Automatenfahrer am Schalten

30. Dezember 2018 11:28; Akt: 30.12.2018 11:28 Print

«Strassen werden deutlich gefährlicher»

Ein Test zeigt: Automatenfahrer tun sich schwer, wenn sie plötzlich ein Auto mit Schaltgetriebe steuern. Fachleute und Politiker sind besorgt.

(Video: anp/gib)
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«Nie würde ich mit einem geschalteten Auto auf die Strasse. Ich war so nervös und hatte keine Ahnung, was ich machen muss», sagte die Automatenfahrerin Mona, als sie sich für unser Experiment ans Steuer eines geschalteten Autos wagte. Sie sei überfordert gewesen.

Mona hat auf einem Automaten gelernt und durfte bislang auch nur solche fahren. Ab dem 1. Februar fällt die Beschränkung weg. Mona kann die Beschränkung auf dem Strassenverkehrsamt aus dem Ausweis streichen lassen. Das hat der Bundesrat im Rahmen der Revision der Führerausweisvorschriften namens Opera 3 beschlossen.

«Ein grosser Fehler»

Viele Fahrexperten kritisieren den Entscheid. So auch Willi Wismer, Fahrlehrer und Präsident des Zürcher Fahrlehrerverbands, der Mona beim Experiment begleitet hat. Es fehle den Automatenfahrern der Automatismus. «Wer sich nicht komplett sicher fühlt mit dem Schalthebel, wird unkonzentriert fahren und kann sich nicht genügend auf den Strassenverkehr konzentrieren.» Leider seien nicht alle so vernünftig wie Mona und würden auf die neuen Rechte verzichten: «Die Strassen werden mit diesem Entscheid gefährlicher.»

Kritische Stimmen kommen auch aus der Politik. «Diese Beschränkung aufzuheben, ist ein grosser Fehler», sagt FDP-Ständerat Hans Wicki. Auch das Argument des Astra, dass bald sowieso nur noch Automatikgetriebe auf den Strassen seien, halte er für falsch. «Meine Söhne etwa fahren lieber mit dem Schalthebel. Das ist immer noch Trend und wird sich nicht so schnell ändern.» Es bleibe abzuwarten, wie der Bericht des Bundesrats über Opera 3 herauskomme. «Ansonsten bleibt zu hoffen, dass die Menschen vernünftig genug sind und nicht einfach auf Schaltgetriebe umsteigen», sagt Wicki.

Motorische Fähigkeiten fehlten

Schon in der Vernehmlassung zur Änderung wurden viele Bedenken geäussert. 82 von 107 Organisationen lehnten sie ab. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) schrieb etwa: «Beim manuellen Gangwechsel handelt es sich um eine motorische Fertigkeit, die nicht einfach (oder schnell) erlernbar ist und die bis zur vollständigen Verinnerlichung Aufmerksamkeit erfordert.»

Die BFU schlug deshalb vorab ein begleitetes Fahren vor, um die praktischen Fähigkeiten mit dem Schalthebel zu üben und anschliessend testen zu lassen, bevor ein handgeschaltetes Fahrzeug gelenkt werden darf. Ähnlich sieht das die Interessengemeinschaft der WAB-Anbieter für die Zwei-Phasen Weiterbildung. «Die Streichung des Automateneintrages erachten wir als zehn Jahre verfrüht!», schrieb sie in der Vernehmlassung.

Wobmann sieht kein Problem

Für SVP-Nationalrat Walter Wobmann macht man dagegen aus einer Mücke einen Elefanten: «Automatenfahrer brauchen einfach etwas Zeit, um sich umzugewöhnen, wenn sie auf ein Schaltauto umstellen. Aber der Trend geht ohnehin in Richtung Automat.» Er traue es den Bürgern zu, verantwortungsvoll zu handeln.

Auch der Bundesrat begründete die Änderung mit dem Trend weg von handgeschalteten Fahrzeugen. Die Massnahme ist auch Teil des Plans des Bundes zur Förderung der Elektromobilität: Weil Elektroautos keine Gänge und kein Schaltgetriebe haben, wurden sie in Fahrschulen bislang kaum je eingesetzt. Das soll sich nun ändern, damit auch Junglenker früh mit E-Autos in Kontakt kommen.

(anp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniela Bürkler am 29.12.2018 07:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fahrstunden

    Ich habe auch nur die Automatenprüfung gemacht vor 8 Jahren, auch werde ich meinen Ausweis am 1.Februar umschreiben lassen. Aber ohne Fahrstunden würde ich nie auf die Strasse gehen mit einem geschalteten Wagen. Und ich hoffe das viele andere Automaten Fahrer auch soviel Verantwortungsbewusstsein haben, dass wenn sie Geschalten fahren möchten, dann auch Stunden nehmen.

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  • Yves am 29.12.2018 07:36 Report Diesen Beitrag melden

    Ja....

    ...Scvhaltgetriebe sterben aus, jedoch nicht heute und nicht morgen. Reicht es nicht das Autofahrer schon mit dem Handy genug beschäftigt sind? bei 80'000km im Jahr graust es mir jetzt schon davor mich auch noch mit diesen Fahrern auseinanderzusetzen...

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  • Franz Müller am 29.12.2018 07:41 Report Diesen Beitrag melden

    Schaltgetriebe

    Welcher Stratege in Bern hat denn das herausgefunden, dass Schaltgetriebe aussterben werden? Ausserdem ist es heute immer noch eine Preisfrage, sowohl beim Kauf wie auch beim Unterhalt sind Schaltgetriebe um ein vielfaches günstiger als Automaten. Das zeigt sich bei einem Defekt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Laurin am 30.12.2018 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wozu Fahrausweis?

    Ergo benötigen wir für keinen Fahrzeugtyp mehr einen Fahrausweis, wenn autonome Fahrzeuge zugelassen werden, denn ab dem Moment werden ja Teilautonome und Fahrzeuge ohne Autonomie von diesem verdrängt und sterben aus. Super Idee!

  • Simon am 30.12.2018 16:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macht mal halblang...

    So schwierig ist das mit dem schalten und kuppeln nun auch wieder nicht und ich bin sicher, dass Leute, welche sich im Verkehr zurecht finden(im Gegensatz zum Fahrschüler) dies problemlos lernen. Bei den Motorrädern kann ich auch mit einem Roller an die Prüfung und darf danach normale geschaltete Motorräder fahren.

  • Köbi am 30.12.2018 16:31 Report Diesen Beitrag melden

    Motorradfahrer haben Angst

    Mir grauts als Motorradfahrer. Als ob das Handy noch nicht genug Ablenkung am Steuer wäre. Nun auch noch das schalten für Leute die das nie gelernt haben... Wenn ich nur darüber denke wie oft ich schon beinahe einen Unfall hatte weil die Autofahrer einfach nicht schauen und der Blick bei der eigenen Motorhaube aufhört.

  • zeugincom am 30.12.2018 16:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaftsaufschwung

    Dies ist unumgänglich kaufen sich doch sofort alle Fahrlehrer automatisch ein Automatikfahrzeug! Werde mein Schalter für Freiwillige Weiterbildung anbieten (mal sehen ob sich da überhaupt noch jemand anmeldet?) Ein kleines Problem sind die Doppelpedale Einbaukosten Sfr.3'000 (Lieferengpass!)

  • Peter Ransom am 30.12.2018 16:19 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem

    Beruhigt euch wieder. Ich fuhr bisher diverse geschaltete Autos, mehrere Lastwagen und einige Traktoren. Jede Maschine ist etwas anders und braucht Eingewöhnung. Selbst wenn man jahrelang dasselbe geschaltete Auto fährt und dann auf ein anderes wechselt ist es für kurze Zeit Neuland. Trotzdem machen wir nicht immer eine Prüfung. Richtig gefährlich ist das man mit Automatenroller eine Prüfung für Motorräder machen kann. Leute die an eine Art Leerlauf gewöhnt sind hauts einfach hin, vor allem beim langsamen Kurfernfahren auf Kreuzungen. Aber da krähte kein Hahn danach.