Bärenexperte weiss

13. April 2012 11:00; Akt: 20.04.2012 15:37 Print

«Von M13 geht nur sehr geringe Gefahr aus»

von Felix Burch - Jungbär M13 muss schnell und effizient vergrämt werden. Das fordert der renommierte Schweizer Bärenexperte Reno Sommerhalder im Interview. Die Schweiz habe bislang versagt.

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Der Schweizer Reno Sommerhalder gehört zu den renommiertesten Bären-Kennern der Welt. Er lebt in Kanada und lehrte unter anderem die kanadische Langlauf-Nationalmannschaft, wie sie sich bei Begegnungen mit Bären zu verhalten hat. Im Interview erklärt Sommerhalder, was die Schweiz im Umgang mit dem Jungbären M13 besser machen müsste.

Was wissen Sie über M13, der sich momentan in Graubünden aufhält?
Reno Sommerhalder: Ich habe ein Video gesehen. Anhand dessen ist eine Beurteilung schwierig. Allerdings sieht das Tier aus, als hätte es wenig Scheu vor dem Menschen.

Ist M13 gefährlich?
Nein. Von den europäischen Braunbären geht generell nur eine extrem geringe Gefahr aus. Die Gefahr, von einer Kokosnuss erschlagen zu werden, ist grösser.

Was für ein Typ Bär ist er?
Es ist ein Bär, der sich aus verschiedenen Gründen nahe an die Menschen wagt. Er ist jung, unerfahren und auf der Suche nach seinem Streifgebiet, seinem Nest.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation mit M13?
Ich bin enttäuscht, dass sich M13 an mehreren Bienenhäuschen sattessen konnte. Es wäre die Aufgabe gewesen, spätestens nach dem Abschuss von JJ3, solche Häuschen mit Elektrozäunen vor Bären zu schützen. Seit mehreren Jahren nun wandern praktisch jedes Jahr neue Bären ein. Die Entschuldigung, wir hätten nicht genug Zeit zur Vorbereitung gehabt, gilt also nicht.

Was muss jetzt unternommen werden?
Wenn ein Jungbär, der keine Angst vor dem Menschen hat, so weitermacht, ist er auf dem Weg, zum Problembär zu werden. Alle Lebensmittel oder andere menschliche Güter wie Honig, Schafe oder Hühner müssen deshalb vor dem Bären geschützt werden. Man kann sie einschliessen oder mit einem Elektrozaun oder Hund schützen.

Das reicht, um den Bären aus dem Siedlungsraum zu vertreiben?
M13 muss jetzt – da er mit einem Sender versehen wurde - effektiv und effizient vergrämt werden (mit Gummischrot, Heulern oder Hunden). Da ist meiner Meinung nach ein klarer Fehler im Schweizer Bärenkonzept. Ein Team müsste schon bevor das Tier zum Problembär wird dafür sorgen, dass der Bär immer, sobald er sich in eine vom Menschen unerwünschte Situation begibt, vergrämt wird. Dies muss nun konsequent gemacht werden. Er soll so schnell wie möglich lernen, sich von Menschen, Schafen, Bienenstöcken und anderen menschlichen Gütern fernzuhalten.

Gibt es genug Platz im Engadin für Mensch und Bär?
Ja. Die Menschen sollen normal weiterleben, spazieren, die Freizeit geniessen. Alles, was potenzielle Nahrung für einen Bären sein könnte, soll aber vor ihm gesichert werden. Weiss man, dass sich in der Nähe ein Bär aufhält, muss man beim Wandern Lärm machen. Bären werden nicht gerne überrascht.

Woher kommt eigentlich der Name M13?
Männchen werden mit einem M und Weibchen mit einem W benannt. An der Zahl erkennt man, um das wie vielte registrierte Jungtier es sich handelt.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich finde wir müssen endlich lernen dass erschiessen zwar das einfachste und billigste Mittel ist aber soll und darf das die Lösung sein? Für was wildern die Italiener Bären aus, wenn wir sie erschiessen nur weil sie zu menschenfreundlich oder zu hungrig sind? Ja vergrault ihn beim unerwünschtem Tun, aber schützt den menschlichen Lebensraum, Schafe, Bienenstöcke etc. Die Menschen können mit den Bären im Einklang leben wenn sie lernen wie man sich ihm gegenüber verhält! Die Natur gehört nicht alleine dem Menschen sondern uns allen! WILLKOMMEN M13 – Monika Vogel

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hansjörg am 13.04.2012 11:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bärenkenner

    endlich ein bärenexperte, hört auf ihn. Jäger sind keine Experten, sie wollen nur Trophäen, schade.

  • Reno Sommerhalder, Bärenexperte am 15.04.2012 04:55 Report Diesen Beitrag melden

    Danke an alle!

    ich möchte allen herzlich für euren kommentar danken..wirklich allen, egal ob eure worte nun pro oder eben gegen bären in der schweiz gerichtet sind, denn das gespräch ist wichtig so dass wir mit diesem thema weiter kommen...allen die noch mehr unternehmen wollen um M13 zu helfen möchte ich auffordern den verschiedenen engadiner gemeinden anzurufen um sie aufzufordern mitzuhelfen M13's und das Leben der anderen zukünftigen CH Bären zu sichern indem alle einwohner dazu aufgefordert werden ungesicherte potentielle Nahrungsmittel wie Honig, Schafe, Hühner, etc. für Bären unzugänglich zu machen.

  • Paul am 13.04.2012 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    Stadtmenschen

    Wenn ich dir Stadtmenschen höre, mit welcher Angst sie von Füchsen, Marder und Zecken reden höre, versteh ich die Welt nicht mehr. Wenn man sich nicht trauen kann, seine Kinder in den Wald spielen zu schicken, oder in die Pfadi, weil dort ein Jungbär lebt, scheint mir das eher eine konkrete Angst. Seien wir alle ehrlich, für Raubtiere von dieser Grösse gibt es keinen Platz mehr in unserer Zivilisation!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Reno Sommerhalder, Bärenexperte am 15.04.2012 04:55 Report Diesen Beitrag melden

    Danke an alle!

    ich möchte allen herzlich für euren kommentar danken..wirklich allen, egal ob eure worte nun pro oder eben gegen bären in der schweiz gerichtet sind, denn das gespräch ist wichtig so dass wir mit diesem thema weiter kommen...allen die noch mehr unternehmen wollen um M13 zu helfen möchte ich auffordern den verschiedenen engadiner gemeinden anzurufen um sie aufzufordern mitzuhelfen M13's und das Leben der anderen zukünftigen CH Bären zu sichern indem alle einwohner dazu aufgefordert werden ungesicherte potentielle Nahrungsmittel wie Honig, Schafe, Hühner, etc. für Bären unzugänglich zu machen.

  • Roman am 14.04.2012 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    Menschen müssen überall Wohnen

    Das Problem liegt hauptsächlich an den Menschen. Es wird lieber irgendwo mitten in der Landschaft ein neues Dorf gebaut als ein anderes zu vergrössern resp. höhere Häuser zu bauen. Die Menschen gehen anschliessend mit dem Bedürfnis, auf dem Land leben zu wollen dort hin und dadurch verkleinert sich der Lebensraum der bisher dort lebenden Tiere. Und kaum lässt sich ein wildes Tier blicken, muss es verschwinden, man möchte ja schliesslich keine gefährlichen Tiere vor dem Haus. Irgendwie passt das nicht so zusammen.

  • Reto Zuan am 14.04.2012 14:16 Report Diesen Beitrag melden

    Namenlos

    Wenn wir nur eine geringe Achtung hätten für Bären, würden wir sie nicht so benennen wie ein Gewehr oder ein Auto. Diese Tiere haben Anrecht auf einen Namen, einen schönen Namen, wie zum Beispiel "Lumpaz" oder "Birichin". Ich bin sicher das würde allen Beteiligten und vor allem ihm besser gefallen.

  • Arno am 14.04.2012 13:34 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Bärenfreunde und Realitätsfremde

    1. wir können uns nicht mit Kanada vergleichen. Unser Land ist viel kleiner und hat leider keine Menschenfreie Gebiete mehr. 2. in Kanada werden Problembären eingefangen und umgesiedelt, wo die Natur noch Natur ist. Das geht hier leider nicht. 3. in Kanada werden Bäre geschossen, die wieder in den Dörfern zurückkehren. 4. man versucht den Bären zu vergrämen, damit er sich nicht zum Problembären entwickelt. Man sollte nicht glauben, dass Jäger nur Tiere töten, sondern den Sinn der Jagd studieren. Es gibt auch Jäger die den Bären gerne sehen. 5. gelingt das nicht, muss er geschossen werden.

  • tony am 14.04.2012 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    Möge er lange leben

    erschiessen ist doch wesentlich zeitsparender, als Massnahmen zu treffen, um den Bären von Dörfern fernzuhalten. Zudem ergäben ja solche Massnahmen keine Trophäe für den Helden, der das Untier in hartem Kampf besiegte. Ich finde es ist ein Armutszeugnis, dass sich ein Bärenexperte von sich aus zu Wort meldet, anstatt dass er längst von den Verantwortlichen Behörden kontakiert worden wäre. Aber eben, erschiessen ist weniger aufwendig. Welcome here M13.