Islamisten in Winterthur

22. November 2015 11:09; Akt: 23.11.2015 15:00 Print

«Sie zahlen Prämien, wenn Frauen Kopftuch tragen»

Rund um die radikale Zelle in Winterthur kommen immer mehr Details ans Licht. Islamisten sollen unter anderem Musliminnen, die sich verschleiern, Geld zahlen.

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Hier sollen Jugendliche radikalisiert werden: Al-Nur-Moschee in Winterthur. (Archivbild vom 17. November 2015) (Bild: Keystone/Walter Bieri)

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Radikale Muslime, die im Umfeld der An'Nur-Moschee in Winterthur verkehren, werben mit Prämien offenbar Jugendliche an. «Sie bezahlen jungen Frauen Geld, wenn sie sich mit einem Kopftuch bedecken und ganz verschleiern», sagte Stadtparlamentarier Blerim Bunjaku (SP) der «NZZ am Sonntag». Belohnt würden auch Verwandte, wenn sie das Niqab-Tragen förderten.

Bunjaku pflegt Kontakt zu mehreren Imamen und muslimischen Vereinen in der Region. Die Islamisten seien nicht nur in Winterthur aktiv, die gleichen Prediger seien zum Beispiel auch in der Moschee in Embrach ZH aufgetreten. Die Prämien für neue Gefolgsleute betragen laut dem Politiker 200 Franken und mehr. Zum Teil erhielten die Umworbenen auch mehrmals Geld, wenn sie sich wie gewünscht verhielten. Aus dem Umfeld der Winterthurer Moschee sollen in den letzten Monaten ein halbes Dutzend Jugendliche und junge Erwachsene in den Krieg nach Syrien gereist sein.

Islamistischer Prediger aus Libyen

Das radikale Gedankengut sollen sie unter anderem von einem aus Libyen stammenden Imam, der Sheikh Mohammed genannt wird, übernommen haben, schreibt der «SonntagsBlick». Nach aussen hin gebe er sich gemässigt, von den Behörden wurde er bislang in Ruhe gelassen.

Bekannt ist, dass Sheikh Mohammed in Libyen gegen Muammar al-Ghadhafi kämpfte und nach der Jahrtausendwende in die Schweiz kam, wo er eine Schweizerin heiratete. Gegenwärtig reist er häufig in sein Heimatland – oft bleibt er monatelang dort. In Winterthur soll er Treffen unter anderem in einem Raum mit verdunkelten Fenstern in der An'Nur-Moschee abhalten.

Kleinen Buben Terror-Videos gezeigt

Moschee-Präsident Atef Sahnoun betont gegenüber der Zeitung jedoch, dass Sheikh Mohammed nur als Aushilfs-Imam tätig sei, an dessen Predigten es nichts auszusetzen gebe. Zudem hat die An'Nur-Moschee reagiert: Seit letztem Wochenende führt sie Personenkontrollen durch. Zudem soll neu stets ein Vorstandsmitglied vor Ort sein, um Extremisten am Agitieren zu hindern.

Doch die Kritik reisst nicht ab: «Die Verantwortlichen in der Moschee tun zu wenig gegen die Radikalen», zitiert der «Sonntagsblick» muslimische Frauen, deren Männer das Gebetshaus besuchen. Kleinen Buben würden dort Terror-Videos des sogenannten Islamischen Staats gezeigt, radikalisierte Väter sollen im Netz Bilder ihrer Kinder mit dem IS-Zeigefinger gepostet haben.

(mlr)