Hyaluronsäure-Fails

10. September 2019 04:54; Akt: 10.09.2019 08:07 Print

«Alle fragen, ob ich einen Unfall hatte»

Maria (21) und Penelope (22) liessen sich von einer Kosmetikerin Hyaluron spritzen. Blaue Flecken, Schmerzen und asymmetrische oder eitrige Lippen waren die Folge.

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Maria* traut sich kaum mehr aus dem Haus – sie schämt sich für ihre deformierten Lippen. Ihr Albtraum beginnt Ende August in Basel: Die junge Frau lässt sich im Kosmetikstudio Exito Beauty ihre Lippen mit Hyaluron unterspritzen.

«Ich wollte, dass meine Lippenfalten verschwinden, das Resultat sollte ganz natürlich aussehen», sagt Maria. Doch bereits vor der Behandlung kamen der jungen Frau Zweifel an der Seriosität der Firma: «Die Kosmetikerin gab mir die Betäubungscreme, die ich dann selber einreiben musste.» Weder über Nebenwirkungen noch über Inhaltsstoffe sei sie vor oder während des Aufenthalts aufgeklärt worden.

«Ich hatte höllische Schmerzen nach der Behandlung», sagt Maria. Der grosse Schock kam aber zu Hause, beim Blick in den Spiegel: «Eine Lippenseite war klar grösser als die andere.» Auch Blasen und blaue Flecken zeichneten sich ab. Maria meldete sich beim Kosmetiksalon. Doch die verantwortliche Kosmetikerin soll einen Fehler bestritten haben.

«Meine Lippen sind jetzt ganz hart»

Ein zweiter Besuch wenige Tage später in einem Beautystudio in Zürich sollte den Horror beenden. «Das machte das Ganze noch schlimmer: Meine Lippen sind jetzt ganz hart.» Maria ist verzweifelt. Sie schäme sich im Alltag und bei der Arbeit für ihr Aussehen, Menschen würden sie sogar auf die deformierten Lippen ansprechen. «Alle fragen mich, was passiert sei, ob ich einen Unfall gehabt habe.»

Der Zürcher Beautysalon bestätigt den Besuch von Maria und ihren Wunsch, die Asymmetrie auszugleichen – das sei auch so geschehen: «Wir haben die Kundin darauf hingewiesen, dass eine Zweitbehandlung nach so kurzer Zeit problematisch sein kann», sagt die Geschäftsführerin. Man spritze Hyaluron immer unter ärztlicher Aufsicht. Wenig später erhielt Maria eine Nachricht, dass das Studio sie verklagen werde. Der Basler Salon Exito war für 20 Minuten nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Ärzte mussten eitrige Lippe aufstechen

Ein ähnliches Horrorszenario erlebte Penelope*. Die 22-Jährige liess früher ihre Lippen bei einem Arzt in Zürich dezent mit Hyaluron aufspritzen. Dort sei alles rundgelaufen, die Lippen hätten etwas voller und natürlich ausgesehen. Weil ihr der Weg nach Zürich zu weit wurde, ging sie letzten Dezember in ein Kosmetikstudio in St.Gallen.

Die Kosmetikerin habe ihr gesagt, sie verwende auch Hyaluron. «Das Produkt zeigte sie mir aber nicht. Ich vertraute ihr, aber bemerkte, dass sie eine andere Spritztechnik anwandte als der Arzt», so Penelope. An ersten Tag habe es sich angefühlt wie immer, am nächsten Tag brannten die Lippen und es bildeten sich Kügelchen darin.

Und dann schwoll ihre Oberlippe derart an, dass sie zwischen Weihnachten und Neujahr dreimal in den Notfall musste. «Die ersten zweimal erhielt ich Antibiotika. Doch dann wurde die Schwellung so gross, dass ich nicht mehr durch die Nase atmen konnte – und es trat Flüssigkeit aus.» Die Ärzte mussten ihre Lippen, die voller Eiter waren, aufstechen und ausdrücken. Ein äusserst schmerzhafter Eingriff.

«Mein Lippenherz wurde verletzt»

«Die Ärzte waren sprachlos, sie hätten noch nie eine solch eitrige Lippe gesehen», so Penelope. Die Ärzte hätten gesagt, die Kosmetikerin habe nicht korrekt gespritzt und miserabel gearbeitet. «Sie hatte laut den Ärzten viel zu tief gespritzt und mein Lippenherz verletzt. Ich hatte riesiges Glück, dass keine Schäden oder Narben blieben – es ist alles gut verheilt.»

Erst nach zahlreichen Schreiben habe die Kosmetikerin ihr die 250 Franken für das Aufspritzen zurückerstattet. «Aber entschuldigt hat sie sich nie. Und die Notfall-Kosten von rund 700 Franken musste ich selber zahlen.» Ihr sei es zu umständlich gewesen, die Kosmetikerin deswegen anzuklagen und vor Gericht zu zerren, so die 22-Jährige.

Seit diesem Erlebnis hat Penelope ihre Lippen nicht mehr aufspritzen lassen. «Der Schock damals war zwar riesig, ganz abgeschreckt hat es mich jedoch nicht. Wenn ich meine Lippen wieder einmal aufspritze, dann allerdings nur noch von einem Arzt.»

*Namen der Redaktion bekannt

Arbeiten Sie in einem Kosmetik-Studio, das Hyaluron-Behandlungen anbietet? Dann melden Sie sich im Formular unten und sagen Sie uns Ihre Meinung.

(rol/ck)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Felicia am 10.09.2019 05:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hört auf...

    mit dieser Lippenspritzerei; nicht schön und gefährlich.

  • Louis am 10.09.2019 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dumm und Dümmer

    Bravo mag euch das von Herzen gönnen. Hoffentlich zahlt die KK nichts daran.

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  • Carlitos am 10.09.2019 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Noch nie..

    ..habe ich in meinem ganzen Leben hässliche Lippen gesehen. Bis ich Frauen sah mit aufgespritzen Lippen. Warum macht ihr das? Die Natürlichkeit gefällt uns viel besser.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mb am 10.09.2019 20:37 Report Diesen Beitrag melden

    Natürlichkeit

    Beide Frauen hatten vorher sehr schöne Lippen, wie um des Himmels Willen kommen sie auf die Idee diese aufzuspritzen?! Den meisten Männern gefällt das doch gar nicht, im Grunde genommen ist die Natürlichkeit am schönsten!

  • schoggifresser@gmail.com am 10.09.2019 20:36 Report Diesen Beitrag melden

    Egal

    Ist doch völlig egal, was mit diesen Lippen geworden ist..... Bald ist das ergebnis dank der Krankenkasse wieder 'zufriedenstellend" und da eine Frau noch andere Lippen hat, werden diese auch bald verschönert......

  • fröschli75 am 10.09.2019 20:17 Report Diesen Beitrag melden

    arztkosten - krankenkasse

    was mich am meisten ärgert, dass die notfallbehandlung von der krankenkasse wahrscheinlich bis auf den selbstbehalt übernommen wird. jedoch hörgeräte, sehhilfen, zahnarzt müssen wir immer noch selbst bezahlen

  • Marg am 10.09.2019 18:51 Report Diesen Beitrag melden

    Monsterhaft

    Lippenkorrekturen werden immer als solche erkannt. Das, was einige als "schön" finden, empfinde ich als "verunstaltet oder momsterhaft". Zudem geben sich diese Leute zu erkennen, dass sie mit ihrem Aussehen ein Problem haben. Das wiederum zieht Leute mit zweifelhaften Absichten an.

  • Lily am 10.09.2019 18:39 Report Diesen Beitrag melden

    Ärzte werden einfach geschützt!

    Es gibt in jeder Branche Abzocker und schlechte Arbeit, es heisst nicht, dass ein Arzt es besser kann, als die top geschulte, zertifizierte, unter ärztlicher Kontrolle stehender und arbeitende Kosmetikerin. Bei EXITO Beauty ist es eine Ärztin, vielleicht würde ich stutzig werden: Ukraine und aufgespritzt, sehr Geschmackssache, siehe Lippen... Und ein Arzt aus Italien, dazu die billigsten Preise, jaja und dann NUR Ärzte spritzen lassen, hahaha... Exito!