Tinder-Schwindler

11. März 2019 11:07; Akt: 11.03.2019 12:20 Print

«Viele Frauen träumen vom Luxusleben»

Der Tinder-Schwindler Shimon Hayut hat mehrere Frauen um den Finger gewickelt. Der forensische Psychiater Josef Sachs erklärt, wie ihm das gelang.

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Shimon Yehuda Hayut liess es sich gut gehen. Auf Bildern und Videos präsentierte er sich als Erbe eines milliardenschweren Imperiums. Seine Reisen führten ihn auch nach Zürich. Mit diesen Bildern versuchte er eine Frau aus Dübendorf zu beeindrucken. Unter dem Namen Michael zeigte er reges Interesse an ihr. Er verlangt «sexy Fotos» von ihr und will wissen, wann sie sich in Zürich treffen können. Und er schickt ihr zahlreiche Fotos und Videos von sich. «Du verbringst sehr viel Zeit im Flugzeug», sagt Jennifer dann auch. «Ja, ich fliege viel. Schick mehr Fotos von dir», lautet seine Antwort. Auf die wiederholte Frage nach seinem Nachnamen reagiert er aber genervt: «Ich bin nichts für dich. Alles Gute.» Auf den Bildern zeigt er sich gerne am Steuer von teuren Fahrzeugen wie Porsches ... ... Maseratis ... ...als Reisender in der Business- oder First-Class ... ... oder gar als Eigentümer von Privatflugzeugen trat er auf. Die Privatflugzeuge waren aber immer gechartert. Dafür bezahlt hat nicht er, sondern eine der zahllosen Frauen, die er auf Tinder angeschrieben hatte. Insgesamt soll er mit seiner Tinder-Masche über 600'000 Franken ergaunert haben. Schon 2011 sei Hayut in Israel wegen Diebstahls, Betrug und Fälschung angeklagt gewesen. Vor Gericht sei er jedoch nie gestanden, da er sich nach Europa abgesetzt habe. Im Jahr 2016 wurde der stets gut gekleidete Israeli schliesslich in Finnland wegen mehrfachen Betrugs zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und dann 2017 nach Israel ausgeliefert. Dort kam er gegen Kaution frei – und ist seither untergetaucht. Auch Jennifer aus Dübendorf geriet so in den Fokus des israelischen Playboys. Doch der Instinkt warnte die 25-Jährige. «Ich hatte schon von Anfang an ein ungutes Gefühl», sagt Jennifer. «Zuerst dachte ich, das ist einer, der dich nach Dubai einlädt und dann irgendwo an Menschenhändler verkauft.» Mit diesen Bildern hat sich der Trickbetrüger unter dem Namen Simon (Leviev) auf Tinder präsentiert. Privatflugzeug, Brille, Armbanduhr. Das Selfie sitzt. Wow, nochmals ein Privatflugzeug. Und ... was für ein Wunder: Ein Bild im Privatflugzeug.

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Unter dem Namen Michael Biton und Simon Leviev war der Tinder-Schwindler auch in der Schweiz unterwegs. Mit seinem Jetset-Leben wollte er Frauen um den Finger wickeln. Der forensische Psychiater Josef Sachs analysiert seine Masche.

Herr Sachs, mindestens ein Dutzend Frauen sind auf Shimon Hayut reingefallen, der auf Tinder vorgab, millionenschwer zu sein. Warum war er mit dieser Masche so erfolgreich?
Solche Betrüger sprechen einen Traum an, den viele Frauen haben: Einen finanziell stabilen Partner an der Seite zu haben, der einem auch etwas Luxus geben kann. Die Betrüger sind sehr überzeugend in dem, was sie tun, weil sie so selbstsicher auftreten. Häufig sind solche Männer sehr einnehmend und charmant. Man neigt dazu, jemandem, den man sympathisch findet, eher zu glauben.

Junge Frau sucht reichen Mann, der ihr ein Luxusleben beschert, – ist das wirklich noch ein zeitgemässer Wunsch?
Der Wunsch ist nicht mehr zeitgemäss, aber noch sehr verbreitet. Allerdings gibt es auch die umgekehrte Variante: Junge Männer träumen von der Heirat mit einer reichen Frau, die ihnen ein Leben in Saus und Braus ermöglicht.

Zurück zum Tinder-Schwindler. Warum waren die Frauen nicht kritischer ihm gegenüber?
Er bedient sich einer sehr perfiden Masche: Indem er den Frauen Luxus-Bilder von sich schickt und sie auch luxuriös ausführt, sind sie eher bereit ihm zu glauben. Für die meisten von uns sind Bilder glaubwürdiger als Worte. Wir gehen instinktiv davon aus, dass Bilder nicht lügen können, was leider nicht stimmt. Mehr denn je können auch Bilder manipuliert werden.

Die bisher bekannten Opfer sind hübsch und blond. Was sagt das über den Tinder-Schwindler aus?
Er hat ein klares Beuteschema, was auf persönliche Vorlieben zurückzuführen ist. Ausserdem scheint er zwei Dinge auf einen Schlag erreichen zu wollen: Er will auf eine möglichst angenehmen Art möglichst viel Geld erlangen. Vielleicht hat er narzisstische Züge und zeigt sich besonders gern in toller Begleitung.

Rechnen attraktive Frauen weniger damit, Betrugsopfer zu werden, weil sie sich gewohnt sind, von Männern umgarnt zu werden?
Nicht unbedingt. Aber auch attraktive Frauen sehnen sich nach einer verbindlichen Beziehung. Betrüger sind Meister darin, Ernsthaftigkeit vorzugaukeln.

Heutzutage ist es normal Bekanntschaften auf Tinder zu schliessen. Wie entlarve ich Betrüger?
Wenn nicht alltägliche Angebote kommen, sollten die Alarmglocken läuten. In unbekannten Situationen sollte man immer auf Zeit spielen. Oftmals drängen Betrüger die Opfer. Es braucht ein gesundes Misstrauen und Wachsamkeit: Wenn jemand wenig von sich preisgibt, sollte man misstrauisch und wachsam sein. Ausserdem sollte man Forderungen von solchen Bekanntschaften mit Leuten aus dem eigenen Umfeld besprechen. Die sind nicht direkt betroffen und sind daher nicht verblendet.

Kennen Sie den betreffenden Mann persönlich? Haben Sie ihn auf Tinder gesehen oder wissen, wo er sich gerade befindet? Dann melden Sie sich per Whatsapp: 076 420 20 20

*Name der Redaktion bekannt

(qll/dp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Manuel Bochsler am 11.03.2019 11:16 Report Diesen Beitrag melden

    Toxisch

    Jeden Tag liest man in den Medien, dass Frauen die besseren Menschen und 100% autonom sind. Schon merkwürdig, dass solche Sachen passieren.

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  • Jens am 11.03.2019 12:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fertig Luxus

    Gleichberechtigung heisst: Schluss mit zum Essen einladen Schluss mit Blumen Schluss mit Tür aufhalten Schluss mit 'ladies first' Schluss mit Kinderwagen ins Tram Militärdienstpflicht Feuerwehrpflicht Zivilschutzpflicht Bis 65 arbeiten

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  • Vato am 11.03.2019 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genau

    Klar hat die andrea richtig und instinktiv gehandelt darum gleich beim match grad ins Hotel.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Daniele C am 14.03.2019 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    Frauentraum

    Vor kurzem ist eine Englische Romanschriftstellerin gestorben, die mit ihren Büchern Erfolg hatte bei Frauen. Die handlung spielte sich immer in einem Luxuriösen Millieu ab. Die hatte Millionenerfolg. Von daher verurteile ich solche Männer nicht, die bedienen einfach die Träume einiger Frauen.

  • b.iatch am 13.03.2019 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    wer sich auf tinder rumtreiben muss

    hat doch schon verloren.

  • Michi am 12.03.2019 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    Sterile Gesellschaft

    Langweilige Welt mit materialistische Frauen. Wen interessiert hier noch eine Beziehung...? Frauen dürfen alles....meist bevorteilt...benötigen Quotenhilfe...Männer sind generalverdächtigt als pedofile und sexisten und im Prinzip immer schuldig....Wisst ihr was...? Das ist es nicht wert...

  • gaga men am 12.03.2019 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Der soll gut aussehen?

    Im Gegenteil. Von Frauen versteht er auch nichts. Wenige wollen Luxus

    • Eidgenossin am 13.03.2019 06:15 Report Diesen Beitrag melden

      @gaga men

      Hä? Nein! Genau diese Frauen die so naiv waren und ihm auf den Leim gingen, genau denen ging es ja gerade ums dicke Portemonnaie! Und das Thema Aussehen,also mir gefällt er auch nicht!

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  • Immerallesbesserwisserundkönner am 12.03.2019 09:21 Report Diesen Beitrag melden

    Unheil

    Wer von einem besseren Leben träumt hat schon den Boden für ein unzufriedenes Dasein präpariert.