Ökostrom-Verband

16. August 2018 18:05; Akt: 16.08.2018 18:37 Print

«Unsere Energiewende findet im Ausland statt»

von Nikolai Thelitz - Dank Energiestrategie 2050 gebe es mehr Arbeitsplätze, sagten die Befürworter. Ökostrom Schweiz warnt nun aber: Das Geld würde momentan eher ins Ausland fliessen.

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Letzten März nahm das Schweizer Stimmvolk die Energiestrategie 2050 an. Der Slogan der Befürworter war: «Geld bleibt hier». Vor der Abstimmung hatte beispielsweise WWF-CEO Thomas Vellacott versprochen: «Das Geld, welches jetzt in Erdöl- und Uranimporte fliesst, bleibt in der Schweiz. Es wird hier in erneuerbare Energie investiert. Damit gewinnt das Gewerbe, damit werden Arbeitsplätze geschaffen, die Abhängigkeit vom Ausland sinkt.»

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Sollen Schweizer Unternehmen in Windparks im Ausland investieren?

Der Branchenverband Ökostrom Schweiz sieht dieses Versprechen aber nicht eingelöst: «Momentan wandert das Geld eher ab, unsere Energiewende findet im Ausland statt», sagt der stellvertretende Geschäftsführer Andy Kollegger.

Erst vor zwei Wochen sei bekannt geworden, dass etwa die Elektrizitätswerke der Stadt Zürich (EWZ) in Norwegen einen 30- Megawatt-Windpark für geschätzt 50 Millionen Franken gekauft haben. Die Axpo habe in französische Windparks investiert, genau wie die BKW. Die EKZ investiere derweil in Windenergie in Portugal und Deutschland.

«In der Schweiz werden Projekte nur zögerlich umgesetzt»

Die Energieanbieter wollten ihr Portfolio an Ökostrom ausbauen, dieser könne problemlos in der Schweiz verkauft werden, so Kollegger. Derartige Investitionen seien hierzulande gar nicht möglich: «In der Schweiz werden neue Projekte – wenn überhaupt – nur zögerlich umgesetzt.» Schuld daran sei die lange Warteliste und auch die Ungewissheit nach dem Auslaufen der kostendeckenden Einspeisevergütung (siehe Box).

Damit es bei den erneuerbaren Energien in der Schweiz vorwärtsgehe, müsse das Parlament nun rasch das neue CO2-Gesetz verabschieden. Es sollen Voraussetzungen für Klimaschutzmassnahmen mit grossem ungenutztem Potenzial in der Schweiz und eine angemessene Kompensation des CO2-Ausstosses im Inland geschaffen und wenn nötig auch eine finanzielle Abgeltung für die Klimaschutzleistung festgelegt werden. Gleichzeitig brauche es eine Lösung für die Zeit nach der kostendeckenden Einspeisevergütung.

«Man darf nicht das Inland gegen das Ausland ausspielen»

Grünen-Nationalrat Bastien Girod findet aber: «Man darf in dieser Diskussion nicht das Inland gegen das Ausland ausspielen. Klimawandel ist ein globales Problem. Ich habe lieber ein Windkraftwerk im Ausland anstatt ein Atom- oder Kohlekraftwerk im Inland.» So sei beispielsweise das Potenzial für Windparks in der Nordsee sehr gross. «Dass Schweizer Unternehmen hier investieren, ist sehr wünschenswert.»

Gäbe es eine Quote für die CO2-Kompensation im Inland, würde der Strom für die Konsumenten zu teuer. «Man kann die inländischen Kraftwerke auch anders fördern und sie etwa über die kostendeckenden Einspeisevergütungen finanziell stärker unterstützen oder die Einmalvergütungen auch für andere Anlagen, nicht nur Fotovoltaik, anbieten.»

«Viele Projekte scheitern am lokalen Widerstand»

Laut den EWZ investiert man auch in der Schweiz in Windparks, stösst dabei aber auf Widerstand: «Seit rund 10 Jahren sind wir im Kanton Waadt an zwei Windparkprojekten beteiligt. Bis heute konnten wir mit dem Bau der Windparks nicht beginnen, da der Bewilligungsprozess sehr aufwendig ist und sehr langsam vorangeht», sagt Sprecher Harry Graf. In der kleinräumigen Schweiz sei im Gegensatz zum Ausland der Bau von Windparks nicht etabliert.

Im Ausland sind die Windverhältnisse zudem viel besser. «Der norwegische Windpark Høg Jaeren gehört zu den ertragreichsten Binnenstandorten Europas.» Auch Axpo, EWZ und BKW verweisen auf das langwierige Prozedere in der Schweiz und die besseren Windbedingungen im Ausland. Axpo-Sprecherin Monika Müller ergänzt: «Viele Projekte scheitern am lokalen Widerstand.» Damit die Windenergie in der Schweiz eine stärkere Bedeutung erlange, brauche es vermehrt Kompromisse zwischen den involvierten Parteien.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • fuat am 16.08.2018 18:48 Report Diesen Beitrag melden

    Geht es jetzt eigentlich darum

    das Klima zu 'retten' oder doch eher darum den Mitgliedern des Lobbyverbands Ökostrom Schweiz fette Gewinne zu finanzieren?

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  • Peter am 16.08.2018 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    Faules Ei

    Das neue Energiegesetz war schon per Definition ein faules Ei. Leider hat sich niemand die Zeit genommen, das mal durchzulesen. Von einer Strategie zu sprechen ist blanker Hohn, besteht doch der Text hauptsächlich aus Begriffen wie Lenkung und Abgaben. Es gibt keine Strategie sondern ein Gesetz, welches in Anbetracht der Zuwanderung uns mittelfristig wieder beschäftigen wird. Eine Strategie würde Lösungen beinhalten, hier ging es lediglich um Verbote und alles teurer zu machen.

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  • kokes am 16.08.2018 18:46 Report Diesen Beitrag melden

    super deal

    zuerst Windanlagen mit Milliarden eur zu subventionieren und dann den Betreibern Hunderte Millionen zahlen damit sie sie abstellen und das Netz nicht überlasten.Eine automatisierte Melkanlage der Steuerzahler.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rolf am 21.08.2018 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    CH-Geld in eigene CH-Energie stecken

    Das CH-Geld muss in der CH ankommen und nicht im Ausland - die CH darf sich nicht vom Ausland abhängig machen lassen - die CH braucht auch keine Abzocker-Forscher welchen unsere Bundeskasse aushöhlt und auch noch gratis Wohnung usw. zur Verfügung stellt und noch Steuerbegünstigungen erehalten.

  • Alfred A. am 20.08.2018 23:24 Report Diesen Beitrag melden

    Ja genau

    Unsere Energiewende findet im Ausland statt. Zu recht denn das macht auch Sinn. Schliesslich ist es nicht die dümmste Idee, Windräder da hin zu bauen wo auch viel Wind ist und Sonnenkollektoren da wo viel Sonne ist.

  • Pit am 20.08.2018 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    Grosse Worte von Leuthard

    Die ganze Abstimmung zur Energiewende war und ist eine grosse Lüge! Nicht annähernd wird das eingehalten was versprochen wurde!

  • Besorgter Bürger am 19.08.2018 22:30 Report Diesen Beitrag melden

    Die Linke Lobby darf alles!

    Es ist echt lustig, die Diskussionen hier zu lesen. AKW-Lobby wird kritisiert, Windlobby befürwortet. Da wird AKW-Befürwortern dies und das um die Ohren gehauen. Selbst sind die Linken und auch ein hier sehr aktiver SP-Politiker keinen Deut besser. Die handeln genau so, wie diejenigen, die sie kritisieren. Würde mich mal schwer Wunder nehmen, ob die dann auch mal die Verantwortung übernehmen, wenn die ES2050 ein Flopp wird?! Dann sind wieder alle anderen und die böse SVP schuld. In der Wirtschaft übernehmen CEOs zum Teil noch Verantwortung für Fehlentscheide.

  • Doris K am 19.08.2018 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so

    Da bringt es auch etwas.