Türkischer Botschafter

02. Mai 2016 20:51; Akt: 02.05.2016 20:51 Print

«So behandelt man keine Schweizer Politiker»

von D. Pomper - Der türkische Botschafter Mehmet T. Güküc rügt Schweizer Parlamentarier, die die Türkei kritisieren. Nun gerät er selber unter Beschuss.

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Will nicht kritisiert werden: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. (Bild: Keystone/AP/Burhan Ozbilici)

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Die SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen kritisierte in einem Interview im Januar die Offensive der türkischen Armee gegen die Kurden. 14 Tage später erhielt sie einen Brief des türkischen Botschafters Mehmet T. Güküc, in dem er seine «Empörung» über die Kritik ausdrückte. SVP-Nationalrat Andreas Aebi erhielt einen Telefonanruf vom Botschafter, nachdem er das Vorgehen der Türkei gegen die Kurden als «nicht akzeptierbar» kritisiert hatte. Das berichtet die «SonntagsZeitung».

Kiener Nellen hält den Brief des Botschafters für eine «ungehörige Reaktion» einem gewählten Schweizer Parlamentsmitglied gegenüber. Andere Botschaften reagierten auf Kritik immer diplomatisch. Aebi bezeichnet Güküc als «einen der aktivsten Botschafter».

«Regime-Kritik im Keim ersticken»

«Es geht nicht an, dass der Botschafter Schweizer Parlamentarier so respektlos behandelt», sagt Carlo Sommaruga. Der SP-Nationalrat ist Co-Präsident der parlamentarischen Gruppe für die Beziehung zum kurdischen Volk. Das undiplomatische Verhalten des Botschafters sei wohl Ausdruck des grossen Druckes, der von Erdogan ausgehe, glaubt Sommaruga. Ziel sei es, Regime-Kritik auch ausserhalb des Landes gleich im Keim zu ersticken. Die Missachtung der Meinungsäusserungsfreiheit zeige, dass die Türkei noch lange kein demokratisches Land sei.

Das habe auch der Vorfall von letzter Woche in Genf gezeigt. Das türkische Konsulat in Genf hatte per E-Mail die Entfernung einer Fotografie des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auf der Place des Nations vor dem UNO-Hauptquartier gefordert. Darauf wird er für die Erschiessung eines 15-Jährigen verantwortlich gemacht. «Anstatt diplomatisch die Sache anzugehen, hat das Konsulat einen grossen Skandal daraus gemacht», sagt Sommaruga.

«Missachtung der nationalen Würde»

Türkei-Experte Maurus Reinkowski deutet das harsche Auftreten des türkischen Botschafters einerseits als Ausdruck verletzten Nationalstolzes: «Die türkische Regierung ist verwirrt. In der Migrations- und Flüchtlingskrise wird die Türkei von Europa als Schlüsselstaat behandelt. Andererseits hagelt es vom Westen heftige Kritik.» Für eine so autoritäre Persönlichkeit wie Erdogan sei diese Gleichzeitigkeit von Anerkennung und Kritik schwer nachvollziehbar. Die Kritik würde zudem als Missachtung der nationalen Würde interpretiert, sagt der Professor für Studien des Nahen und Mittleren Osten an der Universität Basel.

Wegen der innenpolitischen «Erfolge» in der Einschränkung der Meinungsfreiheit und dem Gewinn an aussenpolitischem Gewicht gebe sich die Türkei der Illusion hin, durch Druck Kritiker im Ausland mundtot machen zu können. Nervös sei die türkische Politik aber auch wegen eines drohenden kurdischen Gebildes im nördlichen Syrien. «Die Empfindlichkeit ist durch das Misslingen der türkischen Syrienpolitik gestiegen.» Andererseits versuche die Türkei – motiviert vom Erfolg in der Affäre Böhmermann – ihre Grenzen im Ausland auszutesten und auszuprobieren, wo der Westen nachgibt und wo eben nicht.

Eine Stellungnahme des türkischen Botschafters gab es auf Anfrage keine. Der Botschafter sei erst Mitte oder Ende Mai wieder in der Schweiz, lässt die Sekretärin ausrichten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Franz W. am 02.05.2016 21:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles klar

    Ok, dann weiss die türkische Regierung jetzt, wo bei uns die Grenzen sind. Und übrigens, Herr Erdogan, wer an die Sonne will, muss mit Sonnenbrand rechnen.

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  • iGuru am 02.05.2016 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach

    Den selbsgenannten Sultan Erdogan einfach nicht erst nehmen. Und fertig ist.

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  • Piri am 02.05.2016 21:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zuerst Basis

    Kann nicht sein, das man unsere Politiker angreift, von einem Staat dem Meinungsfreiheit ein Fremdwort ist. Rate dem Türkischen Staat erstmal Grundwerte zu akzeptieren, danach haben wir eine Basis.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Turtolina am 03.05.2016 18:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erdowie Erdowo Erdowahn

    Jetzt ist aber genug gespottet; er kriegt noch einen Herzinfarkt.

    • Janina am 03.05.2016 21:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Turtolina

      Wahr oder nicht, es ist ein Bombenlied!

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  • somuncu am 03.05.2016 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    Wer zum Teufel ist eigentlich willkommen

    in der Schweiz? Ihr habt es ja erstens untereinander nicht gut sei es Romandi, Ticinesi Italiano, Bündner Italiano. die deutschen sind zu letzt gekommen mit Ausbildung und Muttersprache Deutsch und die habt ihr auch vertrieben.

    • Ms am 03.05.2016 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @somuncu

      Ach herrlich, wo haben sie denn das her? Normale Fopperei untereinander, nichts blutiges! Die Deutschen gehen ja freiwillig.

    • Simi am 03.05.2016 17:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @somuncu

      nun Türken haben wir in Hülle und Fülle... sie Bleiben erst recht wenn wir uns vor Erdogan nicht bücken. Ich mag ihren Kebab und hoffe dass nicht abwandern... aber own Erdogan brauche ich hier gewiss nicht.

    • Der Nueselman am 03.05.2016 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      wer nicht?

      Geissenpeter und Co aus Tierschutz Gründen nicht

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  • frei am 03.05.2016 09:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kindergarten

    Bin froh zu wissen das dieser kindergarten nicht nur im privat- berufsleben existiert, das verstärkt meine meinung sich dagegen zu wehren und sofort zu melden bzw. zu klären. es ist extrem beschämend zu erfahren und zu wissen(wie aus den vielen beiträgen abzulesen ist) das es immer mehr solcher menschen gibt die sich mit solchen formulierungen andere einschüchtern und herabwürdigen, dies macht alles sinn wenn man weiß..."die demokratie ist nur der zug, auf den wir aufsteigen bis wir am ziel sind. die moscheen sind unsere kasernen, die minarette unsere bajonette, die kuppeln unsere helme und die gläubigen unsere soldaten"... gesagt von türkischer ministerpräsident tayyip erdogan. das ist diskriminierung und vorallem eine beleidigung für all die menschen die uns ermöglicht haben (und die die heute noch diese werte schützen) in eine zeit von VERNUFT AUFKLÄRUNG und FREIHEIT zu leben.

    • secondo türk am 03.05.2016 15:15 Report Diesen Beitrag melden

      @frei

      Vielleich wäre ich ja auch an der gleichen Meinung wie sie aber es gurkt mich wirklich an jeden Tag über die Türkei bzw. über meine Heimatland nur schlechtes zu lesen. Türkische Republik ist ein Rechtsstaat und demokratisch und laistisch. Wissen sie das ich jedes Jahr in die Türkei 2-3 Freunde von meinem Sohn mit nehme und die ganze Verantwortung mit träge und alle Kosten zu lasten mir sehr gerne gehen. Ich möchte lieber mich auch nicht zu Politik äussern, ist absolut nicht mein Ding. Aber jeden Tag zu lesen dass die Türkei ein schlechtes Land ist kommen meine Emotionen Gefühle, verstehen sie?

    • Timo am 03.05.2016 19:50 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht böse gemeint, nur aus Neugier...

      Was tust du dann hier, wenns dort so schön ist?

    • Désirée am 03.05.2016 19:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ secondo türk

      Es geht überhaupt nicht über Dich oder Dein schönes Land. Es geht nur über die Regierung und natürlich über Erdogan der die Menschenrechte mit Füssen tritt, und das mit jedem Jahr mehr.

    • secondo türk am 03.05.2016 20:26 Report Diesen Beitrag melden

      @Timo

      Ich hab ein KMU Betrieb CNC Werkzeuge in Gerlafingen SO und in Deutschland in Königsbrunn. Ich beschäftige hier in der Schweiz 12 Mitarbeiter davon 7 Schweizer.

    • Larissa am 03.05.2016 21:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ secondo türk

      Siehst Du,wunderbar in der Schweiz nicht?

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  • Schweiz/Türke am 03.05.2016 09:25 Report Diesen Beitrag melden

    macht weiter so.

    Dieser Mann hat die massen so was von im griff. Jede Kritik, jede Beleidigung, jedes schmähgedicht macht ihn in der Türkei stärker und stärker. und der ganze westen merkt das nicht. vor ein paar Jahren hab ich ihn gehasst aber nun wird er mir immer sympatischer

    • AndyM69 am 03.05.2016 09:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Schweiz

      Das Gute an Erdogan ist, er zeigt dem Westen deutlich wie wenig die Türken in den Westen passen. Und dabei helfen ihm in erster Linie auch die Eigenen Leute hier.

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  • Enrico Caruso am 03.05.2016 09:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt bedeutet BEIDSEITIG!

    Erdogan soll sich einfach der Schweiz gegenüber so verhalten, wie er selbst behandelt werden möchte! Er kann keinen Respekt erwarten,wenn er selbst keinen Gebrauch davon macht!!

    • margarete am 03.05.2016 09:26 Report Diesen Beitrag melden

      Erdugan trotzig

      Erdogan soll seine Schulaufgaben machen,+lernen wie bei uns in der Schweiz die Gesetze tiggen

    • nazif aziz am 03.05.2016 13:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Enrico Caruso

      dann sollte die schweiz endlich mit dem respekvollem umgang beginnen, denn seit erdogan ministerpräsident war hat die schweiz kein respekt gezeigt. zur anfang war es in der politik und jetzt das volk was wollt ihr eigentlich, ihr seid die letzten die ohne gegenzug oder was zu erwarten respekt zeigt

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