Rumänische Banden

10. August 2016 13:48; Akt: 10.08.2016 13:48 Print

«Sie zahlen den Kriminal-Touristen das Hotel»

von J. Büchi - Laienrichter Michael Derrer will junge Rumänen davon abhalten, in der Schweiz kriminell zu werden. Im Interview sagt er, wie das funktionieren soll.

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Herr Derrer, Sie sind gerade in Bukarest, um dort junge Rumänen davon abzuhalten, als Kriminaltouristen in die Schweiz zu kommen. Wie soll das funktionieren?
Meine Botschaft ist: Es lohnt sich nicht, für Diebestouren in die Schweiz zu kommen. Wer erwischt wird, kassiert happige Strafen. Leider vermitteln rumänische Banden das Bild, es sei ein Spaziergang, bei uns kriminell zu werden – man lande sowieso nicht im Gefängnis. Um die Illusion zu zerstören, gebe ich Interviews in rumänischen Zeitungen, treffe mich mit den Behörden und NGOs.

Umfrage
Was halten Sie von der Präventionskampagne gegen Kriminaltourismus?
47 %
22 %
13 %
16 %
2 %
Insgesamt 2037 Teilnehmer

Letztes Jahr wurden in der Schweiz 2756 Delikte von Rumänen verübt. Sie sind die Ausländergruppe, die in der Schweiz am vierthäufigsten straffällig wird – nach Italienern, Portugiesen und Deutschen – obwohl in der Schweiz sehr wenig Rumänen wohnen. Warum ist das so?
Bei den Kriminaltouristen stehen Rumänen an erster Stelle. Doch die meisten Rumänen sind anständige Leute, die mit kriminellen Aktivitäten nichts am Hut haben. Sie leiden unter dem Image, welches ihr Land aufgrund der Kriminaltouristen hat. Bei den Kriminellen unterscheide ich zwischen drei Kategorien: Es gibt Kleinkriminelle, die sich so ihren Lebensunterhalt sichern wollen. Schwerkriminelle, die sich professionell organisieren. Und dann gibt es viele Naivlinge, die sich von Banden anheuern lassen. Um diese Gruppe geht es mir.

Was wissen Sie über diese «Naivlinge»?
Das sind meist jüngere Leute aus armen Verhältnissen. Meist stammen sie aus ländlichen Gebieten, sind arbeitslos und brauchen etwa nach der Geburt des ersten Kindes Geld. Banden suchen sich in diesem Umfeld ihre Helfer. Sie zahlen den Leuten die Reise über Frankreich in die Schweiz und den Hotelaufenthalt in Mulhouse. Die Bosse erzählen diesen Menschen immer die gleichen Märchen von der zahnlosen Schweizer Justiz.

Handelt es sich oft um Roma?
Nein, in dieser Kategorie eher nicht. Ich möchte hier aber auch keine ethnische Diskussion anzetteln.

Sie haben die Aufklärungskampagne auf eigene Faust organisiert. Wie kamen Sie dazu?
Ich kenne Rumänien seit über 25 Jahren: Zwei Wochen nach dem Sturz von Diktator Ceausescu war ich mit einer Studentengruppe dort. Ich habe ein Jahr lang im Land studiert und die Sprache gelernt. Später durfte ich auch ein Wirtschaftsprogramm im Land leiten, und heute betätige ich mich als Unternehmensberater in Osteuropa. In meiner Funktion als Laienrichter in Rheinfelden AG und als Justizdolmetscher hatte ich nun immer wieder mit rumänischen Kriminaltouristen zu tun. Ich habe mir gesagt: Dagegen musst du etwas unternehmen.

Wissen die Behörden von Ihrem Engagement?
Nachdem ich mit der erfolgreich angelaufenen Medienkampagne in Bukarest zeigen kann, dass man in der Bekämpfung von Kriminaltourismus auch neue Wege gehen kann, werde ich mich an die Behörden wenden, um längerfristige Strategien zu suchen.

In einem Beitrag von TeleM1 äusserte sich auch Lucian Popescu vom Rumänischen Verein Baden grundsätzlich wohlwollend. Er befürchtet jedoch, dass die Kampagne auch Vorurteile gegenüber Rumänen schüren könnte.
Das Gegenteil ist mein Ziel! Ich will ja gerade versuchen, das schlechte Image der Rumänen zu korrigieren. Ich möchte zeigen, dass der Grossteil der Bevölkerung nichts gemein hat mit den Kriminaltouristen mit rumänischem Pass. Von Pauschalisierungen grenze ich mich entschieden ab. Ich habe aus der Studienzeit noch viele Freunde in Rumänien. Sie finden mein Engagement super.

Was gefällt Ihnen persönlich an Rumänien?
Die Herzlichkeit der Menschen, die traditionelle rumänische Musik und das Essen. Ich habe auch eine gewisse Faszination für die Architektur von Bukarest, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass viele Schweizer diese Vorliebe nicht teilen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jggh am 10.08.2016 14:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leider kein Märchen

    "Die Bosse erzählen diesen Menschen immer die gleichen Märchen von der zahnlosen Schweizer Justiz." - das ist wohl leider kein Märchen, sondern tragische Realität!

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  • Beat Bachmann am 10.08.2016 14:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kuscheljustiz.....und nachher???

    was nüzten solche aufklärungen? nichts. die werden ja von unserer kuscheljustiz eh nur mit samthandschuhen angefasst. kriegen vielleicht nur 1 jahr, gehen ins vergitterte hotel mit 3 mahlzeiten pro tag, werden wieder freigelassen; und nachher hopp de bäse, wird weiter geklaut.

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  • Andre am 10.08.2016 14:22 Report Diesen Beitrag melden

    WOW, cooler Typ

    Das ist mal ein weltoffener Mensch. Solche Menschen braucht es mehr. Die den Kern des Problems erkennen und auch handeln und vorallem etwas gegen Pauschalisierung machen. Ich wünsche ihm viel Erfolg.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Londinium Cross am 10.08.2016 16:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nomen est omen

    Laienrichter gehören weg, so wie in Zürich. Das sind keine vom Volk gewählten Juristen sondern Irgendwelche, die von einem Verband aufgestellt werden, vom Gesetz aber wenig Ahnung haben. Die sitzen dann im Gerichtssaal und urteilen. Vor allem an gewissen Landgerichten. Bitte erklärt den Leuten, was ein Laienrichter genau ist. Das wissen nicht viele. Laienrichter sprechen nicht als Diplomaten oder "echte" Richter.

  • Patric Hurschler am 10.08.2016 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Es wäre der Sache dienlicher...

    ... wenn die Schweiz mit jedem EU Land einen Vertrag ausmachen würde welcher klar regelt dass JEDER, und damit meine ich JEDER, EU Bürger wenn er straffällig wird in der Schweiz abgeurteilt wird und dann gleich im Anschluss an die Verhandlung von Polizisten seines Heimtlandes abgeholt wird. Dito wäre noch begrüssenswert bei Bürgern aus Nigeria, sowie dem gesamten Maghreb. Wetten die Zahlen würden innert Wochen purzeln.

  • Raggii am 10.08.2016 15:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Harte Strafen?

    Seit wann verteilt fie Schweizer justiz harte Strafen, mal abgesehen von Verkehrsdelikten? Die 2 Polen, die mit einem Lieferwagen voll geklauter Velos an der Grenze erwischt wurden, wisst ihr was mit denen passiert ist? Man hat sie ein paar wenige Tage festgehalten und dann auch noch finanziell dafür entschädigt. Ja, so harte Strafen gibts in der Schweiz

    • Swisslady am 10.08.2016 15:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Raggii

      Gerade aus diesem Grund haben wir hier so viel kriminelle Subjekte. Der Tätet wird zum Opfer. Was für eine Zukunft

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  • Zulu am 10.08.2016 15:34 Report Diesen Beitrag melden

    JETZT richtige Bezeichung verwendet

    Gestern noch stand als Berufsbezeichung "Richter". Heute ist es korrekt "Laienrichter". Da besteht ein enormer Unterschied. Laienrichter sind keine Profis (nomen est omen). Das sind keine vom Volk gewählten Richter, die bei uns das Gesetz ausüben. Es wäre schön, wenn man das im Artikel auch erklären würde, denn die meisten wissen das nicht und denken, dass da nun ein Richter herumzieht und Gauner belehrt. So etwas würde kein professioneller Richter tun, und ich fände es unleidig, wenn es deswegen Missverständnisse gibt. Zum Glück wird demnächst über die Abschaffung der Laienrichter abgestimmt.

  • Gustaff am 10.08.2016 15:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Romas in Rumänen

    Als Einzelner kann er gar nichts erreichen. Letzte Woche habe ich gerade ein Feature über dieses Thema auf DLF gehört. Dort wurde berichtet, dass es in Rumänien Roma-Dörfer gibt, wo Halunken und ihre Kinder regelrecht gezüchtet und für Diebstähl geschult werden. Auch ein grosser Druck der Deutschen Regierung hat nichts gebracht. Das Dorf wurde wohl von der Rumänischen Polizei gestürmt und geräumt, jedoch fand die ganze "Schulung" schon nach wenigen Tagen einfach im nächsten Dorf statt. Der Autor des Berichtes vermutet auch, dass eine grosse Organisation dahintersteht. Nach seiner Meinung gibt es nur eine Lösung: Keine rumänischen Romas mit Kindern mehr einreisen lassen. Die Probleme sollen die Rumänen unter sich lösen. Sie wissen selber am besten, was besser für sie ist: Halunkentum oder anständige Gäste. Ich bin eher das Gegenteil eines Rassisten oder Ausländerfeindes, aber solche Informationen geben mir schon zu denken.