Fingern hält, sieht die Bildchen gar nicht mehr. Totaler Unsinn und Ziel verfehlt. Nur eines würde nützen, keinen Tabak herzustellen und zu verkaufen, nur wären wir dann schnell in der Illegalität. Warum will der Staat uns ständig sagen, was wir lassen sollen, die Steuern, die nimmt er dann trotzdem.

  • Minusdrücker am 04.09.2018 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    Natürlich machen sie gleich abhängig

    Die Tabakindustrie verkauft nichts, was nicht abhängig macht. Das ist doch deren Grundkonzept, wie sollten sie sonst Nachfolgekäufe generieren.

  • Claude Buhler am 04.09.2018 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Erbarmen...

    Ich wohne in den USA. Hier warden von richtigen Langzeit Raucher, die jetzt Lungenkrebs etc haben gezeigt. Original Bilder und Personen mit Namen. Meine Meinung: Jeder der vom Rauchen Lungenkrebs kriegt ist selber schuld. Rauchen ein ganzes Leben lang, kann nicht gesund sein. Dies Weiss jeder. Ich habe einige guten Freunde verloren: Uebermaessig Alkohol, starke Raucher, nie gesund gelebt. That's it meine Freunde in der Schweiz. Raucht weiter mit allen Moeglichkeiten aber bitte keine Traenen. Jeder hat sein Leben in seinen Haenden und hat seine Verantwortung. Do you understand?

  • Migi am 04.09.2018 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    Tabakindustrie mag Dampfen nicht

    Nikotin macht extrem schnell abhängig wie Heroin hat es mal geheissen. Komischerweise habe Ich vorher geraucht mit 0,5mlg Nikotin in den Zigis. Dann umgestiegen aufs Dampfen, dort hatte Ich 18mgl Nikotin ( das 36 Fache!). Dann runter auf 12mgl, dann 6mgl, 3mgl und Heute gar nichts mehr. Sehr komisch wenn das ja so abhängig machen soll wie Heroin, dann müsste ich ja auf diesen 18mgl verweilen. Ausserdem gibt es keine Studien die Beweisen das Nikotin alleine süchtig macht. Es wird vermutet das Nikotin nur im Zusammenspiel mit Tabak und den über 4000 Stoffen in der Zigi süchtig macht.

  • Heidi Heidnisch am 04.09.2018 13:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Suchtmittel Nikotin

    Sicher ist die Abhängigkeit dieselbe, handelt es sich doch in beiden Fällen um das Nervengift Nikotin. Aber genauso wie es besser ist, wenn Heroinabhängige reinen Stoff bekommen, genauso ist es besser, wenn die Nikotinsüchtigen ihre Droge ohne die Verunreinigungen durch die Verbrennung konsumieren können.