Brasilianerin rassistisch beschimpft

21. August 2018 13:59; Akt: 21.08.2018 16:02 Print

«Geh doch zurück nach Afrika!»

Nadimeire S. (31) wollte nur eine Mango kaufen, da wurde sie rassistisch beschimpft. Die Brasilianerin hat bei der Polizei Anzeige erstattet.

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In einer Stadtzürcher Coop-Filiale waren am Mittwoch die Mangos zum Aktionspreis von 1,60 Franken zu haben. Die 31-jährige Brasilianerin Nadimeire S.* freute sich: «Mango ist meine Lieblingsfrucht, sie erinnert mich an meine Heimat.» Sie schnappte sich beim Einkauf zur Mittagszeit eine der Früchte, drückte sie leicht und roch daran, um zu überprüfen, ob die Mango schon reif war.

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Dieser Reife-Check missfiel einer anderen Kundin. «Eine Dame sprach mich wütend an, ich solle das doch lassen und nicht ‹wie ein Tier› an der Mango riechen», sagt S. Sie habe erwidert, sie würde die Mango ja kaufen, und wolle nur wissen, ob die Frucht schon reif sei. «Die Frau antwortete mir darauf nur: ‹Geh doch zurück nach Afrika.› Dabei bin ich ja nicht mal von dort.»

«Ich will mich wirklich so gut es geht hier integrieren»

S. habe die Welt nicht mehr verstanden und sich gedacht: «Schweizer schauen doch auch, ob die Mango reif ist.» Sie habe den Laden verlassen und sei daraufhin in Tränen ausgebrochen, erschüttert, dass sie in ihrem Quartierladen nicht mal mehr einkaufen könne, ohne rassistisch beleidigt zu werden.

«Ich bin seit zwei Jahren in der Schweiz, bin aus Liebe zu meinem Mann hierhergekommen. Ich will mich wirklich so gut es geht hier integrieren, habe schon zwei Ausbildungen gemacht und arbeite als Englischlehrerin. Wenn dann so etwas passiert, verletzt mich das sehr», sagt S., die gut Deutsch spricht.

Anzeige bei der Polizei

Immer wieder werde sie in der Schweiz rassistisch behandelt oder diskriminiert, weil sie eine dunkle Hautfarbe habe. «Ich will mich wirklich nicht beschweren und weiss, dass es eben solche Leute gibt, aber diese Woche war es besonders schlimm, und der Mango-Fall hat das Fass zum Überlaufen gebracht, ich halte es nicht mehr aus.»

Sie sei nun zur Polizei gegangen und habe Anzeige gegen unbekannt erstattet. Die Stadtpolizei Zürich bestätigt, dass sie in dem Fall Ermittlungen aufgenommen hat. Nadimeire S. will sich nicht unterkriegen lassen. Ihre Identität und Hautfarbe mache sie aus und bedeute ihr sehr viel. «Falls ich nochmals geboren werde, wäre ich sehr glücklich, wieder eine schwarze Frau zu sein.»

Beratungsnetz verzeichnet mehr Rassismus gegen Schwarze

S. ist nicht allein: Das Beratungsnetz für Rassismusopfer protokolliert Fälle, in denen sich Personen wegen rassistischer Vorkommnisse in der Schweiz an Fachstellen wenden. Laut dem Jahresbericht 2017 ist Rassismus gegen Schwarze mit 95 Nennungen nach dem generellen Motiv der Ausländerfeindlichkeit weiterhin das am häufigsten genannte Diskriminierungsmotiv. Die Zahl von Rassismus-Vorfällen gegen Schwarze steige tendenziell.

Im Bericht wird beispielsweise von einem Umzugsunternehmen berichtet, dass gegenüber einem Stellenvermittlungsbüro mündlich kundtat, dass «Schwarze oder Menschen aus Afrika» für eine offene Stelle in der Firma nicht in Frage kämen. In einem anderen Fall meldete eine Mutter, dass ihr 10-jähriger Sohn von Klassenkameraden als Negerlein beschimpft und gefragt worden sei, ob er Ebola habe. Hier habe die Beratungsstelle interveniert. Die Schulsozialarbeiterin habe mit den Kindern gesprochen, darauf habe sich die Situation für den Jungen gebessert.


*Name der Redaktion bekannt

(the)