29. April 2005 12:51; Akt: 29.04.2005 12:56 Print

«Sperma und Blut nicht in den Mund»

Die zentralen Aussagen der neuen Stop-Aids-Kampagne werden in zwei einfachen Verhaltenstipps zusammengefasst: «Eindringen immer mit Gummi» und «Sperma und Blut nicht in den Mund».

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Das Bundesamt für Gesundheit will damit einer drohenden Gleichgültigkeit entgegenwirken und die Gefahr einer HIV-Infektion wieder stärker ins Bewusstsein rücken. Im Zentrum der neuen Kampagne stehen der Aufruf zum Gebrauch von Präservativen und Praktiken beim Oralsex.

Grundsätzlich soll mit der neuen Offensive, die in den nächsten Tagen mit Plakaten, Werbespots und anderen Formen der Präsenz in der Öffentlichkeit sichtbar wird, ein positives Signal gesetzt werden. Es gehe nicht darum, die Bevölkerung mit dem Warnfinger in die Enge zu treiben. Vielmehr soll unter der neuen Präventionsmarke «LOVE LIFE - STOP AIDS» ein Symbol für Lebensfreude und für eine positiv erlebte Sexualität geschaffen werden, sagte Thomas Zeltner, Direktor des Bundesamts für Gesundheit (BAG), am Freitag in Bern.

Die zentralen Aussagen der neuen Stop-Aids-Kampagne werden in zwei einfachen Verhaltenstipps zusammengefasst: «Eindringen immer mit Gummi» und «Sperma und Blut nicht in den Mund». Damit soll auf der einen Seite der «traditionelle» Aufruf früherer Kampagnen zum Gebrauch von Präservativen auch mit dem neuen Offensivpaket wieder in die Bevölkerung hinausgetragen werden. Anderseits gelte es aber auch, auf Unsicherheiten in Bezug auf Oralsex zu reagieren und in diesem Zusammenhang vor allem auch Jugendliche anzusprechen, sagte Zeltner. Dazu müssten auch moderne Medien wie Internet oder andere Methoden zur Verbreitung der Botschaft wie Postkarten, Spruchbänder in Quartieren oder Aufschriften auf den Fahrzeugen des öffentlichen Verkehrs genutzt werden. Die Bedrohlichkeit der Krankheit Aids sei heute nicht mehr derart präsent wie vor 18 Jahren, als das BAG mit einer ersten Stop-Aids-Kampagne für Aufruhr gesorgt habe. Tatsache sei aber auch heute, dass Aids - trotz guter Therapien - nach wie vor nicht heilbar sei; Themenmüdigkeit oder gar Gleichgültigkeit sei daher auch vor dem Hintergrund von Sparbemühungen nicht angebracht.

Nach Angaben von Flavia Schlegel, Vizedirektorin beim BAG, gibt es heute in der Schweiz weiterhin 600 bis 700 HIV-Neuinfektionen pro Jahr. Besondere Risikogruppen seien dabei homosexuelle Männer sowie Personen aus dem Ausland. Der konsequente Gebrauch von Präservativen lasse sowohl in der Altersgruppe der 17- bis 30-Jährigen wie auch bei den 31- bis 45-Jährigen nach wie vor zu wünschen übrig, weshalb das zentrale Markenzeichen aller bisheriger Kampagnen - der rosarote Pariser - auch in Zukunft im Bewusstsein der Bevölkerung verankert bleiben müsse. Unterstützt werden das BAG und die Aids-Hilfe-Schweiz in dieser Absicht von zwei Hollywood-Persönlichkeiten mit Schweizer Wurzeln: Der Regisseur Marc Forster und die Schauspielerin Renee Zellweger haben sich unentgeltlich für die neue Plakatkampagne zur Verfügung gestellt.

(ap)