Staatsanwaltschaft

30. Oktober 2015 17:03; Akt: 02.11.2015 13:28 Print

«Tötet Köppel»-Inserat war legal

von D. Waldmeier - Die Veröffentlichung des Mordaufrufs gegen Roger Köppel zieht keine Strafe nach sich. Dennoch ist der Urheber des Plakats noch nicht aus dem Schneider.

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Anfang September erschien im Strassenmagazin «Surprise» ein Beitrag, der es in sich hatte: Es druckte ein Plakat ab, auf dem eine zerbrochene Brille zu sehen war und der Mordaufruf «Tötet Roger Köppel!». Urheber war Philipp Ruch, Schweizer Kopf des deutschen Künstlerkollektivs «Zentrum für politische Schönheit». Er wollte damit auf seine aktuelle Theatervorstellung aufmerksam machen.

Die Justiz wurde daraufhin aktiv. Der Verdacht: öffentliche Aufforderung zu Gewalttätigkeit. Die Zürcher Staatsanwaltschaft ist nun aber zum Schluss gekommen, dass im Falle des Plakats keine Strafbarkeit gegeben ist. Laut dem zuständigen Staatsanwalt Daniel Kloiber ist das Plakat mit dem Verweis auf die Theaterproduktion in Deutschland klar als künstlerische Darstellung erkennbar. «Von einem ernst gemeinten Mordaufruf kann nicht ausgegangen werden.»

Skandal-Künstler droht Verfahren

Während die Macher des Strassenmagazins aufatmen dürfen, ist der Fall für Skandal-Künstler Philipp Ruch noch nicht ausgestanden. Grund dafür ist weniger das Plakat als vielmehr die Äusserungen, die Ruch in diesem Zusammenhang in den Medien gemacht hat. So fragte ihn der «Blick», was passiere, wenn jemand den Mordaufruf ernst nähme. Ruch wurde mit den Worten zitiert: «Wir kämpfen für die Menschenrechte. Wenn Roger Köppel umgebracht wird, können viele Leben gerettet werden. Das ist das kleinere Übel.»

Gemäss Staatsanwaltschaft Kloiber könnte sich Ruch mit dieser Äusserungen strafbar gemacht haben. Da der schweizerisch-deutsche Doppelbürger Ruch in Berlin wohnt, führt die Zürcher Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren aber nicht selbst. «Wir haben den Fall der Staatsanwaltschaft Berlin übergeben», so Kloiber.

Zitate inzwischen ersetzt

Auf Anfrage von 20 Minuten sagt Ruch, er habe die Zitate gegenüber der Zeitung nie autorisiert. Ihm sei das Wort im Mund umgedreht worden. Er könne der Aussage nicht zustimmen. Es sei nicht darum gegangen, dass Köppel «physisch beseitigt» werden müsse.

Edi Estermann, Kommunikationschef des Verlagshauses Ringier, das den «Blick» herausgibt, sagt: «Es handelte sich hierbei um ein telefonisch geführtes Interview, welches der medienerfahrene Interviewte explizit nicht gegenlesen wollte.» Die heiklen Aussagen wurden inzwischen ersetzt.

Das Strassenmagazin «Surprise» hatte sich schon Ende September für die Veröffentlichung entschuldigt: «Wir haben die Wirkungen und Interpretationen dieses Gastbeitrags eindeutig unterschätzt», schrieben die Verantwortlichen. Philipp Ruchs Plakat stelle eine Grenzüberschreitung dar, «wir hätten auf die Publikation verzichten müssen».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stöffel am 30.10.2015 17:11 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn der Aufruf ein SVPler gemacht hätte

    z.B. über die Frau Sommaruga, dann wäre dieser SVPler schon seit Monaten in Untersuchungshaft wegen Aufruf zu Mord! Wenn ein Linker zum Mord aufruft, dann wird das als "Kunst" bezeichnet... und hat keinerlei Konsequenzen. Der Mordaufruf war übrigens im "Surprise" überhaupt nicht als "Kunst" erkennbar sondern wirkte total echt und überzeugend!

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  • ale c. am 30.10.2015 17:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    morddrohung kunst?

    Seit wann bitte sehr hat ein Aufruf zu Gewalt und Mord etwas mit kunst zu tun?

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  • egal am 30.10.2015 17:11 Report Diesen Beitrag melden

    gleich und gleicher

    ist der Mordaufruf gegen diesen "Künstler" somit also auch legal, korrekt? Oder ist hier mal wieder die Regel: Es sind alle gleich, einige aber "gleicher"?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Günter am 01.11.2015 22:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wen will ich loshaben?

    Bin schon am überlegen wen ich loshaben möchte. Wenn Plakate erlaubt sind dann kann ich einen Mordaufruf doch sicher auch bei der SRF platzieren, möglichst noch vor der Tagesschau, damit die Kinder vor dem zu Bett gehen noch etwas Kunst inhalieren können. Habe genug Geld. Kann man in diesem Projekt auch Tötungsprämien aussetzen?

  • Willy am 01.11.2015 21:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    50% der Stimmen

    Schon sehr schockierend und beängstigend was uns hier von unseren eigenen Richtern aufgetischt wird. Wem dienen diese Richter? Normal ist ja der erste Reflex zu den Waffen zu greifen um gegen einen solchen Unrechtstaat anzutreten. Aber es lohnt sich nicht. Hoffentlich hat die SVP bald 50% der Stimmen!!!

  • Fabian am 01.11.2015 18:33 Report Diesen Beitrag melden

    Antwort "Wenn der Aufruf ein SVPler.."

    @ Stöffel Wenn das der Fall wäre, wäre die SVP schon lange "hinter Gittern".

  • Staffacher am 01.11.2015 12:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verrückte Welt

    Komisch, wenn ein SVP-ler auf Facebook mal nicht korrekt äussert gibt es eine Aufstand. Ein linker Knorrli welcher sich als Künstler ausgibt kann ein Aufruf zu Mord machen und das ist dann legal?

  • Peter am 01.11.2015 07:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was passiert?

    Gleiches Plakat aber den Namen von einem SPler.