Fall Paul (12)

27. Juni 2016 05:43; Akt: 29.11.2018 17:14 Print

«Solche Spiele haben einen Reiz für Kriminelle»

Ein 12-jähriger Bub lernt einen erwachsenen Mann über ein Internet-Spiel kennen. Wie kann man seine Kinder davor schützen?

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Paul S. (12) spielte leidenschaftlich gerne das Spiel «Minecraft», wie er selbst in einem Forum schrieb. «Mein Name ist Paul, mein Lieblingsspiel ist Minecraft. Mein Alter ist 12. Meine Hobbys Minecraft spielen, chatten und auf TS (Anm. der Red. Teamspeak) mit jemandem reden.» Mit Teamspeak meint Paul das Kommunizieren per Headset übers Internet mit anderen Spielern.

«Minecraft» ist derzeit eines der erfolgreichsten Spiele auf dem Markt. Die Spieler bauen mittels würfelförmigen Blöcken Konstruktionen und können sich auf verschiedenen Servern mit anderen Mitspielern verbinden.

War Paul zu leichtsinnig? Lockte Werner C.* (35) ihn in eine Falle? Was müssen Eltern beachten, wenn ihr Kind «Minecraft» spielt? Der Jugendmedienschutz-Beauftragte der Swisscom, Michael In Albon, gibt Antworten.

Herr In Albon, Paul hat seinen Entführer über «Minecraft» kennengelernt. Das ist doch keine gefährliche Umgebung?
Man muss sich im Klaren sein, dass man sich genau wie in der realen Welt auch in der virtuellen Welt schützen muss. Und gerade solche Spiele, wo man sich verbindet, zusammen spielt und Aufgaben löst, haben für Jugendliche wie für Kriminelle einen besonderen Reiz.

Paul stellte sich im Forum mit Namen, Alter und Wohnort vor. Ein Fehler?
Ich empfehle, dass man persönliche Daten entweder gar nicht oder verändert angibt, wenn sie nicht nötig sind. Auch die Telefonnummer soll ein Kind oder ein Jugendlicher nicht weitergeben. Das Spielvergnügen leidet darunter nicht, aber es kann Kinder schützen.

Viele Jugendliche spielen «Minecraft», wie sollen Eltern jetzt reagieren?
Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche begleitet solche Spiele angehen oder im Internet surfen. Sich online mit jemandem zu unterhalten, ist etwas anderes, als sich mit jemandem in der realen Welt treffen, den man nur aus dem Netz kennt.

Also sollte man seinem Kind jetzt nicht «Minecraft» verbieten?
Ein Verbot halte ich für kontraproduktiv. Der Inhalt des Spiels ist eigentlich irrelevant, ob das nun «Minecraft» oder ein anderes Spiel ist. Es geht darum, dass Kinder und Jugendliche die Gefahren verstehen. Deshalb ist es wichtig, dass man nun auch über diesen Fall mit ihnen spricht. Sie sollen sich bewusst sein, dass online zwar ein 13-jähriger Marco mit ihnen spricht, in der realen Welt aber der 46-jährige Klaus dahinterstecken kann.

* Name der Redaktion bekannt

Auch der Solothurner Kripo-Chef Urs Bartenschlager äusserte sich zu den Gefahren von Online-Games:

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