Swiss Litter Report

23. Januar 2018 14:20; Akt: 23.01.2018 14:20 Print

«Unsere Flüsse und Seen sind Müllkippen»

von D. Krähenbühl - In Schweizer Gewässern schwimmt laut einer Studie viel mehr Plastik als gedacht. Hat die vermeintlich saubere Schweiz ein Abfallproblem?

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Der Verein Stoppp (Stop Plastic Pollution Switzerland) hat eine Studie veröffentlicht, die zwischen April und Dezember 2017 durchgeführt wurde. 120 Freiwillige haben an über 90 Standorten an Schweizer Gewässern knapp 80000 Abfallgegenstände eingesammelt, kategorisiert und entsorgt. Wie die Studie zeigt, ist Plastik das mit Abstand am häufigsten gefundene Material: Über 62 Prozent der Abfälle in den Gewässern waren Kunststoffe. Schuld daran seien die unzähligen achtlos auf den Boden hingeworfenen Zigarettenstummel, schreibt Stoppp. «Ein einziger Zigarettenfilter kann 7,5 Liter Wasser für Lebewesen unbelebbar machen.» Viele Raucher wüssten nicht, dass Zigarettenfilter aus einem Kunststoff bestehen, der Jahre braucht, um sich abzubauen. «Reduktionsziele für Einwegprodukte in der Schweiz sind bitter nötig», sagt Gabriele Kull, Pressesprecherin bei Stoppp. Im Bild: Mikroplastik unter dem Mikroskop. Winzige Plastikpartikel gelangen auf zwei Wegen in die Umwelt – und so in die Gewässer. Die Infografik «Wie gelangt der Müll ins Meer» des WWF zeigt die Auswirkungen von Abfallprodukten in Gewässern. «Ein wesentlicher Grund für Littering ist der vermehrte Einsatz von Einwegverpackungen», sagt auch Nora Steimer, Mediensprecherin der IG saubere Umwelt (IGSU). «Plastikmüll ist über Hunderte von Jahren nicht abbaubar und darum äusserst schädlich für Tiere und Umwelt», sagt Silvia Frey, Leiterin Wissenschaft und Bildung bei OceanCare. Auch diese Pflegeprodukte sind mit Mikroplastik belastet, wie der NDR nachgewiesen hat. Der deutsche Forscher Gerd Liebezeit wies zudem nach, dass auch Honig teilweise durch mikroskopisch kleine Plastikkugeln verunreinigt ist. In 19 untersuchten Honigproben fand er Fasern und Plastikfragmente, in vier Proben fanden sich ausserdem Plastikkügelchen. Im Genfersee haben Forscher der ETH Lausanne eine überraschend hohe Konzentration von Mikroplastikteilchen festgestellt.

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In der Schweiz ist alles blitzblank. Die Strassen sind gewischt, der Abfall wird recycelt und die Flüsse und Seen sind so sauber, dass man aus ihnen trinken könnte. Dass dieses Bild der Schweiz nichts mehr mit der Realität zu tun hat, zeigt die grosse Plastik-Studie «Swiss Litter Report», die zwischen April und Dezember 2017 durchgeführt wurde.

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120 Freiwillige haben an über 90 Standorten an Schweizer Gewässern knapp 80'000 Abfallgegenstände eingesammelt, kategorisiert und entsorgt. Der Verein Stoppp (Stop Plastic Pollution Switzerland), der hinter der Studie steht, kommt zu einem ernüchternden Schluss: «Unsere Flüsse und Seen sind regelrechte Müllkippen.»

Zigarettenfilter als Problem

Wie die Studie zeigt, ist Plastik das mit Abstand am häufigsten gefundene Material: Über 62 Prozent der Abfälle in den Gewässern waren Kunststoffe. Schuld daran seien mitunter die unzähligen Zigarettenstummel, die achtlos auf den Boden geworfen werden, schreibt Stoppp. «Ein einziger Zigarettenfilter kann 7,5 Liter Wasser für Lebewesen unbelebbar machen.» Viele Raucher wüssten nicht, dass Zigarettenfilter aus einem Kunststoff bestehen, der Jahre braucht, um sich abzubauen.

«Heutzutage haben viele Schweizer das Gefühl, ihr Abfall werde sowieso weggeräumt», sagt Gabriele Kull, Pressesprecherin bei Stoppp. Das liege nicht an einem geänderten kulturellen Verständnis, sondern sei ein grundlegendes Mentalitätsproblem der Wegwerfgesellschaft. Bisherige Lösungsvorschläge aus der Politik seien reine Symptombekämpfung, sagt Kull. «Reduktionsziele für Plastik-Einwegprodukte in der Schweiz sind bitter nötig.»

Bevölkerung auf Problem sensibilisieren

«Ein Grund für Littering ist die Zunahme der Mobilität und des Unterwegskonsums, wodurch vermehrt Einwegverpackungen zum Einsatz kommen», sagt auch Nora Steimer, Mediensprecherin der IG saubere Umwelt (IGSU). «Ein zunehmend respekt- und achtloser Umgang mit der Umgebung ist einer der Gründe für Littering», sagt sie. Die meisten Leute würden ihren Abfall zwar korrekt und nicht im öffentlichen Raum entsorgen. Dennoch sei es wichtig, die Bevölkerung auf das Problem zu sensibilisieren.

«Plastikmüll ist über Hunderte von Jahren nicht abbaubar und darum äusserst schädlich für Tiere und die Umwelt», sagt Silvia Frey, Leiterin Wissenschaft und Bildung bei OceanCare. Plastik werde zur Falle für die Tiere, die dann in ihrer Nahrungssuche oder Bewegung eingeschränkt werden und daran sterben können.
Aus Makro- entstehe Mikroplastik, wenn das Material spröde und kleiner werde. «Ist das Mikroplastik einmal im Gewässer, gibt es keine Möglichkeit mehr, es herauszufiltern», sagt Frey. Darum sei es so wichtig, Plastik an der Quelle zu reduzieren. Eine einfache Möglichkeit habe das Parlament letztes Jahr verpasst, als es Mikroplastik in Kosmetika nicht verbieten wollte. Eine verpasste Chance, so Frey.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lars am 23.01.2018 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    Grund für Littering

    Sind fehlende Abfalleimer und Aschenbecher sowie fehlende Erziehung und Manieren...!!

    einklappen einklappen
  • Mensch am 23.01.2018 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe ich nicht?!?!?!

    warum man die Glasflaschen aus den Regalen entfernt und danach jammer wir haben zu viel Plastik im Müll.

    einklappen einklappen
  • Plas Tiknatur am 23.01.2018 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    Aus den Augen, aus dem Sinn

    Solange wie unser Parlament und der Bundesrat sauberes Mineralwasser auf dem Tisch haben ist alles kein Problem...! Das Problem ist seit gut 20 Jahren bekannt und seit damals wird gewarnt von Wissenschaftlern. Es braucht nochmals 20 Jahre bis die Krebsrate durch Mikroplastik die von Lungenkrebs erreicht... Der Bundesrat diskutiert lieber über Spitäler und Krankenkassenprämien, statt sich um präventiv und die Volksgesundheit zu kümmern... in 20 Jahren sind dann andere Bundesräte am Ruder... Politisieren nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Salvatore am 28.01.2018 17:26 Report Diesen Beitrag melden

    Müllproblem

    Das müllproblem ist mittlerweile sehr schlimm geworden. Hier muss sehr viel getan werden um das in den Griff zu bekommen .

  • Stefan M. am 25.01.2018 18:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gummientchen und co.

    Ja, die ach so saubere Schweiz hat ein Abfallproblem. Dazu eine kurze Liste was ich gestern am Ufer der Bünz zusammengetragen habe: 7,5 dL Weinflasche 5,0 dL Cola PET-Flasche 5,0 dL Alu-Bierdose 2,5 dL Energy-Drink-Dose Sprühdose Frottétuch Gummientchen Entsorgt euern Müll doch einfach korrekt, dass sollte doch nicht zu viel verlangt sein.

  • Snuser am 25.01.2018 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Konzept

    jede Snusdose verfügt über ein kleines Fach im Deckel, wo man gebrauchte Snusbeutel entsorgen kann. Man sieht ganz selten mal ein Snusbeutel rumliegen. Schweden stehen nicht auf Littering.

  • Beat Bachmann am 25.01.2018 11:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    eltern geben wissen weiter an kinder....

    die wegwerfpolitik der leute hat nichts mit kultur zu tun. es ist eher ein erziehungs problem bei den kinder. eltern zeigen ja den kindern wies geht im leben. was kinder lernen, gebrauchen sie später auch leben.

  • Chis57 am 25.01.2018 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zigarette Stummel

    Oft beobachte ich, wie die Raucher-innen ihre Zigaretten Stummel in einer Dohle entsorgen. Aus den Augen, aus dem Sinn! Aber eben nicht.