Vorwurf an Eurobus

31. Juli 2014 16:00; Akt: 31.07.2014 18:07 Print

«Unser Chauffeur fuhr immer zu schnell»

Nach dem Car-Drama in Norwegen mit vier Schweizer Todesopfern werden Vorwürfe gegen Eurobus laut: Die Fahrer des Unternehmens seien zum Rasen gezwungen.

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Als «Traumreise Nordkap–Lofoten» bewirbt Eurobus die Reise durch Norwegen. Auf just dieser Reise verunglückte am Dienstag ein Car mit 17 Insassen – vier Schweizer starben, mehrere Passagiere wurden verletzt. Unter ihnen ist auch der Chauffeur: Gegen ihn hat die norwegische Polizei nun ein Verfahren eröffnet – in Norwegen ein Standardprozedere.

Exakt dieselbe Reise machte 20-Minuten-Leser D. G.* vor einem Monat mit seiner Freundin. Sie habe sich als «Albtraumreise» entpuppt – so habe die ganze Reisegruppe empfunden, sagt der 28-Jährige. Nach der Reise habe die ganze Gruppe einen Beschwerdebrief aufgesetzt und an Eurobus gesandt.

Ein Teil der Beschwerde dreht sich um die Unterkünfte, zu schlechte Hotels und Rastplätze. Ein grosser Teil des Briefes jedoch behandelt das Zeitmanagement und die damit einhergehende Eile des Chauffeurs. D.G. sagt: «Er überschritt permanent die Geschwindigkeitsbegrenzung, fuhr in 60er-Zonen mit 80 km/h und in 80er-Zonen mit 100 km/h.» Auf jener Reise sei ein anderer Chauffeur als beim Unglück vor zwei Tagen engagiert gewesen.

«Hätte uns treffen können»

In einer zweiten Beschwerde an Eurobus schrieb D.G.: «In der kurvigen Gegend in Norwegen rund um die Fjorde konnte man also von Glück reden, dass man die Sicherheitsgurte anhatte. Er hat dauernd die Geschwindigkeitslimite überschritten.» Eine Antwort von Eurobus auf die zweite Beschwerde steht noch aus.

D.G. sagt: «Ich war schockiert, als ich von dem Unfall gehört habe. Das hätte genauso gut unsere Gruppe treffen können.» Er gibt die Schuld dem straffen Zeitplan. «Wir wurden dauernd gehetzt, der Chauffeur musste Fähren erreichen, konnte uns zum Teil nur 30 Minuten Zeit geben, um etwas zu besichtigen.»

Eurobus-Chef sagt: «Es gibt genügend Zeit»

Auf Anfrage von 20 Minuten teilt Eurobus mit, dass der betreffende Chauffeur nach der Rückmeldung von seinen Vorgesetzten mit den Vorwürfen konfrontiert und zu einem Gespräch aufgeboten worden sei. Eurobus-Geschäftsführer Andreas Meier bestreitet, dass das Reiseprogramm die Chauffeure zum Rasen zwingt: «Es ist so eingeteilt, dass genügend Zeit besteht, von A nach B zu kommen, und dies mit den gesetzlich vorgeschriebenen Geschwindigkeitsvorschriften.»

Ein weiteres Problem, das laut Leser D.G. den Chauffeur permanent unter Druck gesetzt hatte: Er habe die 14-tägige Reise mit der Gruppe alleine durchgeführt. «Einen Chauffeur zu engagieren, der diese Strecke noch nie absolviert hat und noch dazu allein war, ist für mein Verständnis unzumutbar.»

* Name der Redaktion bekannt

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