Schutz vor Ausbeutung

25. April 2016 07:11; Akt: 25.04.2016 10:35 Print

«Staatsbordelle fördern nur die Prostitution»

von B. Zanni - Linke Politiker und Milieu-Experten fordern städtische Bordelle. Bürgerliche Politiker lehnen die Idee ab: Das sei keine Staatsaufgabe.

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Linke Politiker und Milieu-Experten wollen Prostituierten mit städtischen Bordellen bei der Arbeit mehr Schutz bieten. Da Sexarbeiterinnen zunehmend aus den Stadtzürcher Quartieren verdrängt würden, steige das Risiko, dass sie sich in die Abhängigkeit von Zuhältern begeben müssten, sagt SP-Gemeinderätin Christine Seidler. Sie fordert deshalb in Zürich ein städtisches Bordell. SP-Nationalrätin Yvonne Feri will einen Vorstoss für Staatsbordelle genau prüfen. Sie unterstütze tendenziell eine staatliche Lösung für Bordelle in der ganzen Schweiz. Feri: «Es ist wichtig, dass die Sexarbeiterinnen ihre Dienste in geschütztem Rahmen anbieten können.» Auch der grüne Nationalrat Balthasar Glättli hält Staatsbordelle für prüfenswert. «Je mehr man das Gewerbe in die Illegalität drückt, desto schwieriger wird es, den Sexarbeiterinnen anständige Bedingungen zu bieten.» Cornelia Zürrer Ritter, Leiterin der Rotlicht-Beratungsstelle Rahab der Heilsarmee Zürich, betont: «Die Vermieter machen das grosse Geschäft.» Für ein kleines, wüstes Zimmer verlangten die Vermieter etwa im Zürcher Kreis Vier pro Tag 150 Franken. «Diese Zustände treiben viele Prostituierte in die Illegalität.» SVP-Nationalrat Sebastian Frehner ist dagegen. «Ob jemand ins Bordell gehen will oder nicht, ist eine private Angelegenheit und sicher nicht diejenige des Steuerzahlers.» Er geht davon aus, dass der Staat Mindestpreise festlegen würde. FDP-Nationalrat Andrea Caroni: «Der Staat betreibt auch keine Bäckereien, um die Lebensmittelsicherheit zu garantieren oder weil Backstuben rar sind.»

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SP-Gemeinderätin Christine Seidler fordert in Zürich ein städtisches Bordell. Laut der «Schweiz am Sonntag» will sie die Stadt verpflichten, eine entsprechende Liegenschaft zur Verfügung zu stellen.

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Da Sexarbeiterinnen zunehmend aus den Stadtzürcher Quartieren verdrängt würden, steige das Risiko, dass sie sich in die Abhängigkeit von Zuhältern begeben müssten.

Linke für Staatsbordelle

Nun nehmen Bundesparlamentarier den Ball auf: SP-Nationalrätin Yvonne Feri will einen Vorstoss für Staatsbordelle genau prüfen. Sie unterstütze tendenziell eine staatliche Lösung für Bordelle in der ganzen Schweiz. Feri: «Es ist wichtig, dass die Sexarbeiterinnen ihre Dienste in geschütztem Rahmen anbieten können.» Es bestehe weniger die Gefahr, dass sie Opfer ausbeuterischer Arbeitsbedingungen und Gewalt würden, sagt Feri. Auch hätten sie besseren Zugang zu Medizin und Beratung.

Auch der grüne Nationalrat Balthasar Glättli hält Staatsbordelle für prüfenswert. «Je mehr man das Gewerbe in die Illegalität drückt, desto schwieriger wird es, den Sexarbeiterinnen anständige Bedingungen zu bieten.» Ebenso wichtig wäre darum, dass Prostitution nicht länger als sittenwidrig gelte. Laut Glättli verhindert der staatliche Eingriff, dass die Frauen abgezockt werden.

«Hohe Mieten für ein kleines, wüstes Zimmer»

Auch Cornelia Zürrer Ritter, Leiterin der Rotlicht-Beratungsstelle Rahab der Heilsarmee Zürich, betont: «Die Vermieter machen das grosse Geschäft.» Für ein kleines, wüstes Zimmer verlangten die Vermieter etwa im Zürcher Kreis Vier pro Tag 150 Franken. «Diese Zustände treiben viele Prostituierte in die Illegalität.»

Die Gefahr sei noch grösser, dass die Prostituierten in die Hände von Menschenhändlern und in die Abhängigkeit von Zuhältern gerieten. Ihr Fazit: «Staatliche Bordelle lösen zwar nicht alle Probleme, wären aber sicher einen Versuch wert», so Zürrer Ritter.

«Bordelle sind keine staatliche Aufgabe»

Bei bürgerlichen Politikern haben Staatsbordelle dagegen keine Chance. «Es ist keine staatliche Aufgabe, einem privaten Gewerbe – ob horizontal oder nicht – Immobilien zur Verfügung zu stellen», sagt FDP-Ständerat Andrea Caroni. Noch weniger sei es am Staat, solche Gewerbe zu betreiben. «Der Staat betreibt auch keine Bäckereien, um die Lebensmittelsicherheit zu garantieren oder weil Backstuben rar sind.» Zudem ergebe sich der Schutz Prostituierter bereits aus zahlreichen Gesetzen. «Und an der Raumknappheit ist der Staat durch Überreglementierung mitschuldig.»

Auch SVP-Nationalrat Sebastian Frehner ist dagegen. «Ob jemand ins Bordell gehen will oder nicht, ist eine private Angelegenheit und sicher nicht diejenige des Steuerzahlers.» Er geht davon aus, dass der Staat Mindestpreise festlegen würde. «Kostet eine Dienstleistung plötzlich 300 anstatt 40 Franken, meiden viele Freier das Staatsbordell und suchen sich eine Alternative.» Zudem kritisiert er: «Staatsbordelle würden nur die Prostitution fördern.»

Welche Vorteile haben Steuerzahler, die mit Bordellen nichts anfangen können? «Es würden keine Sexarbeiterinnen mehr in Quartieren auf Kundenfang gehen und Anwohner stören», sagt Zürrer Ritter. Laut der Beraterin sollen die Etablissements aber trotzdem nicht an die «äussersten Enden der Agglomeration» verbannt werden. «Sonst würde es für die Frauen erneut schwierig, ihrem Geschäft nachzugehen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ewald am 25.04.2016 07:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schon super

    schon geil, zuerst macht man alles um das geschäft zu vermiesen und jetzt soll es verstaatlicht werden. dann gibts vermutlich den freien zutritt für politiker

  • Daniel K. am 25.04.2016 07:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wird es immer geben

    Prostitution wird es immer geben. Egal ob erlaubt oder verboten. So lange die Männer einen Fortplanzungstrieb haben und die Frauen sehen das sie damit Geld verdienen können wird sich daran nichts ändern. Egal ob Staatlich kontrolliert oder nicht....

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  • lauretta am 25.04.2016 07:30 Report Diesen Beitrag melden

    jetzt reichts!

    ich zahl jetzt dann die steuern auf ein sperrkonto, bis solche aufgeweichten birnen verschwinden! wir steuerzahler werden jede minute ausgebeutet. uns beschützt auch keiner - im gegenteil, wir werden systematisch enteignet. nun soll man schwalben aus irgendwo beschützen? wer verdient daran? gehts eigentlich noch gut, in diesem hochkorrupten land?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sandra am 25.04.2016 20:02 Report Diesen Beitrag melden

    Daniel K.

    Prostitution wird es immer geben... Was für eine sinnige Weisheit. Diebstahl, Betrug etc. wird es auch immer geben, trotzdem wird es nicht erlaubt und staatlich gefördert.

  • lys am 25.04.2016 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer dasselbe

    Immer wieder aufs neue erschreckend, wie die (immergleichen) 3-Buchstaben-Vereine sich gegen fortschrittliches Denken wehren. Und die Leute dackeln blind der Milchbüeblirechnung hinterher, anstatt einen Schritt weiter zu denken. Ist halt einfacher. Ob nun Prostitution oder Drogen (siehe Portugal): Die Kontrolle durch den Staat bringt mehr Steuereinnahmen, verringert die Kriminalität und Ausbeutung und Abhängikheiten, fördert Hilfestellung. Aber ja.. spielt ruhig weiter den Dealern und Zuhältern in die Karten, die Zustimmung des blinden Volkes habt ihr so wie es hier ausschaut.

  • Baselboy12 am 25.04.2016 16:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragen über fragen

    Und wer entscheidet wellche frauen dort arbeiten? Und wie wird das entschieden?

  • ChrisU am 25.04.2016 13:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mitarbeiterrabatt Staat

    Gefördert wird Prositution so sicher nicht. Ausser die Politiker denken, dass sie "Mitarbeiterrabatt beim Staat" bekommen. Es geht ja rein um die Sicherheit der Frauen. Dies finde ich unterstützungswert. Zumindest soll diese Lösung geprüft werden.

  • Addyss am 25.04.2016 12:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schutz

    Und wer kontrolliert ob die Sexarbeiterinen Krankheiten haben . In der Schweiz soviel ich weiss niemand .