Agenturchefin über Berner Fotograf

26. August 2019 12:53; Akt: 26.08.2019 17:22 Print

«Viele junge Models sind einfach zu naiv»

Fotograf S. S.* schreibt unter falschem Namen junge Frauen an und versucht, sie zu einem Aktshooting zu überreden. Dafür verspricht er hohe Gagen. Model-Chefin Ursula Knecht gibt Tipps.

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Der 52-jährige S. S.* versucht seit bald 20 Jahren, Models unter einem Vorwand in seine Wohnung zu locken. Dabei gibt er sich als professioneller Fotograf für «Penthouse» oder «Playboy» aus und verspricht den meist jungen Frauen horrende Gagen. Obwohl der Berner einschlägig vorbestraft ist, lockt er unter falschem Namen weiter Frauen in seine Wohnung. Dies bestätigte eine 18-Jährige gegenüber 20 Minuten. 15’000 Franken bot ihr der vermeintliche Starfotograf vor einigen Tagen für ein Shooting an. Die Bilder sollten anschliessend im Männermagazin «Penthouse» veröffentlicht werden.

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Dazu kam es jedoch nie. Insgesamt drei Shootings soll das Newcomer-Model mit dem Berner gemacht haben. Dieser sei von Mal zu Mal aufdringlicher geworden. «Als er dann auch noch die Hand auf meinen Oberschenkel legen und mich anfassen wollte, weil dass ‹das Magazin so will›, bekam ich Panik», sagte die 18-Jährige. Auf Nachfrage gab sie an, dass sie gehofft habe, durch das Modeln ihr Taschengeld aufzubessern. Zudem habe der Fotograf versprochen, sie gross rauszubringen. Gegenüber 20 Minuten wollte S. keine Stellung nehmen.

Ursula Knecht, Inhaberin der Modelagentur Option, erklärt, wie man solche Vorfälle vermeiden kann.

Ursula Knecht, Inhaberin der Modelagentur Option in Zürich

Frau Knecht, wie läuft ein seriöses Shooting ab?

Wenn man wirklich modeln will, dann ist der Gang zu einer Agentur unumgänglich. Dort wird in der Agentur zuerst eine Vorstellungsrunde gemacht, zudem dürfen Eltern oder eine Begleitperson mit.

Wie schützt man sich und seine Models vor solchen Schwindlern?

Wenn wir unseren Models Fotografen vermitteln, dann prüfen wir diese immer im Voraus. Wenn die Models direkt angefragt werden, raten wir ihnen, dass sie dem Gegenüber sagen, dass er sich an die Agentur wenden soll. So fallen rund 80 Prozent heraus. Diese sind dann einfach unseriös.

Warum ist das heutzutage so ein Problem?

Instagram spielt dabei eine enorme Rolle. Früher war die Person geschützter, heute kann man jemanden binnen Sekunden anfragen. Über Social Media ist es schwer nachzuvollziehen, ob das Gegenüber seriös ist oder nicht. Viele junge Menschen sind da auch einfach zu naiv.

Was halten Sie von der Idee, durchs Modeln schnell sein Taschengeld aufzubessern?

Grundsätzlich ist daran nichts auszusetzen. Aber nicht auf diese Art. Nur über eine Agentur. Auch Facebook-Gruppen finde ich sehr schwierig, man hat da ja kaum Transparenz. Zudem kennen viele das Business gar nicht.

Im vorliegenden Fall wurden die jungen Frauen mit Tausenden von Franken geködert. Ist das realistisch?

Nein, auf gar keinen Fall. Penthouse würde keinem Newcomer so viel zahlen. Diese Gagen sind ein Traum. Bei Editorial-Shootings wie diesem sind 200 bis 600 Franken realistisch. Kampagnen sind da durchaus lukrativer.

Was halten Sie davon, dass man junge Mädchen versucht, zu einem Aktshooting zu überreden?

So etwas ist unmöglich. Wenn ein Aktshooting geplant ist, dann wird das Model im Vorfeld schon darauf vorbereitet. Zudem muss bei einer Agentur niemand überredet werden. Entweder man passt für den Job oder eben nicht. Auch beim eigentlichen Shooting ist man nie mit dem Fotografen allein. An einem ordentlichen Set befinden sich der Fotograf, mindestens ein Assistent und jemand für Haare und Make-up.

(juu)