«Gotthard-Verschwörung»

09. Juni 2016 20:41; Akt: 10.06.2016 10:48 Print

«Teufel, Illuminati und Lesben in Zombie-Parade»

Die Gotthard-Zeremonie ist ein gefundenes Fressen für Fundamentalisten und Verschwörungstheoretiker. Sie sehen darin ein satanistisches Ritual.

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Ein barbusiger Engel und wie tot vom Himmel hängende Artisten: Die Zeremonie zur Eröffnung des Gotthards wird von radikale Christen als satanistisches Ritual interpretiert. Vor allem die gehörnten Darsteller sehen sie als Symbole für den Teufel. Andere wittern hinter der Zeremonie eine Verschwörung der heimlichen Weltherrscher. Einer der Artikel hiess: «Die Eröffnung des Schweizer Gotthardstunnels vereinigt Luzifer, Lesben, Dämonen, Ziegengötter und Illuminati in einer Zombie-Parade.» Andere regten sich über das «kranke satanische Sex-Ritual» auf. Als sich die Darsteller halbnackt auf dem Boden winden und ihre Körper zucken, schreit einer der fundamentalistischen Kommentatoren auf Youtube: «Was ist los in der Schweiz? Was tun die bloss?» In der Schweiz hatte sich bereits SVP-Nationalrätin Sylvia Flückiger-Bäni über die Vorstellung gewundert. Sie schrieb an den Bundesrat: «Mit tanzenden Derwischen, welche in der Enzyklopädie des Islams eine Form zur Annäherung von Allah bedeuten, werden unsere Grundwerte verraten.» «Die Einweihung des Gotthard-Basistunnels im Herzen unserer Heimat sollte grundsätzlich mit unseren schweizerischen Grundwerten gewürdigt werden. Tanzende Derwische haben damit gar nichts zu tun», so Flückiger. Hinter der Inszenierung steckt der deutsche Theaterregisseur Volker Hesse, der unter anderem das Zürcher Theater am Neumarkt geleitet und das Einsiedler Welttheater und die Tellspiele in Altdorf inszeniert hat. Er wolle mit der Inszenierung an die archaisch-dämonischen Kräfte der Natur erinnern, sagte Hesse. Und verteidigt sich: «Die Normalmenschen aus Uri und dem Tessin und all die Festbesucher konnten die Aufführung ganz mühelos emotional und intellektuell nachvollziehen. Wenn nun eine wild gewordene SVP-Nationalrätin sich über islamistische Propaganda äussert, kann ich darüber nur den Kopf schütteln.» Jedoch wunderte sich nicht nur Frau Flückiger-Bäni über die Inszenierung. «Wir sind nicht sicher, was das alles sollte», kommentierte etwa die britische BBC das Ereignis.

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«Das Ende ist nah! Das ist purer Satanismus!» Die Kommentatoren von Trunews.com können es nicht fassen, als sie die Zeremonie zur Gotthard-Eröffnung sehen. Als die Bauarbeiter sich zu einem minimalistischen Beat aus ihren Gewändern schälen und sich in Unterhosen auf dem Boden winden, ruft einer von ihnen entsetzt: «Was ist los in der Schweiz? Was tun die bloss?» Sein Kollege ergänzt schockiert: «Sie beten Luzifer an, sie rufen ihn!»

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Ging die Gotthard-Zeremonie zu weit?
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Der Artikel dazu wurde auf der Website des fudamentalistisch-christlichen Portals so oft aufgerufen, dass diese fast zusammenbrach. Und er ist bei Weitem nicht der Einzige: Google spuckt über 100 Artikel aus, die die Gotthard-Eröffnung als Werk des Teufels brandmarken. Sie tragen Titel wie «Die Eröffnung des Schweizer Gotthardstunnels vereinigt Luzifer, Lesben, Dämonen, Ziegengötter und Illuminati in einer Zombie-Parade».

«Jede interreligiöse Veranstaltung ist für radikale Freikirchler schlimm»

Hinzu kommen Dutzende Youtube-Videos, auf denen Kommentatoren den «Tunnel zur Hölle» und das «kranke satanische Sex-Ritual» geisseln. Sie kommen teilweise auf weit über 10'000 Klicks.

Sektenexperte Georg Otto Schmid überrascht die Flut der Beiträge nicht. Die Gotthard-Eröffnung bediene sowohl christlich-fundamentalistische Kreise wie Verschwörungstheoretiker. «Bei radikalen Freikirchlern gibt es die Vorstellung, dass bald ein Antichrist auftritt, der die Religion vereinigen wird. Jede interreligiöse Veranstaltung ist für sie deshalb schlimm.»

«Ein Beispiel dafür, wie unser Leben beeinflusst wird»

Zudem würden die Theorien rund um heimliche Weltherrscher wie die Illuminati befeuert, weil an der Gotthard-Eröffnung diverse ranghohe Politiker und sonstige Gäste anwesend waren.

Der russische Think Tank Katehon kommentiert die Zeremonie so: «Die satanistischen und sodomistischen Bilder zeigen die künstlerischen und religiösen Präferenzen der globalistischen Elite. Die Eröffnung des Tunnels war ein symbolischer anti-christlicher Akt der Teufelsanbetung. Die postmoderne Show war eine offensichtliche Botschaft. Die Anwesenheit der EU-Chefs ist ebenfalls von Bedeutung.»

(hal)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Pan am 09.06.2016 20:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blamage

    Was für eine Blamage für unser Land, hätten sie die Show doch lieber seinlassen

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  • Basler am 09.06.2016 20:55 Report Diesen Beitrag melden

    Warum?

    Warum wird hier im Beitrag wieder das Wort "Verschwörungstheoretiker" gewählt!? Dieses Wort wurde von der CIA erfunden nach dem Mord an Kennedy. Und mit diesem Begriff werden nun kritische Denker oder Menschen welche Dinge hinterfragen in der Öffentlichkeit an den Pranger gestellt und ausgelacht!

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  • Innerschwyz am 09.06.2016 20:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tragödie

    Das wäre jetzt die dritte befragung zur gotthard-eröffnungstragödie... Vergessen wirs einfach....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Byzantinum am 14.06.2016 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Kann ich auch

    Den Teufel anbeten und rufen? Joah, das mach ich doch auch gleich: !!!!!mmud tsi nesel uz sträwkcür seid thcam ehüm eid hcis reW

  • Flieger am 12.06.2016 20:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auslösen

    Toll, was diese tunnelinszenierung alles auslöst....! Fluch oder segen? Die "verschwörer" bringen wahrscheinlich sogar das unglück der rotweissen himmelstürmer in den niederlanden mit dem vorhergehenden auftritt über dem festplatz in verbindung. Böses omen. Trotzdem, pilot "püppi" ist offenbar soweit gesund, gut, sein schleudersitz hat ausgelöst....

  • Peter Ball am 11.06.2016 11:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tunnelblick

    Viele Schweizer haben halt betreffend Kultur etc immer noch einen Tunnelblick.

  • Weltuntergangsstimmung am 10.06.2016 23:14 Report Diesen Beitrag melden

    Viel geschrie(b)en und nichts gesagt

    Unter den vielen wissenden Kommentaren über Verschwörungen hier habe ich leider keinen einzigen entdeckt, der mir erklären konnte, was denn zum Teufel diese Teufelsinszenierung bedeute in verschwörungstechnischer Hinsicht. Worauf soll das hinweisen? - Aber Hauptsache, ein Riesengeschrei veranstaltet... Konstruktiv wäre anders und vielleicht sogar interessant und nachdenkenswert. So aber nicht.

    • Byzantinum am 14.06.2016 08:56 Report Diesen Beitrag melden

      Aber gerne doch

      Oh, das ist recht einfach, Verschwörungstheorien funktionieren nach einem simplen Prinzip. Man nimmt irgendein Ereignis/Ort/was auch immer und macht dann eine Verschwörungstheorie draus die alle offenen Fragen auf die aufregendste Weise klärt. Dabei wählt man meist gezielt Behauptungen die nicht sofort wiederlegt werden können. Wie zum Beispiel wollen sie denen beweisen dass dies kein satanistisches Ritual einer geheimen Weltregierung war? Allerdings handelt es sich hier um erzkonservative Christen die denken das der Antichrist kommt und alle Religionen vereinigt, was natürlich böse ist.

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  • Schööwüeschte am 10.06.2016 22:38 Report Diesen Beitrag melden

    Noch mehr Horror aus der Schweiz

    Ui, sollen wir der EU auch noch unsere Urnäscher (?) Sylvesterchläuse zeigen? Oder noch schlimmer: die Oberwalliser Tschäggetta, die skifahrenden Hexen? Dann sind wir aber ganz unterdurch..., hihi! - Also mich schaudert's bei gewissen hohen EU-Funktionären weit mehr als bei unseren Hexenmasken. Trotz alledem finde ich es unangebracht, Kommentare wie "Was ist los in der Schweiz" als fundamentalistisch zu bezeichnen. Übertreibungen auf allen Seiten bringen uns nicht weiter. Intoleranz, Unwissen und Unverständnis auf allen Seiten...- das ist der teuflische Zeitgeist.